01.08.2020 11:39

Lotus Seven S1

Der Einbaum-Sportwagen von der Insel

Lotus stellte den Seven 1957 vor. Heute sind diese engen Sportwagen und ihre Nachfolger Legenden vom Schlage eines Porsche 911 oder Morgan 4/4.

von
Daniel Koch
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Schnelles Renngerät von der Insel​.

Schnelles Renngerät von der Insel​.

RM Sotheby's / www.zwischengas.com
Aufgenietetes Kennzeichen aus Italien​.

Aufgenietetes Kennzeichen aus Italien​.

RM Sotheby's / www.zwischengas.com
Knackiges Heck​.

Knackiges Heck​.

RM Sotheby's / www.zwischengas.com

Darum gehts

  • Mit dem Seven startete die Erfolgsgeschichte von Lotus.
  • Lotus-Gründer Colin Chapman ging Leichtbau über alles.
  • Erfolgreich auf den Rennstrecken der Welt und genauso schnell auf der Strasse.

Kaum ein Sportwagen kann auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie der kleine Lotus mit den (fast) freistehenden Vorderrädern. Ausnahmen wären etwa der Porsche 911 oder der vierrädrige Morgan mit dem Vierzylindermotor.

Inzwischen scheint es, als wäre der 1957 vorgestellte Seven der letzte dieser Ahnenreihe, der am wenigsten grundlegende Änderungen erfahren hat. Der Seven erhielt zwar seit der ersten Serie viele Upgrades, Verbesserungen und Leistungssteigerungen. Im Grunde ist er aber immer noch der Inbegriff von Colin Chapmans Gedankengut, das man auch in neueren Modellen erfahren kann. Von den Seven-Enthusiasten wird der Sportler gern «Einbaum» genannt, was durchaus nicht abschätzig gemeint ist.

Anfänge in der Hauptstadt Grossbritanniens

Colin Chapmans Lotus-Werkstatt am Tottenham Lane in London war in den Fünfzigerjahren nicht viel mehr als eine kleine Werkstatt mit einem Schild über der Tür, die auf die Firma hinwies. Der Mark VI war Chapmans Erfolgsmodell und sollte auch strassentauglich sein. Daher verfügte er über eine Beleuchtung und einen einfachen Wetterschutz.

Der Trick mit dem Bausatz beim Mark VI

Da fertig aufgebaute Fahrzeuge in Grossbritannien mit einer hohen Steuer belegt waren, bot Lotus den Mark VI als Bausatz an. Es wird kolportiert, dass solchen Bausätzen aber keine Bauanleitungen beigelegt werden durften. Chapman lieferte den Kunden deshalb eine Demontageanleitung, die zum Zusammenbau einfach in umgekehrter Reihenfolge abgearbeitet werden musste. Ob diese Geschichte wahr oder eine schöne Legende ist, bleibe dahingestellt. Aber sie würde bestens zu Colin Chapman passen, der auch später dafür berühmt war, in Reglementen verschiedener Rennsportklassen jede mögliche Lücke zu seinem Vorteil zu nutzen.

Schönheit neben spartanischem Sportler

An der Earls Court Motor Show 1957 wurde neben dem sündhaft schönen Elite Coupé der Lotus Seven vorgestellt, der den Mark VI ablöste.

Die Karosserieteile wurden von einem filigranen Gitterrohrramen getragen. Chapmans Credo war schon früh «Adding power makes you faster on the straights, substracting weight makes you faster everywhere» (mehr Leistung macht dich auf den Geraden schneller, weniger Gewicht macht dich überall schneller).

Motor aus der Grossserie

Angetrieben wurden die Seven der Serie 1 von unterschiedlichen Motoren, die ersten Fahrzeuge der Serie 1 wurden mit dem Ford 100E Motor ausgeliefert. Der 1172 ccm kleine Antrieb leistete immerhin rund 40 PS.

Mit einem Gewicht von nur 329 bis 408 Kilogramm waren die 335 Zentimeter kurzen und 148 Zentimeter breiten Seven der ersten Serie wahre Federgewichte. Entsprechend leichtfüssig liessen sie sich auch bewegen. Beim Fahrwerk entschied sich Chapman für eine Starrachse hinten. Die unabhängige Vorderradaufhängung mit doppelten Querlenkern stammte von einem Mark-12-Formel-Fahrzeug und wurde auch im Elite verwendet. Verzögert wurde mit Trommelbremsen an allen vier Rädern.

Optimierter Renner

Der auf den Fotos porträtierte Seven mit Baujahr 1957 erhielt im Laufe seines Lebens einige Optimierungen. So wurde sein BMC-Motor mit einem Coventry-Climax-Antrieb ersetzt, und der auf 75 PS erstarkte Sportler erhielt einige neuzeitliche Accessoires. Die Stahlfelgen wurden durch lackierte Speichenfelgen mit Zentralverschluss ausgetauscht. Aber kaum ein früher Seven dürfte so überlebt haben, wie er ausgeliefert wurde. Schliesslich wollten die Besitzer ja möglichst schnell sein.

Weitere Informationen, viele Bilder, Testberichte und Verkaufsunterlagen gibt es auf www.zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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16 Kommentare
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RobbieB.

02.08.2020, 17:43

Sieht aus wie ein Auto aus den 1930ern.

Jackie

02.08.2020, 09:57

Bevor man den Seven gefahren ist, kann man sich nicht vorstellen, wie ein Auto auf kurvigen Strassen auf der Strasse kleben kann. Das Ding reagiert unmittelbar, geht so einfach in die Kurven und macht genau das, was man mit Lenken beabsichtigt. Schlichtweg unglaublich.

T. Rider

02.08.2020, 09:25

Sehr tolles Gefährt. Leider gibts fast keine solchen Autos mehr. «Adding power makes you faster on the straights, substracting weight makes you faster everywhere», dieser Grundsatz ging leider in den letzten Jahren verloren. Lieber packt man Riesenmotoren oder Batterien in überdimensionierte, fahrende Wandschränke. Damit das Ganze für den Fahrdienst zur Schule auch für jeden handelbar wird, kaschiert man das Ganze mit viel Elektronik. Die physikalischen Grenzen aber bleiben die alten. Neidisch bin ich nicht, nein, ausser eben auf einen Lotus oder einen der 991 Porsche 911 R Besitzer :-)