Aktualisiert 12.02.2020 20:44

Ärger auf Trottoir

«Der E-Scooter hat mich fast abgeschossen»

Lenker von Elektro-Trottinetten, die das Trottoir benutzen, sollen konsequent gebüsst werden, fordern Politiker. Sie kritisieren die lasche Bussenpraxis der Polizei.

von
dk

Auf städtischen Strassen tobt ein Konkurrenzkampf: Auto- und Velofahrer müssen sich den Platz immer häufiger mit Elektrovelos und E-Scootern teilen. Vor allem die Zahl der Elektro-Trottis nimmt stetig zu. Allein in Zürich sind über 2000 Tretroller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde zugelassen. Auch in Basel, Zug und Genf düsen E-Trottis bereits lautlos durch die Strassen – und einige davon – trotz Verbot – auch über Trottoirs.

«Ich stelle fest, dass die Verkehrsregeln von Velo- und E-Trotti-Fahrern vermehrt missachtet werden», sagt Thomas Hurter, Präsident des Automobil-Clubs ACS. Dadurch komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Fussgängern. Dafür verantwortlich sei nicht zuletzt die lasche Bussenpraxis der Polizei. Das Fahren von E-Trottis auf Trottoirs wäre bei 40 Franken Busse verboten. «Jedoch ist nicht die Höhe der Busse entscheidend, sondern, dass endlich die Gesetze umgesetzt und auch Bussen ausgesprochen werden», sagt Hurter. «Leider geschieht das viel zu wenig.»

«Fehlendes Unrechtsbewusstsein»

Auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) fordert, dass E-Trotti-Fahrer auf Trottoirs gemäss den gültigen Regeln konsequent gebüsst werden. «Aus der Unfallprävention weiss man, dass es wichtig ist, dass die Bussen wirklich verteilt werden», sagt Sprecher Marc Kipfer. So entstehe bei den Verkehrsteilnehmern eine gewisse Kontrollerwartung. «Wenn die Leute wissen, dass Trottoirfahrer erwischt und gebüsst werden, dann unterlassen sie es eher.»

Dass es durch das Fahren auf dem Trottoir immer wieder zu gefährlichen Situationen kommt, bestätigt auch Thomas Hardegger, Nationalrat und Präsident von Fussverkehr Schweiz. «Vor rund einem Monat wurde ich selber von einem um die Ecke kommenden Elektro-Scooter fast abgeschossen. Ich konnte gerade noch ausweichen», sagt Hardegger. Das Schlimme sei, dass diese Leute jegliches Unrechtsbewusstsein verloren hätten. «Die haben nicht das Gefühl, dass sie etwas Verbotenes tun, weil das Fahren auf Trottoirs auf gewissen Flächen auch erlaubt ist.»

«Erst wenige Reklamationen»

Anderer Meinung ist Anton Keller, Leiter der TCS-Mobilitätsberatung. «Die E-Trotti-Fahrer wissen, dass sie nur auf der Strasse und auf Velowegen fahren dürfen, und halten sich mehrheitlich auch daran.» Auch in Zonen, die sich Fussgänger, Velo- und Trotti-Fahrer teilen müssen, müsse man als Fussgänger nicht Angst haben, über den Haufen gefahren zu werden. Wichtig sei jedoch, dass man Rücksicht aufeinander nehme, sagt Keller. «Vor allem auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer – Kinder und Senioren.»

Die Polizeien der Städte Zürich, Basel und Zug erkennen in den auf dem Trottoir fahrenden E-Scootern das Konfliktpotenzial. Man stelle fest, dass immer mehr der Elektro-Trottinette unterwegs seien. Bis jetzt seien aber keine oder nur vereinzelt Reklamationen eingegangen, heisst es.

«Man muss mit Busse rechnen»

Die Stadtpolizei Zürich wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, fehlbaren E-Trotti-Lenkern bewusst keine Bussen auszustellen. «Als Trotti-Lenker auf dem Trottoir muss man gleich – wie Velolenkende – immer damit rechnen, dass man gebüsst wird, wenn man verbotenerweise auf dem Trottoir fährt», sagt Sprecherin Judith Hödl.

Die Stadtpolizei würde verhältnismässig vorgehen, wenn es darum gehe, solche Verkehrsteilnehmende anzuhalten. Hödl: «Selbstverständlich setzen wir aber Prioritäten – und dringliche Einsätze gehen vor.»

Unfälle mit E-Trottis Im Jahr 2018 kam es zu 38 Unfällen mit sogenannten «fahrzeugähnlichen Geräten» – also auch mit E-Trottis. 6 Personen wurden dabei schwer verletzt. Das zeigt eine Auswertung des Bundesamts für Strassen (Astra). Doch die Dunkelziffer könnte gemäss Astra weit höher liegen, weil es sich bei der Angabe «Trottoir» um kein Pflichtfeld im Unfallerfassungsprotokoll der Polizei handelt.

Unfälle mit E-Trottis Im Jahr 2018 kam es zu 38 Unfällen mit sogenannten «fahrzeugähnlichen Geräten» – also auch mit E-Trottis. 6 Personen wurden dabei schwer verletzt. Das zeigt eine Auswertung des Bundesamts für Strassen (Astra). Doch die Dunkelziffer könnte gemäss Astra weit höher liegen, weil es sich bei der Angabe «Trottoir» um kein Pflichtfeld im Unfallerfassungsprotokoll der Polizei handelt.

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