Aktualisiert 10.07.2015 12:57

Daniel Teklehaimanot

Der erste schwarze Bergriese

Daniel Teklehaimanot fährt bei der Tour de France ins gepunktete Trikot. Das hat zuvor noch kein afrikanischer Radprofi geschafft.

von
heg
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Daniel Teklehaimanot aus Eritrea ist der erste Afrikaner, der bei der Tour de France das Bergpreistrikot erobert hat.

Daniel Teklehaimanot aus Eritrea ist der erste Afrikaner, der bei der Tour de France das Bergpreistrikot erobert hat.

AP/Christophe ena
Der 26-Jährige holt auf der 6. Etappe als Mitglied einer Dreier-Fluchtgruppe die nötigen Punkte. Verpflegen muss er sich anders als die Zuschauer am Strassenrand.

Der 26-Jährige holt auf der 6. Etappe als Mitglied einer Dreier-Fluchtgruppe die nötigen Punkte. Verpflegen muss er sich anders als die Zuschauer am Strassenrand.

epa/Yoan Valat
Teklehaimanot beim Einkleiden nach der Etappe.

Teklehaimanot beim Einkleiden nach der Etappe.

epa/kim Ludbrook

Die 6. Etappe der Tour de France am Donnerstag forderte nicht nur erneut ein prominentes Sturzopfer – Gesamtleader Tony Martin brach sich auf dem letzten Kilometer bei einem Sturz das Schlüsselbein und musste die Grande Boucle beenden – sie schrieb auch Geschichte. Mit Daniel Teklehaimanot führt zum ersten Mal ein Afrikaner das Bergpreisklassement an.

Der 26-jährige Eritreer riss gleich nach dem Start zusammen mit dem Belgier Kenneth Vanbilsen und dem Franzosen Perrig Quemeneur aus. Das Trio fuhr zwischenzeitlich über zwölf Minuten Vorsprung auf das Feld heraus.

Der afrikanische Punktesammler

Teklehaimanot sicherte sich wichtige Punkte bei den drei Bergpreiswertungen der 4. Kategorie. Rund fünf Stunden später im Ziel und längst vom Feld eingeholt, durfte er sich als erster Afrikaner ins gepunktete Trikot des Bergpreisleaders einkleiden lassen.

«Ich bin sehr glücklich darüber, was heute passiert ist. Ich kann es nicht glauben. Es war mein Kindheitstraum, ins Bergtrikot bei der Tour de France zu fahren», so Teklehaimanot auf der offizielen Tour-Homepage. «Ich folgte genau dem Plan des Teams, den wir am Morgen besprochen hatten. Ich fuhr in einer Gruppe von drei Fahrern. Als ich zwei Punkte gewann, war ich nervös, dass ich keine weiteren gewinnen könnte. Dann wäre alles umsonst gewesen.»

Zeitfahrmaschine in der Heimat

Gute afrikanische Profiradfahrer sind rar. Robert Hunter gewann 2007 eine Tour-Etappe, Daryl Impey fuhr 2013 zwei Tage im Maillot jaune. Beide sind weiss. Teklehaimanot hat den Bann für Schwarze nun gebrochen. Auf seinem Heimatkontinent ist er schon länger eine Grösse. Der 26-Jährige, der 16 Geschwister haben soll, wurde von 2010 bis 2013 afrikanischer Meister im Einzel- und Team-Zeitfahren. 2010 gewann er zudem den Titel im Strassenrennen.

Sein bisheriges Karriere-Highlight erlebte Teklehaimanot vor der Grande Boucle. Im Vorbereitungsrennen Critérium du Dauphiné gewann der mit 1,88 Meter eher grosse Bergfahrer die Gesamtwertung des besten Kletterers. Es war das erste Mal, dass sich ein Afrikaner ein Wertungstrikot auf Stufe World Tour sicherte.

Dank Wild Card an der Tour dabei

Teklehaimanot ist einer von neun Fahrern, die für das Team von MTN-Qhubeka an der Tour teilnehmen. Die Mannschaft, die seit 2013 als Profiteam lizenziert ist, wurde mit einer Wild Card eingeladen und ist die erste aus Afrika bei der Grande Boucle. Mit Merhawi Kudus stellt sie auch den jüngsten Teilnehmer. Der Eritreer war beim Tour-Start 21 Jahre und 184 Tage alt.

Namensgeber der südafrikanischen Mannschaft ist der Hauptsponsor Mobile Telephone Networks, ein Unternehmen in der Business-Kommunikation, und die Freiwilligenorganisation Qhubeka, die Kindern auf dem Land Fahrräder zur Verfügung stellt. Der bisher grösste Triumph war 2013 der Sieg ihres deutschen Fahrers Gerald Ciolekbeim Klassiker Mailand-Sanremo.

Qhubeka heisst auf Deutsch «vorankommen». Teklehaimanot hat sich dies zu Herzen genommen. Dass er das gepunktete Trikot in den schwierigen Bergetappen in den Pyrenäen und Alpen verteidigt, ist aber eher unwahrscheinlich.

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