Aktualisiert

Arjen RobbenDer Ego-Shooter

Mal verzaubert er die Fussballwelt, mal verärgert er seine Teamkollegen mit Alleingängen – die Karriere von Ausnahmekönner Arjen Robben kennt nur eine Konstante: Verletzungen.

von
Franziska Burkhard
Arjen Robben kann nicht glauben, dass er den Penalty gegen Dortmund verschossen hat.

Arjen Robben kann nicht glauben, dass er den Penalty gegen Dortmund verschossen hat.

Es war ein schwarzer Abend für Arjen Robben, als Dortmund die Bayern beim Giganten-Gipfel schlug. Gleich drei unglückliche Szenen hatte der Holländer in der so entscheidenden Partie. Irgendwie ein passender Abschluss zur turbulenten Saison des 28-Jährigen: Verletzungen, Bankdrücken wegen Vorwürfen des Egoismus, hohe Siege und bittere Niederlagen. Und damit kam die Erkenntnis: Robben ist nicht mehr der geliebte Star, der er in seiner ersten Saison bei den Bayern war.

Seine Profi-Karriere startete Robben beim FC Groningen, schnell kam der Wechsel zum PSV Eindhoven. Dort holte er mit dem Team gleich in der ersten Saison die Meisterschaft. Zwölf Tore steuerte er in 33 Spielen bei. Doch schon im Jahr darauf zeigte sein Körper erstmals Schwächen. Mehrere Muskelverletzungen setzten den Flügelspieler ausser Gefecht – es sollte nicht das letzte Mal sein. Die langen Ausfallzeiten und die vielen Verletzungen begleiten den Holländer seit Beginn seiner Karriere.

Auch seine Zeit beim FC Chelsea begann mit einer verletzungsbedingten Pause. 18 Einsätze konnte Robben in der Saison 2004/2005 für die Londoner absolvieren. Zwar feierte der Holländer mit den «Blues» zwei Meistertitel in Folge, so richtig durchsetzten konnte sich «The Man of Glas», wie er aufgrund seiner vielen Verletzungen genannt wird, nicht.

Verdrängt von Ronaldo und Kaká

Im August 2007 folgte der Wechsel zu Real Madrid. Dort wurde er zwar schnell zum festen Bestandteil der Mannschaft, ein Torgarant war er für die Königlichen aber nie. Auf die Saison 2009/10 holten die Spanier Cristiano Ronaldo und Kaká nach Madrid, was Robbens Ende in der spanischen Hauptstadt bedeutete. Es folgte der Wechsel, welcher der Karriere so richtig Schwung verlieh.

Seit August 2009 ist der 28-Jährige ein Bayer. In München startete er durch wie eine Rakete. Seine Leistung in der ersten Saison war überragend – 16 Tore in 24 Spielen. Mehr Einsätze waren nicht möglich – der Herbst 2009 war geprägt von Knieproblemen. An der Wahl zum Spieler der Bundesligasaison 2009/10 hinderte ihn das aber nicht.

Ein Muskelriss im August 2010 vermieste Robben dann aber die zweite Spielzeit in München. Aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit musste Bayern in seinem Team für Alternativen sorgen. Letzte Saison, als Dortmund davonzog, behauptete Klub-Chef Karlheinz Rummenigge: «Arjens Ausfall hat uns mindestens zehn Punkte gekostet.» Solche Worte sind in der laufenden Saison nicht zu hören gewesen.

Der oft verletzte Alleingänger

Seit Jahren steht Robben für eine explosive Art, Fussball zu spielen. Doch schon länger scheint klar, dass sein Körper dafür eigentlich nicht geschaffen ist: Schon beim FC Chelsea und bei Real Madrid konnte er nur rund 60 Prozent der Ligaspiele bestreiten. Auch in dieser Saison in München liegt die Quote bei rund 62 Prozent. In den drei Jahren bei den Bayern hat Robben insgesamt mehr als neun Monate nicht mit dem Team, sondern in einer Parallelwelt mit Ärzten und Physiotherapeuten verbracht. Nicht von ungefähr kam da der Ruf des Alleingängers.

Zudem ist seine Spielweise zwar attraktiv für den Zuschauer, bei den Teamkollegen allerdings nicht immer beliebt. Robben ist keiner, der Zweikämpfe sucht und Gegner auf sich zieht, um Freiraum für Kollegen zu schaffen. Lieber dribbelt er und sucht den eigenen Abschluss. Es kann auch mal vorkommen, dass er einem Spielkollegen den Ball wegschnappt, um einen Elfmeter zu treten. Im Spiel gegen Dortmund war dies zwar nicht der Fall, im Nachhinein weiss man aber: Es wäre besser gewesen, ein anderer hätte sich den Ball zurechtgelegt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.