Aktualisiert 01.04.2010 14:53

71-Millionen-BonusDer Dagobert vom Paradeplatz

Der 71-Millionen-Bonus des Credit-Suisse-Chefs Brady Dougan ist die höchste je in der Schweiz bezahlte Prämie. Kann ein Mann allein überhaupt so viel wert sein?

von
Sandro Spaeth

Zahltag für CS-Boss Brady Dougan: Der Manager erhält aus dem vor fünf Jahren lancierten Bonusprogramm PIP (Performance Incentive Plan) 71 Millionen Franken. Damit lässt Dougan den bisherigen Bonus-Rekordhalter Daniel Vasella (Novartis) alt aussehen. Dieser erhielt im Jahr 2008 «lediglich» eine Prämie von 40 Millionen Franken.

Den grossen Reibach macht Dougan dank dem langfristigen Bonusprogramm, das die CS Topmanagern zugestand, um sie lange an sich zu binden. Diese PIP-«Anreizpunkte» darf Dougan nun gegen rund 1,3 Millionen Aktien eintauschen. Das Aktienpaket hatte gestern einen Wert von 70,9 Millionen Franken. Schon heute sieht es für Dougan aber noch besser aus: Die Aktie ist im Verlauf des Donnerstagmorgens bereits um 60 Rappen gestiegen, was Dougans Kasse weiter klingeln lässt: Dem CS-Boss beschert der Kursanstieg 780 000 Franken.

Was ist ein fairer Lohn?

Mit dem 71-Millionen Bonus steigt Topbanker Dougan in den Olymp der Grossverdiener auf. Doch: Welche Arbeit kann so viel wert sein? «Wenn Verträge im Fall von Gewinnen solche Auszahlungen vorsehen, müssen wir das grundsätzlich zur Kenntnis nehmen», sagt Wirtschafspsychologe Tobias Heilmann von der Uni Zürich. Es gehe viel mehr um die Frage, was ein fairer Lohn sei. Auch Heilmann hat dafür keine Antwort parat, weiss aber, dass die Bevölkerung für Millionenboni wenig Verständnis hat: «Wir sind wahrscheinlich deshalb befremdet, weil wir nicht nachvollziehen können, wieso Menschen überhaupt derart viel Geld bekommen für Leistungen, die uns oft im Verborgenen bleiben.»

Ein Bonus entlöhnt den Erfolg: Ob die 71 Millionen Brady Dougan aber viel glücklicher machen als die 40 Millionen Daniel Vasella, ist unklar. «Geld macht sehr wahrscheinlich nicht grundsätzlich glücklicher, beruhigt aber ungemein», so der Wirtschaftspsychologe. Er erklärt: «Ob Dagobert Duck nun 20 oder 50 Millionen Taler in seinem Geldspeicher hat, ist gar nicht mehr relevant, weil er finanziell ausgesorgt hat.» Im Gegenteil: Mehr Geld bedeutet für Dagobert sogar mehr Probleme. «Er leidet unter dem Gedanken, dass er seine vielen Taler wieder verlieren könnte», so Heilmann.

Mehr Bonus in den USA

Mit seinem 71-Millionen-Bonus hat sich Dougan an die Schweizer Spitze katapultiert. In den USA wurden bereits viel höhere Summen ausbezahlt. 2007 erhielt der damalige Investmentbank-Chef von Merrill Lynch fast 84 Millionen Dollar ausbezahlt. Den ganz grossen Reibach machte der langjährige Goldman-Sachs-Chef Henry «Hank» Paulson, der später in Washington über die US-Finanzen wachte. Als er die Bank 2006 wegen seines Finanzministerjobs verliess, durfte er seine Goldman-Aktien im Wert von 480 Millionen Dollar vorzeitig verkaufen.

Dass Dougan nun 71 Millionen einstreicht, hat auch mit Glück zu tun. Wäre das CS-Anreizprogramm bereits im Krisenjahr 2008 zu Ende gegangen, hätte Dougan daraus keinen roten Rappen gesehen. Grund: Das Bonusprogramm war so ausgelegt, dass die Topbanker leer ausgehen, sollte der Aktienkurs unter 30 Franken fallen. Im Februar 2008 war dies der Fall, damals tauchte die CS-Aktie sogar auf unter 24 Franken.

Empörung bei Lehman-Opfer

Verärgert über den Bonus von Brady Dougan ist René Zeyer von der Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer. «Dougan kassiert zusätzlich zu seinem üppigen Gehalt von 1,25 Millionen Franken und dem Bonus des Jahres 2009 von 17,9 Millionen Franken nochmals 70,9 Millionen extra.» Und diese stammten wohlgemerkt aus einem Bonusplan, der auch das Desasterjahr 2008 umfasse, in dem die Credit Suisse einen Verlust von 8,2 Milliarden Franken auswies.

2008 verloren Tausende von Kleinanlegern der CS über Schrottpapiere der Bank Lehman Brothers 600 Millionen Franken. Die CS entschädigte nach öffentlichen Druck rund die Hälfte der Betroffenen. «Tausende von Lehman-Opfern warten bis heute aber vergeblich auf Geld der CS», so Zeyer. Nun fordert die Schutzgemeinschaft die CS-Topbanker auf, zehn Prozent ihres Gelder aus dem langfristigen Anreizprogramm an die Lehman-Opfer abzugeben. Für Dougan wären dies rund 7 Millionen Dollar.

Wie viele «normale» Menschen für Dougans Salär arbeiten müssen, zeigt dieses Video.

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