Flugzeugentführung: «Der Entführer hat keine Chance auf Asyl»
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Flugzeugentführung«Der Entführer hat keine Chance auf Asyl»

Weil er in der Schweiz Asyl wollte, hat ein äthiopischer Kopilot ein Flugzeug entführt. Dass ihm Asyl gewährt wird, ist aber höchst unwahrscheinlich.

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daw/ala/dp

Am Flughafen Genf ist am Montagmorgen ein entführtes Flugzeug der Ethiopian Airlines gelandet. Beim Entführer handelt es sich um den Kopiloten der Maschine. Er flog Genf anstatt wie geplant Rom an, um in der Schweiz Asyl zu beantragen. Sein Plan dürfte allerdings scheitern: Die Asylfrage sei zwar noch offen, mit seinem Vorgehen habe der Entführer aber nicht die «idealen Voraussetzungen für eine Aufnahme geschaffen», sagte der Genfer Staatsrat Pierre Maudet an einer Pressekonferenz.

Gemäss Amnesty International Schweiz hat der Entführer denn auch keine Chance auf Asyl in der Schweiz: «Er wird sicher kein Asyl bekommen. Wegen seiner kriminellen Tat ist er asylunwürdig», sagt Sprecherin Stella Jegher. Der Mann werde sich nun vor Gericht verantworten müssen. Danach werde die Schweiz prüfen müssen, ob eine Ausschaffung möglich ist. «Eine vorläufige Aufnahme wäre möglich, wenn er in Äthiopien an Leib und Leben bedroht wäre.» Laut Jegher ist die Menschenrechtslage in Äthiopien schlecht, es gebe Berichte über Folter in Gefängnissen und Unterdrückung von Oppositionellen. Allerdings gebe es durchaus Rückführungen äthiopischer Asylbewerber aus der Schweiz.

Migrationsexperte und Rechtsanwalt Peter Frei sieht das ähnlich. «Zwar hat die Flugzeugentführung grundsätzlich nichts mit dem Asylgesuch zu tun.» Bei Letzterem gehe es einzig darum, ob der Entführer in seinem Heimatland verfolgt werde. Dennoch sei eine Aufnahme unrealistisch: «Der Grund dafür ist die sogenannte Asylunwürdigkeit.» Hat jemand eine schwere Straftat begangen, so kann das Bundesamt für Migration das Gesuch ablehnen. Darunter falle auch eine Flugzeugentführung.

Terrorübung am Flughafen Zürich

«Die Tat ist hochkriminell»

«Eine Entführung ist etwas vom Schlimmsten, was man machen kann», sagt CVP-Nationalrat Jakob Büchler. Die Tat sei hochkriminell. «Diesem Mann darf die Schweiz auf keinen Fall Asyl gewähren», sagt Büchler. Man müsse ihn verhaften und dann wieder ins Heimatland ausschaffen. Sollte man ihm Asyl gewähren, würde das Menschen aus anderen Ländern nur motivieren, die Tat zu wiederholen.

Auch SVP-Nationalrat Heinz Brand findet, dass das Asylgesuch abgelehnt werden sollte. Ob der Mann als Flüchtling vorläufig aufgenommen werde, hänge nun stark davon ab, welche Asylgründe er geltend mache. «Der Fall wird wegen des Strafverfahrens sicher prioritär behandelt werden. Aber auch der Äthiopier hat die Möglichkeit einer Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht.»

Beim Bundesamt für Migration (BFM) heisst es, die Resultate der polizeilichen Ermittlungen würden bei der Beurteilung von Asylgesuchen einbezogen. Zum Einzelfall gebe das BFM prinzipiell keine Auskunft, so Sprecherin Sibylle Siegwart.

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