Enthüllungsjournalist: «Der Fall bleibt ein Justizskandal»
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Enthüllungsjournalist«Der Fall bleibt ein Justizskandal»

Daniel Ammann hat die dubiose Rolle des Drogenbarons Ramos im Fall Holenweger aufgedeckt. Er fühlt sich durch den Freispruch bestätigt und fordert Konsequenzen.

von
Peter Blunschi

Sie haben in der «Weltwoche» geschrieben, im Prozess gegen Oskar Holenweger stehe die Glaubwürdigkeit der Schweizer Justiz auf dem Spiel. Was sagen Sie jetzt?

Daniel Ammann: Die Glaubwürdigkeit ist wieder hergestellt, das Gericht hat exzellente Arbeit geleistet. Aber die Affäre Holenweger bleibt ein Justizskandal.

Damit meinen Sie wohl die Bundesanwaltschaft, die vom Gericht hart kritisiert wurde.

Das ist dramatisch. Der Einsatz des Drogenbarons José Manuel Ramos wie auch des verdeckten Ermittlers Markus Diemer war rechtswidrig. Die Strafverfolgungsbehörden des Bundes haben das Bundesgericht getäuscht und in der Wahrheitsfindung behindert. Schlimmer kann es für die Bundesanwaltschaft gar nicht kommen. Das Urteil ist deshalb über den Tag hinaus wichtig. Es kann nicht sein, dass man einen dubiosen Drogenbaron in die Schweiz holt und ihm auch noch Glauben schenkt.

Welche Konsequenzen sollten ergriffen werden?

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalpolizei müssen aufräumen. Es darf nicht mehr möglich sein, einem unbescholtenen Bürger mit zweifelhaften Methoden eine Falle zu stellen.

Sie haben sich intensiv mit dem Fall beschäftigt. Fühlen Sie sich nun bestätigt?

Das Gericht hat zum Teil wörtlich das gesagt, was ich seit fünf Jahren geschrieben habe. Man hat für Ramos eine Art Parallelstruktur aufgebaut, die nicht mehr kontrollierbar war. Es wurde eine eigentliche Schattenpolizei gebildet.

Muss die Affäre nun aufgearbeitet werden?

Selbstverständlich. Wenn man solche Vorkommnisse nicht mehr will, muss eine saubere Aufarbeitung stattfinden. Dabei müssen die Verantwortlichkeiten geklärt werden. Das geht vom ehemaligen Bundesanwalt Valentin Roschacher über den damaligen Chef der Bundeskriminalpolizei, Kurt Blöchlinger, bis zum heutigen Bundesanwalt Erwin Beyeler.

Sie haben zuletzt Dokumenten veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass Beyeler stärker in die Causa Ramos involviert war, als er zugeben wollte.

Das Parlament muss sich fragen, ob es Erwin Beyeler im Amt bestätigten will. Ich denke, dass ein Neuanfang mit neuen Köpfen nötig ist. Beyeler hat im Fall Holenweger eine seltsame Rolle gespielt. Er war nicht federführend, aber er hat nicht alles auf den Tisch gelegt.

Könnte der Freispruch nachträglich noch Konsequenzen für Valentin Roschacher haben?

Nein, aber auch seine Rolle muss aufgearbeitet werden. Roschacher stand damals unter wahnsinnigem Erfolgsdruck. Es kann aber nicht sein, dass man in einem solchen Fall zu derartigen Methoden greift.

Daniel Ammann

Als Redaktor der «Weltwoche» hat Daniel Ammann im Juni 2006 aufgedeckt, dass die drei Jahre zuvor begonnene Untersuchung gegen den Privatbankier Oskar Holenweger durch den kolumbianischen Drogenbaron José Manuel Ramos ausgelöst wurde. Dieser spielte in dem Verfahren eine überaus zweifelhafte Rolle. Ammanns Enthüllungen führten unter anderem zum Rücktritt von Bundesanwalt Valentin Roschacher. Zumindest teilweise spielten sie auch bei der Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher eine Rolle. Heute arbeitet Daniel Ammann als freier Publizist, zuletzt veröffentlichte er das Buch «King of Oil», die Biographie des Rohstoff-Tycoons Marc Rich.

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