Samuel Schmid: «Der Entscheid ist in der letzten Nacht gefallen»
Aktualisiert

Samuel Schmid«Der Entscheid ist in der letzten Nacht gefallen»

Die Attacken auf seine Person haben Samuel Schmid mehr zugesetzt als bisher vermutet. Er übte scharfe Kritik an der SVP und rechtfertigte seinen Austritt aus der Partei. Der abtretende Bundesrat musste die Pressekonferenz wegen Nasenblutens kurzzeitig unterbrechen.

von
Marius Egger

Kurz nach seiner Rede vor den Medien kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Bundesrat Samuel Schmid blutete unvermittelt aus der Nase. Weil Schmid die Blutung nicht sofort stoppen konnte, verliess er den Saal. Die Pressekonferenz wurde kurzzeitig unterbrochen. Das Nasenbluten ist offenbar auf die Einnahme eines Medikaments zur Blutverdünnung zurückzuführen. Seit dem Frühjahr müsse er Medikamente einnehmen, sagte Schmid, der nicht nur auf Grund dieses Zwischenfalls gesundheitlich angeschlagen wirkte.

Kurzfristiger Entscheid

Zugesetzt haben Schmid nicht zuletzt die Angriffe der SVP auf seine Person. Dies verdeutlichte er mit folgender Aussage: «Man darf dem Druck nicht nachgeben.» Damit begründete Schmid, weshalb er nicht schon früher zurückgetreten ist. Er habe sich auch überlegt, die Demission erst im Dezember bekannt zu geben.

Den definitiven Entscheid hat der abtretende Bundesrat dann aber sehr kurzfristig gefällt. «Der Entscheid ist in der letzten Nacht gefallen», sagte Schmid vor den Medien. Keine Rolle habe dabei der GPK-Bericht über die Affäre Schmid/Nef gespielt, der noch in diesem Monat vorliegen wird. Doch nach seiner Operation an der Gallenblase und den gesundheitlichen Problemen, die Schmid seit dem Frühjahr plagen, wollte der VBS-Chef nicht mehr weitermachen. «Man soll sein Schicksal nicht forcieren», sagte er mit Blick auf seinen Gesundheitszustand.

Als im Sommer die Affäre Nef publik wurde, geriet der VBS-Vorsteher immer stärker unter Beschuss: «Das war sicher die schwierigste Zeit», blickte Schmid heute auf diese Zeit zurück.

Kritik an der SVP

Seine Enttäuschung gegenüber der SVP konnte Schmid während der gesamten Rede nicht verbergen. «Die Konkordanz ist jetzt mehr denn je auf dem Prüfstand», sagte er. Es brauche Bereitschaft zum Kompromiss, sagte Schmid. Eine Bereitschaft, die er in den Reihen der SVP praktisch während seiner gesamten Amtszeit vermisste. Er habe den Preis der Unabhängigkeit bezahlt mit dem Rauswurf aus der Fraktion und Verunglimpfungen gegen seine Person, stichelte Schmid weiter gegen seine frühere Partei. «Namhafte» SVP-Mitglieder hätten ihm nach dem Rauswurf von Blocher gesagt, er könne nur in der Partei bleiben, wenn er schweigen würde. Dazu war Schmid aber nicht bereit. Nun hoffe er, dass sich die Polarisierung der letzten Jahre noch korrigieren lasse.

«Politische Erpressung gehört nicht zur Schweiz»

«Politische Erpressung hat in diesem Land nichts zu suchen», kritisierte Schmid seine ehemaligen SVP-Parteikollegen weiter. Und «dogmatische Polemik» sei nicht tolerierbar. Zu den Werten der Schweiz zählten unter anderen «politische Unerpressbarkeit und auch Grundvertrauen in Menschen.»

Schmid konnte trotz den Angriffen gegen seine Person aber auch Höhepunkte seiner Amtszeit vermelden: «Ich habe alle Abstimmungen gewonnen», sagte er. Aber auch sein Jahr als Bundespräsident nannte Schmid als ein Highlight.

Jetzt setzt Bundesrat Samuel Schmid den Angriffen ein Ende. Per 31. Dezember tritt er zurück. Er gehe mit einer «gewissen Wehmut, aber auch mit Genugtuung», sagte der abtretende Bundesrat. Und mit einem Hauch von Patriotismus sagte Schmid: «Ich tue es meinem Land zuliebe».

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