Der ewige Traum vom Thron
Aktualisiert

Der ewige Traum vom Thron

Als Prinz Charles Thronfolger wurde, konnte er noch nicht verstehen, was das bedeutet. Schliesslich war er erst drei Jahre alt, als seiner Mutter 1952 die Krone des Vereinigten Königreichs von Grossbritannien und Nordirland aufgesetzt wurde. Jetzt hat Charles, der Prinz von Wales, mit 59 Jahren und 74 Tagen den Wartestand-Rekord gebrochen.

In diesem Alter hatte es selbst Edward VII. geschafft, der 1901 immerhin Queen Victoria und damit der am längsten gedienten Monarchin des Inselkönigreichs folgte.

Witze über Charles' «ewigen Traum vom Thron» erlauben sich die Untertanen der 81-jährigen Queen Elizabeth II. schon lange. Den Gipfel an Respektlosigkeit erreichte das gnadenlose Satiremagazin «Private Eye».

Als das Land 2006 den 80. Geburtstag der Queen feierte, erschien es mit einer Fotomontage: Wachsoldaten mit roten Röcken und Bärenfellmützen feuerten Salutschüsse - wobei einer von ihnen auf den Balkon mit der Königin zielte. In der Sprechblase stand: «Und hier kommt ein Gruss von Prinz Charles.»

Endlose Geduld

Kein Wunder, dass der Hof nun einmal mehr die endlose Geduld des Prinzen von Wales beteuert. Charles habe «bereits vor langer Zeit akzeptiert, dass er den weitaus grössten Teil seines Lebens als Thronfolger» verbringen werde, erklärten PR-Höflinge Reportern. Von Ungeduld könne überhaupt keine Rede sein, denn die Thronbesteigung setze bekanntlich das Ableben Ihrer Majestät voraus.

Anders als die niederländische «Mutter der Nation» Königin Juliana, die 1980 an ihrem 71. Geburtstag zu Gunsten ihrer Tochter Beatrix abdankte, kommt ein Thronverzicht für die traditionsbewusste britische Queen nicht in Frage. Eher würde Elizabeth II. den Buckingham-Palast rot anstreichen lassen, heisst es bei Hofe.

Die Königin, die sich guter Gesundheit erfreut und deren Mutter 101 wurde, «kann durchaus noch für die nächsten 20 Jahre mit uns sein», meint Hofkenner Dickie Arbiter, der frühere PR-Berater des Palastes.

Verzicht zu Gunsten Williams

Auch deshalb plädieren immer mehr britische Untertanen dafür, dass Charles und seine Gattin, die einstige Diana-Nebenbuhlerin Camilla, sich vom Gedanken an den Thron verabschieden.

Zwei Drittel der Inselbewohner würden laut Umfragen lieber gleich den heute 25-jährigen Armee-Offizier Prinz William als Monarchen erleben. Dabei wünschen sich die meisten von ihnen Kate Middleton als Gemahlin an Williams Seite.

Dass dies ein später Triumph für die 1997 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Ex-Frau von Charles wäre, machte die derzeit in London über die Bühne gehende Untersuchung des Todes von Prinzessin Diana deutlich. Ihre Scheidungsanwälte sagten aus, Diana habe immer gehofft, dass Charles zu Gunsten ihres Sohnes William übergangen wird.

Falls der älteste Sohn der Queen trotz aller Unkenrufe eines Tages den Thron besteigt, will er sich nach einem Bericht der «Times» auf keinen Fall Charles III. nennen. Der Name gilt als böses Omen, seit ein King Charles geköpft und ein anderer ins Exil getrieben wurde.

(sda)

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