Nicht am Saisonstart: Der dümmste Unfall in Tom Lüthis Karriere
Aktualisiert

Nicht am SaisonstartDer dümmste Unfall in Tom Lüthis Karriere

Tom Lüthi wird den Saisonstart wohl verpassen. Sein Unfall lenkt Aufmerksamkeit wieder einmal auf den grössten Unsinn des Motorradrennsportes: Die Testfahrten im Frühjahr.

von
Klaus Zaugg

Nach der gut verlaufenen Operation der Schulter- und Armverletzungen von Tom Lüthi rechnet sein Manager Daniel M. Epp nicht mehr mit dem Saisonstart am 7. April in Doha (GP von Katar) und dem zweiten Rennen in Texas (21. April): «Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass Tom beim Saisonstart dabei sein kann. Aber es ist sehr unwahrscheinlich. Ich gehe jetzt davon aus, dass wir die zwei ersten Rennen verpassen und Tom am 5. Mai beim dritten GP der Saison in Jerez in die WM einsteigen wird. Er wird erst Rennen bestreiten, wenn er wieder hundertprozentig fit ist.» Das bedeutet für Tom Lüthi zwei «Nuller» (keine Punkte in den zwei ersten von 17 Rennen) und damit eine Schmälerung der Titelchancen. Wenn Tom Lüthi fit ist, gehört er zu den aussichtsreichsten Titelanwärtern.

Die Reglemente erlauben einem Team, zwei Rennen pro Saison auszusetzen – dann muss ein Ersatzfahrer eingesetzt werden. Daniel M. Epp sagt, dass er so oder so keinen Ersatzpiloten für Tom Lüthi sucht – auch dann nicht, wenn fest steht, dass die zwei ersten Rennen verpasst werden. «Ich werde in den nächsten Tagen noch mit dem GP-Promoter Dorna reden. Ein Ersatzfahrer für Tom Lüthi macht keinen Sinn, auch nicht für unsere Sponsoren. Es bringt ja nichts, wenn Toms Maschine von einem Piloten in den hinteren Rängen präsentiert wird. Es wäre etwas anderes, wenn wir einen Schweizer Topfahrer hätten, der auf eine Chance im GP-Geschäft wartet. Aber diesen Piloten gibt es nicht.»

Warum überhaupt Testfahrten im Frühjahr?

Inzwischen ist ein Video über Tom Lüthis Unfall in Valencia aufgetaucht. Die Bilder bestätigen die bereits bekannte Version: Tom Lüthi ist an diesem Unfall hundertprozentig unschuldig. Er ist vom Thailänder Ratthapark Wilairot «abgeschossen» worden. Daniel M. Epp sagt: «Wilairot ist gestürzt und dabei hat er Tom Lüthis Maschine touchiert. Es geht gar nicht um eine Schuldfrage. Es ist ganz einfach ein Unfall, wie er eben im Rennsport passieren kann. Wir verdrängen manchmal, wie gefährlich der Rennsport eben ist.»

Der Unfall von Tom Lüthi lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf den grössten sportlichen und wirtschaftlichen Unsinn des Motorradrennsportes: Die Tests im Frühjahr. Warum überhaupt Testfahrten im Frühjahr? Diese Frage wird so gar nicht gestellt. Weil es darauf keine sinnvolle Antwort gibt. Sinn macht allerhöchstens eine offizielle Testveranstaltung ein oder zwei Wochen vor dem ersten WM-Rennen. Alles andere ist Geldvernichtung. Schlimmer: Bei den Tests im Februar und März werden die Fahrer unnötigerweise dem Unfall-Risiko ausgesetzt. So gesehen ist der Unfall von Tom Lüthi in Valencia der dümmste seiner Karriere.

Chancen bei Verzicht würden verringert

Die Moto2-WM wird auf standardisiertem Material ausgefahren: Gleiche Motoren und gleiche Reifen für alle. Freier Markt gibt es nur bei den Fahrgestellen. Die dominierenden Hersteller kommen aus der Schweiz (Eskil Suter) und Deutschland (Kalex). Testfahrten machen in der Moto2-Klasse wenig Sinn. Weil die offiziellen Standardmotoren erst für die letzten und offiziellen Tests in Jerez ausgeliefert werden.

Trotzdem gibt es drei offizielle Testtermine im Februar und März. Und alle gehen hin. «Wir können es uns nicht leisten, einen offiziellen Testtermin nicht wahrzunehmen», sagt Daniel M. Epp. «Alle unsere Gegner machen die Tests und wir würden bei einem Verzicht unsere Chancen verringern. Würden wir Tests auslassen und dann die erwarteten Spitzenresultate nicht schaffen, würde es von allen Seiten Kritik hageln: Unprofessionell und Geld am falschen Ort gespart.» Wenigstens seien die Tests eingeschränkt worden. «Im Dezember und Januar gilt ein absolutes Testverbot. Dafür sind wir alle dankbar ...»

Daniel M. Epp räumt ein, dass es auch mit weniger Tests gehen würde. Allerdings ist Tom Lüthi jetzt die Nummer 1 beim Schweizer Fahrgestell-Hersteller Eskil Suter. «Das bringt es mit sich, dass wir auch mehr Tests für Eskil Suter machen. Dafür profitieren wir dann von den Weiterentwicklungen.»

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