07.10.2014 13:36

SL-Spieler in der NatiDer einsame Steve von Bergen

Ein Negativtrend oder ein Qualitätsausweis? Immer weniger Nationalspieler verdienen ihre Brötchen in der Super League. Aktuell zählt Vladimir Petkovic nur auf einen Akteur.

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Mit den Wechseln von Yann Sommer (Mönchengladbach) und Valentin Stocker (Hertha) hat die Super League nicht nur zwei Aushängeschilder verloren. Beide waren unter Ottmar Hitzfeld fester Bestandteil der Schweizer Nationalmannschaft und mitverantwortlich, dass zumindest eine Handvoll Akteure aus der Super League vertreten waren. In Zahlen ausgedrückt: In seinen letzten zwei Amtsjahren bot Hitzfeld durchschnittlich 5,7 Super-League-Spieler auf. An der WM in Brasilien waren es gar sieben.

Zu den EM-Qualifikationsspielen nach Slowenien und San Marino reist gerade mal einer, der sein Geld hierzulande verdient: Steve von Bergen (YB). Eigentlich wären es zwei gewesen, doch Fabian Schär (FCB) muss wegen einer Knieprellung passen. Zum Vergleich: Im ersten Aufgebot Petkovics (gegen England) figurierten immerhin drei Profis aus der Schweiz: von Bergen, Schär und Fabian Frei (FCB).

Ein Negativtrend, der sich nicht aufhalten lässt. Wobei die Bezeichnung negativ so nicht richtig ist. Dass unsere Nati-Spieler mittlerweile fast ausschliesslich in grossen Ligen tätig sind, spricht für deren Qualität. Auch für jene der Super League. Schliesslich haben die meisten von ihnen ihre fussballerische Ausbildung hier genossen.

Torhüter:

Mit den Wechseln von Yann Sommer und Roman Bürki (Freiburg) haben zwei weitere Torhüter den Sprung in die Bundesliga geschafft - und dort auf Anhieb die Nummer-eins-Position eingenommen. Petkovics Nummer 3, Marwin Hitz, ist bei Augsburg ebenfalls erste Wahl. Dass in naher Zukunft ein Torhüter aus der Super League aufgeboten wird, scheint unwahrscheinlich. Die Zeiten von Marco Wölfli, Pascal Zuberbühler oder Jörg Stiel sind vorbei. Dennoch hat sich in den vergangenen Monaten einer in den Fokus gespielt: YB-Goalie Yvon Mvogo. Der Schweizer U21-Nationalspieler wird allerdings von seinem Geburtsland Kamerun heftig umworben.

Verteidigung:

Schär und von Bergen sind eine Ausnahme. Ihre Verteidigerkollegen verdienen ihr Geld in Deutschland (Djourou, Rodriguez), Italien (Lichtsteiner, Widmer), England (Senderos) und neu Frankreich: Mit dem ersten A-Aufgebot von Jacques Moubandje (Toulouse) ist seit langem wieder ein Defensivmann aus der Ligue 1 vertreten. Gut möglich, dass Petkovic - vielleicht schon 2015 - auch hier einen Abstrich macht. Von Bergen ist immerhin schon 31-jährig und dass Schär zeitnah den Sprung ins Ausland wagt, scheint recht wahrscheinlich.

Die «Super-League-Quote» wieder steigen lassen, könnten eine Handvoll Innenverteidiger. Junge Schweizer wären Arlind Ajeti (Basel), Berat Djimsiti (FCZ), Marco Thaler und auch der U21-Internationale Olivier Jäckle (beide Aarau), die aber allesamt wohl noch Zeit brauchen.

Mittelfeld:

Hier ist die Quote an Söldnern seit Jahren konstant hoch und dürfte es noch eine Weile bleiben. Abgesehen von vereinzelten und nicht selten einmaligen Aufgeboten wie jenen von Marco Mathys (St. Gallen) oder Adrian Winter (Luzern) ist das Mittelfeld in festen Händen von Inler (Napoli), Shaqiri (Bayern), Xhaka (Mönchengladbach), Dzemaili (Galatasaray), Behrami (Hamburg) oder Kasami (Piräus).

Sturm:

Nach den Rücktritten von Alex Frei und Marco Streller hat noch Mario Gavranovic (FCZ) dafür gesorgt, dass in den letzten Jahren der Schweizer Aspekt nicht ganz verloren ging. Dieser erlitt jedoch in Brasilien einen Kreuzbandriss. Die Zukunft gehört mittelfristig Haris Seferovic (Frankfurt), Admir Mehmedi (Freiburg), Josip Drmic (Leverkusen) und vielleicht auch Nati-Neuling Michael Frey (Lille).

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