Aktualisiert 21.04.2006 07:28

«Der Fall ist ein Super-GAU»

Stadträtin Monika Stocker (Grüne) gerät immer stärker in die Kritik. Mit 20 Minuten sprach sie über den neusten Fall von Sozialhilfebetrug und über die Initiative der SVP.

Frau Stocker, warum haben Sie nicht sofort informiert, als Sie bemerkten, dass Armin Schlegel, Leiter des Skandalheims in Spanien, Sozialhilfe ertrogen hat?

Monika Stocker: Als eine meiner Mitarbeiterinnen Herrn Schlegel auf einem Zeitungsbild als einen unserer Sozialhilfebezüger erkannte, wusste ich: Das ist ein Super-GAU. Aber ich habe den Grundsatz, die Persönlichkeitsrechte unserer Klienten zu wahren. Deshalb ging ich damit nicht an die Öffentlichkeit.

Wie ist es überhaupt möglich, dass der Fall nicht früher aufflog? Immerhin schickte das Sozialdepartement über die Firma Time Out Jugendliche zu Schlegel nach Spanien.

Stocker: Wir hatten keine Geschäftsbeziehung mit ihm, sondern mit Time Out von Beat Dünki. Als Sozialhilfebezüger hat Schlegel alle Unterlagen eingereicht und alle Termine mit seinen Betreuern eingehalten. Er hat uns also arglistig getäuscht. Deshalb haben wir auch Anzeige wegen Betrugs erstattet.

Der Fall ist Wasser auf die Mühlen der SVP, die ausgerechnet jetzt eine Initiative gegen Sozialhilfemissbrauch lanciert hat.

Stocker: Die SVP erweckt den Eindruck, wir würden nichts gegen Sozialhilfemissbrauch tun. Das stimmt nicht. Wir decken jedes Jahr mehr ungerechtfertigte Bezüge auf.

Warum sträuben Sie sich gegen stärkere Kontrollen?

Stocker: Ich prüfe gern alle Vorschläge, wie die Finanzen noch besser kontrolliert werden können. Ich wehre mich lediglich gegen Kontrollen, die das private Verhalten von Sozialhilfebezügern betreffen. Da bin ich ein Fundi.

Marco Lüssi

Die SVP fordert Sozialdetektive

Die SVP der Stadt Zürich will mit einer Volksinitiative die Einführung von Sozialdetektiven erzwingen. Dies verkündete Mauro Tuena, SVP-Fraktionschef im Gemeinderat, gestern an einer Pressekonferenz im Rock-Hotel ZicZac im Zürcher Niederdorf. Diesen Ort habe man ausgewählt, da in diesem Hotel «eine der krassesten Verfehlungen des Sozialdepartements» stattgefunden habe, erläuterte Tuena. Das Sozialamt hatte im Jahr 2004 einer Familie monatelang den Aufenthalt im Hotel ZicZac finanziert.

Im März dieses Jahres hatte der Gemeinderat ein SVP-Postulat abgelehnt, welches die Prüfung der Einführung von Sozialermittlern verlangte. Mit der Initiative «Stopp dem asozialen Sozialhilfemissbrauch!» will die SVP ihre Forderung zur Sozialprüfung durch eine ausserparlamentarische Opposition nun doch noch durchsetzen. (lüs)

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