Probefahrt im Dallara Stradale

Dallara entwickelt Hochleistungs-Rennwagen – nun haben die Italiener ein Fahrzeug mit Strassenzulassung auf die Räder gestellt. 

Dallara entwickelt Hochleistungs-Rennwagen – nun haben die Italiener ein Fahrzeug mit Strassenzulassung auf die Räder gestellt. 

Dallara
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Probefahrt Der Dallara Stradale ist ein Carbon-Biest für die Strasse

Wem Porsche, Aston Martin und Co. zu weichgespült sind, der könnte mit dem Dallara Stradale fündig werden. Kompromisse gibt es hier nicht.

von
Patrick Broich

Gut, dass «Stradale» (Italienisch für Strasse) Bestandteil des Modellnamens ist. Denn so martialisch der Dallara Stradale mit seinem riesigen Heckflügel vom Hof rollt, das kann doch einfach kein Auto mit Strassenzulassung sein. Doch tatsächlich, der Name ist Programm – mit dem Ding darf man morgens seine Brötchen holen.

Dallara entwickelt vorwiegend Rennsporttechnik: Die Spezialisten aus Varano kreieren Chassis für Formel-1-Boliden, feilen an der Aerodynamik von Wettbewerbsfahrzeugen und tüfteln mit dem Segen der FIA konkurrenzfähige LMP2-Wagen aus. Sie liefern namhaften Herstellern zu oder unterstützen sie – die Palette reicht von Audi über Ferrari bis hin zu Toyota. Doch Firmengründer Giampaolo Dallara wollte ein Strassenfahrzeug, mit dem er zur Rennstrecke und nach ein paar schnellen Runden wieder entspannt nach Hause fahren kann.

Fahren ist Arbeit

Doch zuerst muss das Carbon-Chassis geentert werden, was gar nicht so einfach ist. Türen gibt es nämlich keine, man muss stattdessen über die hochgezogene Seitenwand klettern. Klappt auch bei unsportlichen Menschen, sieht aber dann nicht so elegant aus. Der Arbeitsplatz hinter dem griffigen Lenkrad mit Alcantara-Überzug ist tatsächlich ein Arbeitsplatz – denn Fahren mit dem Dallara ist Arbeit. Allein das Anlegen des Vierpunktgurts kann eine Weile dauern.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Arbeit ist in diesem Fall natürlich mit Spass gleichzusetzen. Sobald der von Ford stammende Ecoboost-Vierzylinder zum Leben erwacht, gehen die Mundwinkel nach oben. Mit der Schützenhilfe von Bosch kommt der schnaubende 2,3-Liter auf stramme 294 kW/400 PS – viel Power für ziemlich wenig Auto. Denn selbst mit Flüssigkeiten und Passagier kommt der Racer auf weniger als eine Tonne.

Nur die Seitenscheiben klappen nach oben, danach muss man über die Seitenwand klettern, um in den Stradale zu gelangen.

Nur die Seitenscheiben klappen nach oben, danach muss man über die Seitenwand klettern, um in den Stradale zu gelangen.

Dallara
Bei aller Grundsportlichkeit hat der Fahrer noch die Wahl zwischen «Normal» und «Sport», was sich auf Getriebe und Fahrwerk auswirkt.

Bei aller Grundsportlichkeit hat der Fahrer noch die Wahl zwischen «Normal» und «Sport», was sich auf Getriebe und Fahrwerk auswirkt.

Patrick Broich
Der 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner stammt von Ford und kommt im Dallara auf 294 kW/400 PS.

Der 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner stammt von Ford und kommt im Dallara auf 294 kW/400 PS.

Patrick Broich

Also raus auf die Landstrasse. Unter optimalen Bedingungen soll der Turbobenziner in unter 3,3 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, um dann kaum weniger nachdrücklich bis auf Tempo 280 durchzuziehen. Auch ohne Messung fühlt sich die Beschleunigung brachial an. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es um den Fahrer herum kreischt, rappelt und scheppert. Dank den Sportreifen stellt das Carbon-Biest eine wirklich aberwitzige Bodenhaftung zur Verfügung. Wer nicht über Rennstreckenerfahrung verfügt, wird sich kaum trauen, auch nur in die Nähe des Grenzbereichs zu kommen.

Was hältst du vom Dallara Stradale?

Wer gerade etwa 205’000 Franken herumliegen hat und schon immer mal ein Auto kaufen wollte, mit dem man sich auf dem Track so richtig austoben kann, ist bei Dallara genau richtig. Etwa 200 Exemplare des auf insgesamt 600 Stück limitierten Dallara Stradale sind nämlich noch zu haben.

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