Traumdeutung V: Der eigene Tod
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Traumdeutung VDer eigene Tod

Ob wilde Verfolgungen, Begegnungen mit dem Tod oder die Welt aus der Vogelperspektive erleben - Träume haben immer eine Bedeutung. Was genau hinter den nächtlichen Bildern im Kopf der User von 20 Minuten Online steckt, verrät der Psychoanalytiker Dr. Paul Brutsche.

Unzählige User sind unserem Aufruf gefolgt und haben von ihren Träumen berichtet. Eine Auswahl davon wurde von Experten gedeutet. So auch der letzte in dieser Folge, in dem Annette ihren eigenen Tod erlebt.

«Ich bin tot. Warum ich das weiss, weiss ich nicht. Aber ich bin tot. Doch ich lebe mein Leben ganz normal weiter. Ich rede mit meiner Familie, die mich sehen und hören kann, und die nicht weiss, dass ich tot bin. Ich koche, arbeite, mache also meinen ganz normalen Alltag und trotzdem weiss ich, dass ich tot bin.»

Der Traum verwirrt Annette umso mehr, da sie es für unmöglich hielt, dass der Traum vom eigenen Tod handelt. Und doch: Sie hat es geträumt.

Dr. Paul Brutsche, Psychoanalytiker in Zürich:

«Dieses Tot-Sein ist in einem symbolisch übertragenen Sinne zu verstehen: als Gefühl der Unlebendigkeit, der Unempfindsamkeit, im Sinne von: Ich komme mir wie tot vor.»

Suche nach Echtheit und Tiefe

«Vielleicht könnte es darauf hinweisen, dass das Leben der Träumerin in einer gewissen Routine erstarrt ist, dass das Leben zwar normal verläuft und funktioniert, aber an gefühlter Lebendigkeit eingebüsst hat. Das könnte als Zeichen verstanden werden, dass die Seele der Träumerin dringend nach seelischer Qualität, Echtheit und Tiefe verlangt.»

Dr. phil. Paul Brutsche (geb. 1943) ist seit 1975 als Jungscher Psychotherapeut in eigener Praxis in Zürich tätig. Früherer Präsident der Schweiz. Gesellschaft für Analytische Psychologie, des C.G. Jung-Instituts Zürich und des Internationalen Seminars für Analytische Psychologie, ISAP ZURICH. Er ist Lehranalytiker und Dozent am ISAP ZURICH. Schwerpunkte seiner Lehrtätigkeit sind psychologische Bilderdeutung, sowie Fragen zu Kunst und Kreativität.

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