Aktualisiert 28.02.2012 07:13

Fall Kampusch

Der Druck der Medien nimmt zu

Was 20 Minuten Online publik machte, bestätigt nun ein Politiker: Die Aktenlage legt im Fall Kampusch mehr als einen Täter nahe. Auch die Medien berichten nun vermehrt über die Ungereimtheiten.

von
feb/kle

Ein Bild der Leiche von Wolfgang Priklopil, das 20 Minuten Online am 8. Februar exklusiv veröffentlichte, stellte erstmals infrage, dass sich Natascha Kampuschs Entführer wirklich unter einen Zug geworfen hatte. Das Foto zeigt einen fast unversehrten Körper auf der einen, den abgetrennten Kopf auf der anderen Seite der Schienen. Auf Obduktionsbildern soll noch eindrücklicher sichtbar sein, wie wenig Schaden der Körper und der Kopf von Priklopil genommen haben. Wäre er tatsächlich von einem Zug erfasst worden, müsste sein Körper laut österreichischen Bahnspezialisten aber zerfetzt worden sein. Dies würde bedeuten, dass Priklopil allenfalls von jemandem beseitigt wurde und ein weiterer Täter in den Kampusch-Fall involviert wäre.

Genau 20 Tage nach den Enthüllungen von 20 Minuten Online bestätigt nun Werner Amon, Leiter des Unterausschusses, welcher den Fall Kampusch durchleuchtet, dass aus seiner Sicht eine Einzeltätertheorie nur schwer aufrechtzuerhalten sei. Er sei kein Anhänger von Verschwörungstheorien. «Doch es gibt ein dickes Dossier über unterlassene Ermittlungsschritte. Die volle Wahrheit muss nun ans Licht», so Amon zum «Spiegel».

Die Gerüchte um Hilfe vom FBI

Amons Aussage wurden nun auch von den im Zusammenhang mit Kampusch eher zurückhaltend berichtenden Medien «ORF» und «Krone» aufgenommen. Zudem berichteten der «Kurier», «der Standard» sowie die Nachrichtenagentur «AP» über die Entwicklungen im Fall. Laut «Krone» erwägt man nun gar internationale Hilfe anzufordern. Das FBI und das deutsche Bundeskriminalamt sollen kontaktiert werden. Eine allfällige Zusammenarbeit mit internationalen Experten wäre aber höchstens beratend möglich, so ein Beobachter des Falles. Mittlerweile sind auch die Schweizer Medien auf das Thema aufmerksam geworden. «Tages-Anzeiger.ch» beispielsweise titelte «Parlamentsausschuss geht von zweitem Täter im Fall Kampusch aus».

Wie es tatsächlich weitergeht, soll sich März herausstellen. Dann legt der Unterausschuss erste Ergebnisse vor. Wahrscheinlich ist, dass der Justiz eine Wiederaufnahme des Verfahrens empfohlen wird.

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