Herausforderer in Not: Der EVZ lässt seinen Wachhund von der Leine

Aktualisiert

Herausforderer in NotDer EVZ lässt seinen Wachhund von der Leine

Nach dem niederschmetternden 1:6 müssen die Zuger heftig reagieren, um den Berner Meistertitel noch zu verhindern. Sind sie dazu noch in der Lage?

von
Marcel Allemann
1 / 4
Raphael Diaz (.) und Bodyguard Tobias Fohrler, ein 103 Kilogramm schwerer Brocken.

Raphael Diaz (.) und Bodyguard Tobias Fohrler, ein 103 Kilogramm schwerer Brocken.

Keystone/Anthony Anex
Gleich bei seinem ersten Final-Einsatz sorgte Tobias Fohrler (mitten im Gewühl) für eine Massenkeilerei.

Gleich bei seinem ersten Final-Einsatz sorgte Tobias Fohrler (mitten im Gewühl) für eine Massenkeilerei.

Keystone/Anthony Anex
Der wichtige Zuger Defensivcenter Nolan Diem hat sich in Spiel 5 verletzt.

Der wichtige Zuger Defensivcenter Nolan Diem hat sich in Spiel 5 verletzt.

Keystone/Alessandro Della Valle

Wenn Trainer Harold Kreis in diesen Playoffs jeweils Tobias Fohrler aufs Eis schickt, dann ist die Not beim EV Zug gross. Denn der 19-Jährige mit den Türsteher-Massen von 196 cm und 103 kg ist nicht da, um die spielerische Kultur zu verbessern, sondern um Unruhe zu stiften.

Bei der 0:5-Niederlage in Finalspiel 1 löste Fohrler bei seinem ersten Einsatz 26 Sekunden vor Schluss eine Massenkeilerei aus. Am Samstag in Bern liess Kreis seinen Wachhund bereits im ersten Drittel von der Leine. Das illustrierte, wie gross die Not des EVZ bei dieser krachenden 1:6-Niederlage war.

Der SCB nimmt Fohrler und Morant nicht ernst

«Tobias ist ein gradliniger Spieler und ich erwarte von jedem, wenn ein Gegenspieler in Puckbesitz in der Nähe ist, dass er seine Checks fertig macht, und das tut Tobias», begründete Kreis dessen Einsatz. Nun, Fohrler interessiert sich jeweils nicht primär dafür, wo der Puck ist, sondern will dem Gegner unter die Haut gehen.

Martin Plüss bekam seine Wucht einige Male zu spüren, auch den Kontakt zu Thomas Rüfenacht und Tristan Scherwey suchte Fohrler auffällig oft. Dass der junge deutsch-schweizerische Doppelbürger dann ausgerechnet noch das Ehrentor für Zug erzielte (gut, es war ein Eigentor von David Jobin ...), machte aus seinem Auftritt dann fast schon einer Realsatire.

Mahnende Worte vom Schiri

Das Schiedsrichter-Quartett hatte ein gutes Gespür für die durchaus delikate Situation durch die Präsenz Fohrlers. Gleich zwei Mal erhielt dieser von Schiedsrichter Marcus Vinnerborg mahnende Worte mit auf den Weg. Ihm wurde wohl mitgeteilt, dass man ihn im Auge hat.

Beim siegreichen SCB liess man sich durch den Provokateur indes nicht aus der Bahn werfen. «Wir legen unseren Fokus nicht auf Spieler wie Fohrler oder Morant, sondern auf die Zuger Schlüsselspieler», sagte etwa Rüfenacht.

Diem verletzt und Holden am Ende?

Sollte es dem EVZ in Spiel 6 am Ostermontag nochmals gelingen, dem SCB Paroli zu bieten, dann kann man davon ausgehen, dass Fohrler keine Eiszeit erhält. Doch das 1:6 vom Samstag ist längst nicht mehr die einzige Not, welche die Zuger plagt. In diesem Spiel schied auch noch der starke und wichtige Defensivcenter Nolan Diem verletzt aus.

Und mit Josh Holden scheint ein weiterer Center mit seinen Kräften am Ende. Der 39-Jährige schleppt sich nur noch von Einsatz zu Einsatz. Kreis auf die Personalsituation angesprochen: «Sorgen mache ich mir keine, aber wir werden an unserem spielfreien Tag sicher nochmals über die Bücher gehen.»

Ob mit oder ohne Wachhund Tobias Fohrler, Nolan Diem oder Josh Holden: Der EVZ wird zweifellos nochmals alles in die Waagschale werfen. «Wir gerieten bei der Niederlage in Bern aus unserem Konzept und haben wieder viel gelernt. Doch nun haben wir ein Heimspiel und es fängt wieder bei 0:0 an», versprüht Verteidiger Raphael Diaz Hoffnung. Ob das reicht?

Deine Meinung