Aktualisiert 22.03.2011 14:44

David gegen Goliath

Der «Dorfladen» trotzt den Grossverteilern

Mit regionalen Produkten wie Äpfeln oder Eiern aus dem Dorf und Fotos vom Bauern oder dem Hühnerstall wehrt sich die Volg-Gruppe gegen die Discounter.

Volg-Laden im zürcherischen Benken.

Volg-Laden im zürcherischen Benken.

Die auf Dorf - und Kleinläden spezialisierte Volg-Gruppe ist im letzten Jahr trotz grosser Konkurrenz von Grossverteilern und Discountern gewachsen. Der Umsatz stieg um 1,7 Prozent auf 1,29 Mrd. Franken.

Erreicht wurde dieses Wachstum in erster Linie mit den 56 Läden der Agrola-Tankstellen, die ihren Umsatz um 15,2 Prozent steigerten. Die Läden mit langen Öffnungszeiten und anderem Sortiment als die Volg-Läden setzten im letzten Jahr 136 Mio. Fr. um.

Bei den Dorfläden, der eigentlichen Kernkompetenz der Volg- Gruppe, fiel das Wachstum jedoch bescheidener aus: Die Verkaufsstellen erzielten einen Umsatz von 1,15 Mrd. Franken, das sind nur 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutsche Discounter: «Schweizerischer als Mutter Helvetia»

Um sich von den Grossverteilern und Discountern abzuheben, setzt Volg auch in Zukunft auf Werte wie Nähe und Verbundenheit. Dies wird beispielsweise mit regionalen Produkten erreicht, etwa Äpfeln oder Käse aus dem Dorf, was gemäss Hirsiger sehr gut ankomme.

Um die Produkte zusätzlich zu emotionalisieren, lässt Volg gegenwärtig bei allen lokalen Produkten ein Foto des Bauers oder der Bäuerin anbringen oder zeigt die Produktionsstätte, also etwa den Hühnerstall.

Sorgen bereitet der Volg-Führung jedoch, dass sich sogar deutsche Discounter heute «schweizerischer als Mutter Helvetia geben und von Nähe reden, auch wenn der nächste Laden meilenweit entfernt ist», wie es Verwaltungsratspräsident Werner Beyer ausdrückte.

Kunde gibt pro Einkauf weniger Geld aus

Während der Umsatz praktisch gleich blieb, hat die Zahl der Kunden um zwei Prozent zugenommen, wie an der Medienkonferenz vom Dienstag zu erfahren war. Der einzelne Kunde gab im Volg-Laden also weniger Geld aus.

Dies liegt einerseits daran, dass Volg seine Produkte wegen des Preiskampfes um durchschnittlich 1,1 Prozent billiger verkaufte. Andererseits erledigen heute aber auch viele Kunden ihren Wocheneinkauf bei der Konkurrenz und sehen Volg als Ergänzung dazu.

Man kaufe nicht mehr jeden Tag eine Flasche Rivella sondern einmal in der Woche ein Sixpack beim Grossverteiler, fasste Volg- Geschäftsführer Ferdinand Hirsig diese Entwicklung zusammen.

Wachstum «westlich des Baregg-Tunnels»

Trotz wachsender Konkurrenz blickt Volg optimistisch nach vorne und baut seine Infrastruktur entsprechend aus. Fenaco, die Mutter von Volg, investiert gegenwärtig 70 Millionen Franken in ein neues Verteilzentrum für Frischprodukte in Oberbipp BE und eine neue und grössere Verteilzentrale in Winterthur, dem Sitz der Gruppe.

Vor allem die neue Frische-Zentrale in Oberbipp soll Volg bei seinem künftigen Wachstum helfen. Die Ostschweizer planen nämlich, ihr Einzugsgebiet mehr und mehr nach Westen auszudehnen. Ursprünglich nur in den Kantonen Zürich, Aargau, Thurgau und Graubünden aktiv, ist Volg heute bereits in 19 Kantonen tätig.

Alleine im Kanton Bern sind innerhalb von 15 Jahren 51 Standorte dazugekommen. Westlich des Baregg-Tunnels sehe man das grösste Potenzial, sagte Hirsiger. Eine konkrete Zahl an geplanten Läden konnte er nicht nennen. Das Wachstum in diesen Regionen werde aber wohl primär durch freie Detaillisten erreicht, die Volg-Produkte verkaufen - nicht durch Läden, die von Volg selber geführt werden.

(sda)

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