Aktualisiert 28.07.2016 17:43

Susanne Hochuli tritt nicht mehr an«Der Entscheid ist mir schwergefallen»

Die grüne Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli hat nach acht Jahren Exekutive genug. Sie kritisiert die rüpelhaften Diskussionen im Kanton Aargau.

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Seit Wochen wurde sie von den Medien immer wieder zu ihrer Zukunft als Regierungsrätin befragt, doch Susanne Hochuli schwieg eisern - bis Donnerstag, 28. Juli 2016. Nun ist klar, sie tritt im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl an.

Seit Wochen wurde sie von den Medien immer wieder zu ihrer Zukunft als Regierungsrätin befragt, doch Susanne Hochuli schwieg eisern - bis Donnerstag, 28. Juli 2016. Nun ist klar, sie tritt im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl an.

Keystone/urs Flueeler
Als Nachfolger von Hochuli schlagen die Grünen den 58-jährigen Grossrat Robert Obrist aus Schinznach vor. Er habe sich im Grossen Rat in kurzer Zeit einen Namen weit über die Parteigrenzen gemacht, hält seine Partei fest. Sein Wahlchancen gelten als gering.

Als Nachfolger von Hochuli schlagen die Grünen den 58-jährigen Grossrat Robert Obrist aus Schinznach vor. Er habe sich im Grossen Rat in kurzer Zeit einen Namen weit über die Parteigrenzen gemacht, hält seine Partei fest. Sein Wahlchancen gelten als gering.

Grüne Aargau
Hochuli sorgt öfter landesweit für Schlagzeilen. Hier war die Regierungsrätin der Grünen mit dem Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi und weiteren Politikern im Februar 2016 unterwegs in Eritrea. Kritiker hielten die Reise für eine Propaganda-Offensive des diktatorischen Regimes. Die Unterbringungen von Asylsuchenden im Aargau bereiteten der Regierungsrätin wiederholt schlaflose Nächte.

Hochuli sorgt öfter landesweit für Schlagzeilen. Hier war die Regierungsrätin der Grünen mit dem Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi und weiteren Politikern im Februar 2016 unterwegs in Eritrea. Kritiker hielten die Reise für eine Propaganda-Offensive des diktatorischen Regimes. Die Unterbringungen von Asylsuchenden im Aargau bereiteten der Regierungsrätin wiederholt schlaflose Nächte.

Thomas Aeschi

Die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) tritt im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl an. Die 51-jährige Politikerin, derzeit Frau Landamman, gehört seit 2009 als einzige Frau der Exekutive an.

Nach einer Standortbestimmung habe die Regierungsrätin entschieden, keine dritte Amtszeit anzupeilen, teilten die Grünen Aargau am Donnerstag mit. Die Partei bedauert den Entscheid.

«Ich will wieder freier und selbstbestimmter durchs Leben gehen», sagte Hochuli auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Entscheid sei ihr schwergefallen.

«Meine persönliche Zukunft ist völlig offen. Aber ich habe viele Ideen im Kopf», betonte Hochuli: «Ich werde in einem Jahr einen 1000-Kilometer-Marsch an die Ostsee machen.»

«Es ist manchmal fast inhaltslos»

Weil die Amtszeit bis Ende Jahr dauere, sei es noch zu früh, eine politische Bilanz ihrer Regierungsarbeit zu ziehen. Hochuli stellte jedoch fest, dass sich der politische Umgangston im Aargau verschärft habe.

«Je rüpelhafter es wird, um so destruktiver ist es. Ich finde es schade, dass die Inhalte verschwinden und auf Personen fokussiert wird», sagte die grüne Regierungsrätin: «Es ist manchmal fast inhaltslos.»

Sie bedauere diese schleichende Entwicklung. «Es ist salonfähig geworden. Man ist als Politikerin oder Politiker aber gewählt, um zu versuchen, die Sache und damit den Kanton vorwärtszubringen.»

Immer für eine Überraschung gut

Die Politikerin, gelernte Reittherapeutin, Bio-Bäuerin und Journalistin eckte mit ihrer oftmals direkten Art in der aargauischen Politik an. Sie steht seit Beginn ihrer Amtszeit dem Gesundheitsdepartement vor. Damit ist sie im Aargau auch für die Themen Asyl und Militär verantwortlich.

SVP und FDP unternahmen zweimal einen Anlauf, um Hochuli die Verantwortung für die Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz wegzunehmen. Die Regierungsrätin hatte sich für die Waffen-Initiative und gegen die Beschaffung von Gripen-Kampfjets stark gemacht. Die Entmachtungsversuche verliefen im Sand.

Auf der anderen Seite liess Hochuli auch ihre eigene Partei im Stich. Im Herbst 2013 stellte sie sich gegen die Grünen und sprach sich gegen die Abschaffung der Wehrpflicht aus. Bei der Abstimmung über die Verschärfung des Asylrechts vom Juni 2013 machte sich Hochuli für ein Ja stark.

Die Unterbringungen von Asylsuchenden im Aargau bereiteten der Regierungsrätin wiederholt schlaflose Nächte. Vor allem die SVP machte die Magistratin für die harzige Suche nach Asylunterkünften verantwortlich.

Oftmals liess ihr Departement Gesundheit und Soziales das notwendige Fingerspitzengefühl in der Tat vermissen. Ein Zeichen setzten wollte Hochuli im Sommer 2013: Sie nahm eine dreiköpfige Asylbewerberfamilie auf ihrem Bauernhof in Reitnau auf.

Grüne wollen Sitz halten

Als Nachfolger von Hochuli schlagen die Grünen den 58-jährigen Grossrat Robert Obrist vor. Er habe sich im Grossen Rat in kurzer Zeit einen Namen weit über die Parteigrenzen hinaus gemacht, hält seine Partei fest. Seine Wahlchancen gelten als gering.

Bei den Regierungsratswahlen vom 23. Oktober tritt auch Finanzdirektor Roland Brogli (CVP) nicht mehr an. Als Nachfolger schlägt seine Partei den Wettinger Gemeindeammann und Grossrat Markus Dieth vor.

Justiz- und Polizeidirektor Urs Hofmann (SP), Erziehungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) und Baudirektor Stephan Attiger (FDP) treten wieder an. Die SVP will mit der Bezirksrichterin Franziska Roth einen zweiten Sitz in der Regierung erobern.

Die Parteien haben noch vier Wochen Zeit, um ihre Kandidaturen der Staatskanzlei offiziell zu anzumelden. Beobachter gehen davon aus, dass Kleinparteien wie GLP und BDP nach dem Verzicht von Hochuli mit eigenen Kandidierenden ins Rennen steigen, um einen der fünf Regierungssitze zu erobern. (sda)

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