Danny Suhr: Der erste Feuerwehrmann, der an 9/11 starb
Aktualisiert

Danny SuhrDer erste Feuerwehrmann, der an 9/11 starb

Als Danny Suhr am World Trade Center ankam, war es, «als ob es Menschen regnen würde». Suhr war der erste Feuerwehrmann, der an 9/11 sterben sollte.

von
gux
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Daniel «Danny» Suhr arbeitete seit 1983 bei der New Yorker Feuerwehr, ebenso wie sein Vater und sein Bruder.

Daniel «Danny» Suhr arbeitete seit 1983 bei der New Yorker Feuerwehr, ebenso wie sein Vater und sein Bruder.

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Suhr wurde von einem so genannten Jumper getroffen. Es wird geschätzt, dass an jenem Tag zwischen 200 und 300 Menschen in den Tod sprangen.

Suhr wurde von einem so genannten Jumper getroffen. Es wird geschätzt, dass an jenem Tag zwischen 200 und 300 Menschen in den Tod sprangen.

http://quod.lib.umich.edu/
Suhr war auf der Stelle tot. Er starb an einem Genickbruch.

Suhr war auf der Stelle tot. Er starb an einem Genickbruch.

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Innerhalb Minuten nach dem Einschlag des ersten Flugzeuges zwang der dicke Rauch und die Hitze viele Menschen im Nordturm zu einer Entscheidung: springen, verbrennen oder ersticken. Wahrscheinlich überlegten sich nicht viele bewusst, was sie tun sollten: Sie wollten wohl einfach dem Inferno hinter sich entkommen. «Sie liessen sich nicht fallen, sie gingen eher – als ob sie auf eine Wolke treten würden», sagt Bobby Senn von der Feuerwehrbrigade 207 im Dokumentarfilm «911 – The Firemen's Story».

Als das zweite Flugzeug um 9.03 Uhr in den Südturm flog, strömten am Fuss des World Trade Center noch immer Feuerwehmänner aus ganz New York für die grösste Rettungsaktion der US-Geschichte zusammen. Der Feuerwehrmann Tony Sanseviro von der Brigade 216, der eben erst beim World Trade Center angekommen war, erzählt: «Jemand schrie: ‹Scheisse, schaut, sie springen!› Ich schaute hoch und sah, wie Menschen stürzten. Es war, als ob es Menschen regnen würde.»

«Irgendwann war das nicht mehr möglich»

«Alles, was in einen Körper gehört, war nun ausserhalb in einem Kreis von etwa 2,5 Metern Durchmesser. So etwas verarbeitet man nie», so Feuerwehrmann Senn. Innert kurzer Zeit verwandelte sich das Bild am Boden in die schiere Hölle. «Überall lagen Leichenteile herum. Es waren mehr Körperstücke. Etwa Hände – ich erinnere mich an eine Hand mit einem Ring dran.» Auch Bill Spade vom Rettungsteam 5 erinnert sich: «Ich versuchte, den Rettungswagen um die Körperteile herum zu fahren. Irgendwann war das nicht mehr möglich.» Auch jetzt treiben ihm diese Erinnerungen Tränen in die Augen. «Ich fuhr über einige hinweg und sagte: ‹Bitte, verzeiht mir›. Es war alles, was ich tun konnte.»

Feuerwehrmann Tony Sanseviro war zusammen mit Danny Suhr (37) beim World Trade Center angekommen. Suhr arbeitete seit 1983 als Feuerwehrmann. Der leidenschaftliche Footballspieler galt unter seinen Leuten als Legende und trug wegen seines Mutes bei Einsätzen den Übernamen «Captain America». Sein Vater war bereits Feuerwehrmann in New York gewesen, ebenso sein Bruder.

Genick gebrochen

Suhrs Briagde 216 war eine der ersten vor Ort. «Ich fragte Danny, was er von all dem halte. Er sagte nur: ‹Das wird wohl der schlimmste Einsatz unseres Lebens.› So etwas will man von einem Typen wie Danny Suhr nicht hören. Ich wollte nicht weglaufen. Aber jede Faser in deinem Körper sagt dir, dass du genau das tun solltest», so Tony Sanseviro.

Die Feuerwehrmänner setzten auf die aggressive Taktik, für die die Feuerwehrmänner New Yorks bekannt sind: Ins Innere des Gebäude gelangen, von dort aus das Feuer bekämpfen und einen Korridor frei schlagen, um Eingeschlossene zu retten.

Vollgepackt mit schwerer Ausrüstung, eilten Sanseviro und Suhr und die übrigen Männer von 216 zum Südturm. Noch immer schlugen Körper am Boden auf. Die meisten auf der gegenüberliegenden Strasse, doch der Körper einer Frau wurde abgelenkt und traf Danny Suhr am Kopf. Er starb auf der Stelle, sein Genick war gebrochen.

In fünf Jahren so viele Opfer wie an 9/11 selbst

«Wir leben heute wegen ihm», ist Tony Sanseveiro überzeugt. Denn während die übrigen von Brigade 216 den Südturm betraten, kümmerten sich sieben Männer um Suhr und trugen ihn zu einem Rettungswagen. Dann, um 9.59 Uhr, stürzte der Südturm ein, fast eine halbe Stunde vor dem erst getroffenen Nordturm.

Das New Yorker City Fire Departement (FDNY) allein verlor an jenem Tag 343 Feuerwehrmänner in beiden Türmen. Weitere Todesfälle durch die so genannten Jumper sind keine überliefert. An jenem Tag sprangen zwischen 200 und 300 Menschen in den Tod.

Insgesamt wurden bei den Attacken 2763 Menschen getötet. Heute, 15 Jahre danach, sind rund 1000 Personen an den Folgen der Angriffe gestorben. Gemäss Guardian rechnen Ärzte damit, dass die Spätfolgen in fünf Jahren die gleiche Anzahl Opfer fordern wird wie an 9/11 selbst.

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