Welt-Leitwährung: Der Dollar ist tot – wer übernimmt?
Aktualisiert

Welt-LeitwährungDer Dollar ist tot – wer übernimmt?

Die US-Währung sackt immer weiter ab, der Euro schwächelt chronisch: Die Währungsordnung ist aus den Fugen geraten. Ganz anders der chinesische Yuan.

von
Othmar Bamert
Fussgänger vor vergrösserten Banknoten vor einem Geldwechsel-Shop in Hongkong.

Fussgänger vor vergrösserten Banknoten vor einem Geldwechsel-Shop in Hongkong.

Es schüttelt und rüttelt an den internationalen Devisenmärkten. Denn der Leithammel, der US-Dollar, lahmt erbärmlich. Die amerikanische Währung sank gegen über dem Schweizer Franken gar unter die Paritätsgrenze. Zum japanischen Yen büsste der Greenback so stark ein, dass die japanische Notenbank erstmals seit 2004 mit Dollar-Stützungskäufen intervenierte. Das gigantische amerikanische Leistungsbilanzdefizit gegenüber China lässt sogar die chinesischen Währungsmauern bröckeln. Derzeit lässt man in Peking eine schrittweise Aufwertung des Yuan zu, um das Ungleichgewicht etwas zu entschärfen.

Die Dollar-Stützungskäufe der japanischen Notenbank sind naturgemäss von ebenso begrenzter Wirkung wie die viel kritisierte Euro-Einkaufstour der Schweizerischen Nationalbank im Frühjahr. Experten sind sich einig: Der US-Dollar als Welt-Leitwährung ist ein Auslaufmodell. Doch welche Währung wird – und kann - übernehmen? Die Kandidatenliste ist kurz. Infrage kommen lediglich vertrauenswürdige Währungen aus starken Volkswirtschaften.

Euro?

Das griechische Drama um die europäische Einheitswährung ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Manche Experten wie der prominente Hedge-Funds-Manager Hendry Wants sehen den Euro bereits am Ende. Denn der Geburtsfehler der europäischen Einheitswährung ist, dass Ungleichgewichte, wie zwischen Deutschland und Griechenland, nicht über den Wechselkurs ausgeglichen werden können. Dies schwächt das Vertrauen wie die Währung selbst.

Britisches Pfund?

«Keine Chance», lautet das Verdikt von Susanne Toren, Währungsspezialistin der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Die englische Währung, die bis zur Einführung des Bretton-Woods-Systems 1944 Welt-Leitwährung gewesen war, habe seither diesen Status komplett eingebüsst und spiele heute eine untergeordnete Rolle im Finanzgefüge. Gegen einen Leit-Status spricht auch das haushohe britische Budgetdefizit.

Yen?

Die japanische Währung hat zwar jüngst eine Aufwertung erfahren. Das ist jedoch kaum auf die wirtschaftliche Potenz zurückzuführen – der japanische Konjunkturmotor stottert - sondern auf ihren Status als relativ stabile Fluchtwährung. In seiner Bedeutung ist der Yen längst vom chinesischen Yuan überholt worden. Als neue Leitwährung steht der Yen international nicht zur Diskussion.

Schweizer Franken?

Noch stärker als der japanische Yen hat sich der Schweizer Franken als knüppelharte Fluchtwährung für unsichere Zeiten erwiesen. Dazu hat er eine solide Volkswirtschaft und gesunde Staatsfinanzen im Rücken. Doch um die Rolle als Leitwährung zu übernehmen, ist die Bedeutung der Schweizer Volkswirtschaft im internationalen Währungsgefüge zu klein.

Gold?

In unsicheren Zeiten flüchten die Anleger in die edle Realwährung. Das schwere Edelmetall eignet sich aber nur als Wertaufbewahrungsmittel und nicht als Transaktionswährung, so Susanne Toren, «wobei wir in letzter Zeit feststellten, dass Leute wieder mit Gold zu zahlen begannen», so die ZKB-Analystin schmunzelnd. Würde Gold wieder breit als Zahlungs- und Recheneinheit verwendet, wäre dies allerdings ein riesiger Rückschritt im effizienten Finanzsystem.

Yuan!

ZKB-Analystin Susanne Toren sieht langfristig den chinesischen Yuan als Leitwährung. Dies vor allem wegen der immer wichtigeren Rolle Chinas im Welthandel. Bis dahin werde allerdings noch viel Zeit vergehen, denn noch seien die Finanzmärkte im Reich der Mitte zu geschlossen. «Um auch eine wichtigere Rolle innerhalb des Weltwährungsgefüge zu spielen, müssten die chinesischen Finanzmärkte liberalisiert und vertieft werden, die Währung ungehindert in andere Währungen umgetauscht werden können», so Toren. Laut der Analystin hat sich eine Leitwährung in der Wirtschaftsgeschichte immer auch dadurch ausgezeichnet, dass sie eine überragende Rolle im Finanzsystem spielt, zum Beispiel als Fakturierungswährung im internationalen Handel, als geltende Währung bei Wertpapieremissionen. Der Yuan sei auf dem Weg dazu.

Susanne Toren sieht die Ablösung des US-Dollars frühestens in zehn Jahren, mögliche politische Umwälzungen bzw. Kriege nicht einbezogen. «Bis dahin wird es kaum eine Alternative zum US-Dollar als Leitwährung geben». Folglich werden die Leute in sichere Nischenwährungen wie den Franken flüchten.

Leitwährung

Als Leitwährung wird die im internationalen Gebrauch bedeutsamste Währung bezeichnet. Die Bedeutung misst sich daran, wie stark die Währung als Transaktions- und Reservewährung genutzt wird.

Derzeit ist der US-Dollar noch die weltweit wichtigste Leitwährung. Von manchen Ökonomen wird er sogar als Weltwährung bezeichnet. Während seine Bedeutung jedoch in Zukunft weiter abnehmen wird, wird jene anderer Währungen steigen.

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