Aktualisiert 09.02.2015 09:26

Mercedes-Benz 300 SL

Der erste und letzte Träger eines legendären Namens

Sein Name lässt Autofans in Ehrfurcht erstarren: 300 SL. Den ersten und letzten Vertreter dieser Art trennt heute der Faktor 50. Freude machen beide.

von
B.von Rotz
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Ein Mercedes 300 SL Roadster (vorne) kostet heute rund 50 Mal so viel wie der Mercedes 300 SL-24, der hier zum Überholen ansetzt.

Ein Mercedes 300 SL Roadster (vorne) kostet heute rund 50 Mal so viel wie der Mercedes 300 SL-24, der hier zum Überholen ansetzt.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Fast 40 Jahre trennen diese beiden Fahrzeuge, der 300 SL Roadster (links) war ein mechanischer Meilenstein, der 300 SL-24 (rechts) strotzte von technischen Innovationen.

Fast 40 Jahre trennen diese beiden Fahrzeuge, der 300 SL Roadster (links) war ein mechanischer Meilenstein, der 300 SL-24 (rechts) strotzte von technischen Innovationen.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Leistungsmässig liegen die beiden Sportwagen trotz fast 40 Jahren Altersdifferenz fast auf einem Niveau.

Leistungsmässig liegen die beiden Sportwagen trotz fast 40 Jahren Altersdifferenz fast auf einem Niveau.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com

Schon allein die Zahlen-Buchstaben-Kombination ist legendär: 300 SL. 1954 wurde der erste Strassensportwagen mit dieser Typenbezeichnung in New York präsentiert. Die Salonbesucher bestaunten ihn begeistert.

Den Ausschlag für die Entwicklung des 300 SL Strassensportwagens gab der US-Importeur Max Hoffman, der sich ein sportliches Modell von Mercedes wünschte. 1953 machten sich die Stuttgarter Ingenieure daran, aus dem Rennwagen 300 SLR ein halbwegs zivilisiertes Coupé für die Strasse zu entwickeln, konstruktionsbedingt mit Flügeltüren.

Erfolg mit Unterbrechung

Im März 1957 präsentierte man als Nachfolger den 300 SL Roadster am Genfer Salon: Er war komfortabler, hatte aber die herkömmlichen Türen. 1963 wurde der letzte 300 SL der Baureihe W 198 gebaut, dann war Pause.

Erst im Jahr 1985 tauchte die Typenbezeichnung «300 SL» wieder auf dem Heck eines Mercedes auf. Es handelte sich dabei um das Cabriolet der Baureihe R 107, das nach vielen Jahren als 280 SL nun von der Aufstockung des Hubraums von 2,8 auf 3,0 Liter profitierte und damit für vier Jahre in den Genuss des legendären Namens kam.

Das technisch Machbare

Zum Genfer Automobilsalon 1989 wurde dann der Nachfolger R 129 präsentiert und damit das technisch Machbare zu jener Zeit.

Das Stoffdach liess sich ohne manuellen Eingriff vollautomatisch versenken und öffnen. Dies dank Mikroprozessoren, 17 Endschaltern, 15 Druckzylindern und 11 Magnetventilen.

Auch sicherheitstechnisch bot der neue SL, den es vorerst mit drei und fünf Litern Hubraum gab, Innovatives. Bei einem Überschlag klappte innert 0,3 Sekunden ein vorher unsichtbarer Überrollbügel aus der Karosserie aus. Eine Neuerung waren auch die Integralsitze mit eingebautem Gurtsystem und Gurtstraffer.

Eingepackt war die innovative Technik in ein konsequent modernes Karosseriekleid von Bruno Sacco. Neben dem R 129 sah der eben abgelöste R 107 aus wie ein Oldtimer.

Vater und Urenkel im Vergleich

Die Unterschiede zwischen dem 300 SL Roadster der Baureihe W 198 und seinem späten Nachfolger 300 SL-24 der Baureihe R 129 sind riesig. Der Urahne verlangt trotz sanfter Komfortorientierung nach einem geübten Fahrer: Eine Servolenkung gibt es nicht, selbst kräftige Waden sind gefordert. Immerhin: Das Vierganggetriebe lässt sich exakt schalten und an das Blinken durch Drehen des Huprings kann man sich gewöhnen. Und im Ohr hat man einen fast rennmässigen Sechszylinder-Sound.

Steigt man um in den 30 Jahre jüngeren 300 SL, fühlt man sich wie in einem modernen Auto, obschon auch der R 129 inzwischen fast den Oldtimer-Status erreicht hat. Elektronik ist allgegenwärtig, sogar die Einstellung des Innenrückspiegels lässt sich (gegen Aufpreis) programmieren, genauso wie die Sitzposition und die Einstellungen von Lenkrad oder Aussenspiegeln.

Deutlicher Preisunterschied

Vom einstigen Röhren ist beim 300 SL-24 nicht mehr viel geblieben, obschon der Vierventiler eine durchaus sportliche Aussprache hat. Servopumpen machen die Bedienung des 1,8-Tonners zum Kinderspiel und mit dem damals erstmals eingeführten Windschott kann man praktisch zugfrei und dank Sitzheizung und wirksamer Heizung sogar im Winter offen fahren.

Dank moderner Fahrwerkstechnik kompensiert der moderne 300 SL den Gewichtsnachteil von rund 600 kg und läuft mindestens so schnell wie sein Vorgänger. Trotzdem ist der «Alte» heute locker 50 Mal so viel wert als sein Nachfahre.

Weitere Infos und Bilder zum Ur- und Neo-Klassiker 300 SL finden sich auf www.zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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