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Datenkrake mit ÄrgerDer Facebook-Schreck

Ein österreichischer Jus-Student nimmt den Kampf gegen das grösste soziale Netzwerk der Welt auf - bislang mit Erfolg. Im Interview mit 20 Minuten Online erklärt der Datenschutz-Aktivist seine Aktion.

von
Oliver Wietlisbach
Datenschutz-Aktivist Max Schrems deckt Facebook mit Beschwerden ein.

Datenschutz-Aktivist Max Schrems deckt Facebook mit Beschwerden ein.

Der 23-jährige Jus-Student Max Schrems und rund zehn weitere Datenschutz-Aktivisten aus Österreich haben 16 Beschwerden gegen Facebook eingereicht. Auf ihrer Website «Europa gegen Facebook» fordern sie unter anderem, dass sich das soziale Netzwerk an das europäische Datenschutzrecht hält und Daten wie Fotos, Kommentare und Statusmeldungen endgültig löscht, wenn ein User sein Konto löscht.

Facebook entfernt diese Daten bislang nicht vollständig, wie die Dokumente auf der Website «Europa versus Facebook» zeigen. In den Datensätzen sind Informationen enthalten, die Schrems in seinem Profil längst löschte, Facebook aber nur gegen aussen unsichtbar macht.

Sie haben bei der irischen Datenschutzbehörde 16 Beschwerden gegen Facebook eingereicht. Was haben Sie gegen Facebook?

Max Schrems: Ich nutze Facebook eigentlich sehr gerne. Als Austauschstudent in den USA habe ich aber eine Jus-Arbeit zu Facebook geschrieben und analysiert, wie sich Facebook so gut wie nicht an die europäischen Datenschutzbestimmungen hält. Im Gespräch mit einem Facebook-Mitarbeiter habe ich festgestellt, dass sie den europäischen Datenschutz uminterpretieren und sich dann an diese eigene Version halten. Diese wissenschaftliche Arbeit haben wir nun in konkrete Beschwerden umgesetzt und an die Datenschutzbehörden weitergeleitet.

Haben Sie damit gerechnet, dass die irischen Datenschützer derart rigoros bei Facebook durchgreifen?

Die Behörden haben uns sehr schnell geantwortet und gesagt, dass sie unsere Beschwerde ernst nehmen. Sicher sind wir aber verwundert, dass sie nun dermassen Gas geben und gleich eine Betriebsprüfung im Firmengebäude von Facebook machen. Anscheinend wollen die Datenschützer sogar über unsere Beschwerde hinaus aktiv werden.

Wer steht nebst Ihnen hinter der Initiative «Europa versus Facebook»?

Ich bin so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt. Ingesamt sind aber rund zehn Personen beteiligt, alle unter 30 und die meisten noch Studenten.

Warum wollen Sie, dass Facebook die Nutzerdaten endgültig löscht?

Nach der europäischen Datenschutzrichtlinie hat jeder User das Recht, eine Kopie der Daten zu bekommen, die über ihn gespeichert sind. Es gibt eine sehr gut «versteckte» Seite auf Facebook, auf der man eine Anfrage stellen kann. Aus den Datensätzen welche wir erhalten haben, konnte man sehr sensible Infos herauslesen, sogar welche, die der User nicht selbst angegeben hat. Darunter waren beispielsweise Infos über psychische Probleme, politische Überzeugung oder die sexuelle Orientierung von anderen Personen.

Haben Sie die über Sie gespeicherten Informationen erhalten?

Nach mehrmaligen Nachfragen bekam ich eine CD zugeschickt mit einer PDF-Datei, die zahlreiche von mir eigentlich gelöschte Daten auf Facebook enthielt. Facebook hat beispielsweise Informationen, zu welchen Studentendemos ich eingeladen worden bin, egal, ob ich diese Einladungen angenommen habe. Auch Verbindungen zu eigentlich gelöschten Personen oder alle gelöschten Nachrichten und Chats werden weiterhin gespeichert. Insgesamt umfasst die Datei über mich 1200 A4-Seiten.

Hatten Sie mit Facebook das Gespräch gesucht, bevor Sie die Beschwerden einreichten?

Facebook selbst hat uns vor rund zwei Wochen um ein Gespräch gebeten. Wir haben geantwortet, dass wir sie gerne auf einen Mélange (Anmerkung: Milchkaffee) nach Wien einladen.

Max Schrems im TV-Interview

Quelle: YouTube

Razzia bei Facebook

Facebook steht in Dublin demnächst eine datenschutzrechtliche Untersuchung ins Haus, schreibt die irische Zeitung «Independent». «Wir werden Facebook genau unter die Lupe nehmen, das Firmengelände durchsuchen und uns im Detail jeden Sicherheitsaspekt ansehen», sagte ein Behördensprecher gegenüber der Zeitung.

Die irische Datenschutzbehörde handelt aufgrund mehrer Beschwerden des Wiener Jus-Studenten Max Schrems. Dem grössten sozialen Netzwerk wird unter anderem vorgeworfen, dass es Daten weiterhin speichert, nachdem die Nutzer sie längst gelöscht haben. Hintergrund der Klage in Irland ist, dass gemäss Schrems und weiter Kläger jeder Nutzer ausserhalb der USA und Kanada unter dem Schutz des irischen Datenschutzrechts stehe, weil sich das internationale Hauptquartier von Facebook seit 2008 in Dublin befindet.

Die Kläger vermuten, dass Facebook aus Steuergründen einen Firmensitz in Dublin hat. «Damit spart sich Facebook nicht nur viel Geld, sondern es ist auch irisches und europäisches Datenschutzrecht und Konsumentenrecht auf Facebook anwendbar.» Für das grösste soziale Netzwerk werde der Firmensitz in Dublin aus steuerlichen Gründen nun zum Bumerang, hoffen die Datenschutz-Aktivisten.

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