FC St. Gallen: Der Espenblock ist sauer – und zeigt es unzensiert
Aktualisiert

FC St. GallenDer Espenblock ist sauer – und zeigt es unzensiert

Die Chronologie des Ärgers der Ostschweizer Volksseele und ein torloses Remis einmal anders.

von
ete
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Sonntag, 30. Oktober 2016Die Volksseele in der Ostschweiz kocht und zeigt das auf diversen Spruchbändern deutlich.

Sonntag, 30. Oktober 2016Die Volksseele in der Ostschweiz kocht und zeigt das auf diversen Spruchbändern deutlich.

Vor dem Anpfiff bleibt der Espenblock leer.

Vor dem Anpfiff bleibt der Espenblock leer.

FreshFocus/Marc Schumacher
Einige sehnen sich nach Jeff Saibene zurück.

Einige sehnen sich nach Jeff Saibene zurück.

FreshFocus/Marc Schumacher

St. Gallen hat drei Dinge, die in der Region Massen bewegen: Das Openair, die Olma und den FC St. Gallen. Ist eines der drei unbefriedigend, dann herrscht Aufruhr in der Region. Die Chronologie des Ärgers und das Spiel gegen Thun auf eine etwas andere Art.

Ohni Konzept, Strategie und Vision. Ohni Wert und Stolz imne identitätslose Verein. St. Galle da hesch nöd verdient.

Keine Strategie, kein Konzept

Der Espenblock protestiert während des Spiels St. Gallen gegen Thun (0:0) gegen die Clubleitung und Präsident Dölf Früh.

Kickoff: Der Espenblock war bis zum Spielbeginn leer. Aus Protest gegen die schlechten Leistungen und gegen die Art, wie Dölf Früh den Club führt. Anstelle der Fans war das Transparent (im Video oben) zu sehen. Auch der Präsident muss die Kritik an ihm gesehen haben, er sah sich das 0:0 gegen Thun aus seiner Loge hinter Glas an. Kurz nachdem Referee Fedayi San um 16 Uhr die Partie angepfiffen hatte, kamen auch die Fans ins Stadion.

Dölf: Bi Zahle gsehsch schwarz bi Pyro gsehsch rot und bim Fuessball bisch blind

Protest gegen den Präsidenten Dölf Früh

Der Espenblock protestiert während des Spiels St. Gallen gegen Thun (0:0) gegen die Clubleitung und Präsident Dölf Früh.

15. Spielminute: Die nächste Botschaft an den Boss, der vor wenigen Tagen an der GV zum vierten Mal in Folge schwarze Zahlen präsentiert hatte. Der Unternehmer, der durch die Internetportale wie Gate 24 oder Scout24 bekannt wurde, übernahm 2010 den FCSG und führte den damals mit 15 Millionen Franken verschuldeten Verein aus dem wirtschaftlichen Sumpf. Inzwischen setzt der FCSG rund 30 Millionen Franken um und weist 250 Vollzeitstellen aus.

Grüe-wiisi Liebi? Ihr ziehnd e ganzi Region in Dreck!

Grün-Weisse Liebe?

Der Espenblock protestiert während des Spiels St. Gallen gegen Thun (0:0) gegen die Clubleitung und Präsident Dölf Früh.

23. Spielminute: Das nächste Spruchband. Es kann gegen die Clubleitung gehen, aber auch die Spieler müssten sich mit den zuletzt desolaten Auftritten betroffen fühlen. Die schmeichelhafte 0:3-Niederlage in Luzern, die auch locker 0:8 hätte lauten können und sich für die mitgereisten Fans wohl auch so anfühlte, lässt grüssen.

Dölf: Mit dim Egoismus trötzelisch üs in Abgrund

Wegen Egoismus in den Abgrund

Der Espenblock protestiert während des Spiels St. Gallen gegen Thun (0:0) gegen die Clubleitung und Präsident Dölf Früh.

34. Spielminute: Mit einer Engelsgeduld hält Präsident Dölf Früh an Trainer Joe Zinnbauer fest. Der Präsident gegenüber SRF: «Kein Unternehmen lässt das Umfeld seine Personalpolitik beeinflussen.» Man sehe von Aussen nur die Spitze des Eisbergs – und die Resultate. Zinnbauer hat im Fussballjahr 2016 von 31 Ligaspielen gerade einmal 7 gewonnen. Das hat nicht nur in der Tabelle Konsequenzen. Auch die Zuschauerzahlen sind rückläufig. Der FCSG muss in der aktuellen Saison 700 Stadionbesucher pro Spiel weniger verzeichnen, als noch in der letztjährigen Meisterschaft. 10'699 Fans waren es am Sonntag gegen Thun –Minusrekord in dieser Saison!

Meh Stadionverbot erteilt als Goal gschosse

Stadionverbot, aber kaum Tore

Der Espenblock protestiert während des Spiels St. Gallen gegen Thun (0:0) gegen die Clubleitung und Präsident Dölf Früh.

60. Spielminute: «Wir haben nicht gut gespielt und vor allem haben wir kopflos gespielt», sagt Albert Bunjaku nach dem 0:0 gegen Thun. «Das war zu wenig von uns», räumte auch Trainer Joe Zinnbauer ein. Zwar steht im Fanlied der Ostschweizer «Erfolg isch Nebedsach», aber ganz so wird man dies dann doch nicht gemeint haben. In 13 Ligapartien hat der FCSG lediglich 11 Tore bisher erzielt. Kein anderes Team in der Super League schiesst so wenig Tore – nicht einmal das neue Schlusslicht Vaduz (15).

Otero-Clan raus

77. Minute: Neben Präsident Dölf Früh kommt auch Marco Otero, technischer Leiter des Nachwuchscenters Future Champs Ostschweiz, in die Schusslinie des Espenblocks. Otero, vor Amtsantritt beim FCSG Assistent von Murat Yakin bei Spartak Moskau und demnach auch Kollege von U21-Trainer Hakan Yakin, wollte sich gegenüber Ostschweizer Journalisten am Sonntag nicht zum Transparent äussern, sagte nur: «Es gibt tausende Oteros.» Nicht ganz. Auf search.ch erhält man 123 Einträge – einen in St. Gallen, der nicht mit dem FCSG zu tun hat.

Sogar da Spruchband isch no kreativer als ihr

Tiefschlag: Fans bemängeln die Kreativität

Der Espenblock protestiert während des Spiels St. Gallen gegen Thun (0:0) gegen das Team, die Clubleitung und Präsident Dölf Früh.

Spielschluss: Die Leistung war mässig, Anzeichen für einen Aufschwung waren nicht erkennbar. Das sahen wohl auch die Fans so, die ihre Meinung auf dem letzten Transparent deutlich zum Ausdruck bringen. Dölf Früh lässt sich aber weiterhin nicht beeinflussen. Trainer würden ihren Job meistens nicht aus Qualitätsgründen verlieren, sondern, weil der Druck von aussen zu gross wird. Das wolle man in St. Gallen nicht, sagt der Präsident. Und widerlegt damit die erste Botschaft aus dem Espenblock, denn der FCSG-Boss hat zum Thema Trainer eine klare Vision.

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