19.11.2020 17:27

Interview mit Florian TeutebergDer Digitec-Galaxus-CEO arbeitet am Black Friday selbst im Lager

In einer Woche ist Black Friday – bei Digitec Galaxus laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Im Interview verrät CEO Florian Teuteberg, was er sich von der Rabattschlacht verspricht und wo er selbst am Black Friday zu finden sein wird.

von
Raphael Knecht

«Wir haben am Black Friday die 100-fachen Besucherzahlen», sagt Teuteberg zu 20 Minuten.

20M

Darum gehts

  • Für Digitec Galaxus ist Black Friday der umsatzstärkste Tag im Jahr.

  • Die Vorbereitungen beginnen jeweils kurz nach Ende des vorherigen Black Friday.

  • Das Unternehmen stellt derzeit Hunderte neue Arbeitskräfte ein.

  • Am 27. November wird CEO Florian Teuteberg selbst im Lager Päckli machen.

Herr Teuteberg, wie wichtig ist Black Friday für Digitec Galaxus?

Black Friday ist für uns der umsatzstärkste Tag des Jahres geworden – noch wichtiger als der letzte Montag vor Weihnachten. Die diesjährige Verlagerung vom stationären zum Onlinehandel dürfte sich auch über die Rabatttage hinziehen: Der Corona-Boom trifft auf Black Friday und Cyber Monday.

Gut fürs Geschäft, oder?

Auf der einen Seite ja: Wir rechnen mit neuen Umsatzrekorden. Auf der anderen Seite bedeutet Black Friday aber auch eine riesige Herausforderung, etwa für unser IT-System, unsere Anlagen in der Logistik oder für unsere Mitarbeiter in den Warenlagern und im Kundendienst. Auf Stundenbasis haben wir am Black Friday manchmal die 100-fachen Besucherzahlen eines normalen Tags. Als der Black Friday von den ersten Anbietern aus den USA in die Schweiz übernommen wurde, habe ich mich schon gefragt, warum sich der Handel so eine Strapaze antut. Jetzt gibt es aber keinen Weg zurück: Der Schnäppchentag hat sich in der Schweiz etabliert.

Wie gehen Sie damit um?

Wir dehnen den Black Friday dieses Jahr auf die Woche vom 23. November bis und mit Cyber Monday aus. So können wir den Ansturm etwas abfedern. Zudem haben in der Vergangenheit Kunden vor dem Black Friday aufgehört, einzukaufen, weil sie auf die Rabatte warteten. Dann dreht die Logistik eine Woche lang Däumchen, und am Freitag bläst es sie fast weg.

Wie sieht die Vorbereitung aus?

Nach Black Friday ist vor Black Friday: Bei uns beginnt die Vorbereitung auf den nächsten Black Friday bald nach dem vorherigen. Die Arbeit dauert also jeweils ein ganzes Jahr. Wir verbessern etwa unsere Websites und bauen unsere Logistikanlagen aus. Auch die Aktionen überlegen wir uns schon früh und planen sie dann im Sommer mit den Herstellern und Lieferanten.

Was ist die grösste Herausforderung?

Das Aufrüsten in der Logistik. Einerseits müssen wir die Anlagen laufend verbessern und ausbauen. Diesen April haben wir etwa in Wohlen eine weitere vollautomatisierte Lagerhalle eröffnet. Andererseits müssen wir das Personal massiv aufstocken: Für diesen Black Friday, Cyber Monday und die Wochen vor Weihnachten besetzen wir sämtliche Arbeitsplätze in unseren Warenlagern. Auch im Kundendienst bereiten wir uns auf den Ansturm vor.

Wie viele Leute braucht es?

Wir stellen seit dem Sommer dauernd Personal ein. In den vergangenen Wochen waren es Hunderte, insgesamt haben wir dieses Jahr über 1000 Personen eingestellt.

Wie wird das Personal in der Pandemie geschützt?

Seit dem Lockdown haben wir sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen mit Masken, Abstand und Hygienemassnahmen. Zudem haben wir Prozesse angepasst, Arbeitsplätze verschoben und das Konzept im Lauf des Sommers optimiert. Der Kundendienst sitzt im Homeoffice, und in den Läden gelten die im Handel üblichen Massnahmen.

Und was macht der Chef am Black Friday?

Ich werde selbst im Lager sein. Es ist Tradition, dass die ganze Geschäftsleitung an Black Friday und Cyber Monday Päckli macht.

Black Friday

Liste der Aktionen landet online

Die Einkäufer von Digitec Galaxus arbeiten mit digitalen Listen, mit denen sie die Aktionen für Black Friday und Cyber Monday planen. Die Listen sind nicht für die Öffentlichkeit gedacht. 2019 sind sie allerdings ins Internet geleaked: Die Listen wurden via Whatsapp und Foren verbreitet. «Wir konnten nicht herausfinden, wer die Listen geleaked hat», sagt CEO Florian Teuteberg zu 20 Minuten. Denkbar sei, dass ein Mitarbeiter die Aktionen einem Freund zeigte, der sie dann weiterreichte, bis schliesslich die halbe Schweiz davon wusste. «Ich nehme an, dass keine böse Absicht dahinter war», so Teuteberg. Ob das Ganze dem Händler geschadet hat, ist unklar – das Unternehmen verzeichnete trotzdem Rekord-Umsätze. Den Vorwurf, Digitec Galaxus habe die Liste extra geleaked, streitet der CEO jedoch ab.

Was sind am Black Friday besonders beliebte Produkte?

Typische Digitec-Produkte wie Fernseher, Notebooks, Handys und Kopfhörer sind jedes Jahr grosse Renner. Dieses Jahr konnten wir aber besonders bei Galaxus viele Kunden dazugewinnen – ich erwarte, dass auch dort einige Produkte schnell ausverkauft sein werden. Bei Galaxus gehen unsere Aktionen querbeet von Küchenmaschinen über Staubsauger bis hin zu Ski. Amüsiert hat mich eine Aktion für Hanfsamenöl für Haustiere, die kommen wird.

Macht Digitec Galaxus keine Lockvogelangebote?

Nein, wir setzen nie die Preise hoch, um sie dann zu senken und das als Aktion zu verkaufen. Unsere Black-Friday-Deals liegen deutlich unter dem Preis, zu dem die Produkte vorher auf dem Markt waren. Die Aktionen sind limitiert und werden extra für diesen Tag ausgehandelt. Ob ein Angebot als attraktiv empfunden wird, ist aber subjektiv.

Manche halten den Black Friday für Konsumverherrlichung …

Ich kann die Haltung nachvollziehen. Ich finde unnötigen Konsum auch nicht sinnvoll. Aber die Shopping-Tage haben auch ihre Berechtigung. Einerseits erwarten unsere Kunden mittlerweile von uns, dass wir bei Black Friday und Cyber Monday mitmachen. Sie wären enttäuscht und teilweise sicher auch wütend, wenn sie bei uns an diesen Tagen keine guten Angebote finden würden. Andererseits wäre es dumm, die enorme Aufmerksamkeit am Black Friday nicht zu nutzen.

Warum?

Egal, ob wir die Rabattschlacht gut finden oder nicht: Die Kunden sind an diesen Tagen auf unseren Websites. Normalerweise zahlen wir Google und anderen viel Geld dafür, dass die Leute in unseren Shop kommen.

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351 Kommentare
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TJ

20.11.2020, 14:44

Da freuen sich die Lagerarbeiter bestimmt sehr.

Trick Track

20.11.2020, 13:29

So lassen sich die hinterletzten Lagerhüter besser finden und verticken, oder? Die alten Bestände müssen ja auch mal raus um Platz zu machen und die Rabattgierigen kaufen das gerne, weil sie dann sogar noch überzeugt sind, sie hätten wirklich ein Schnäppchen gemacht. Das Schnäppchen macht aber der Anbieter!

Nachdenklicher

20.11.2020, 13:17

Würde niemals bei Digitec oder Migros etwas kaufen! Die Besitzerin (Migros) hält die Konsumenten dazu an, nicht im Ausland einzukaufen und stattdessen die Schweizer Händler zu berücksichtigen. Mit Digitec macht die Migros aber genau das Gegenteil: Grauware importieren und die hiesigen Ableger/Händler umgehen. Wasser predigen und Wein trinen passt zum Migros Konzern.