Unvergessene EM-Momente: Der fatale Fehlgriff von Luis Arconada
Aktualisiert

Unvergessene EM-MomenteDer fatale Fehlgriff von Luis Arconada

Dafür brauchte es keine Torkamera: Im EM-Final 1984 gegen Frankreich leistete sich Spanien-Keeper Luis Arconada einen kapitalen Schnitzer, der Spanien den Titel kosten sollte.

von
Philipp Reich

Der Fehlgriff von Luis Arconada im EM-Final 1984. (Quelle: YouTube/<a href="http://youtu.be/yVyk3Sy9Keg"_blank">Airum</a>)

30 Mal sind sich Spanien und Frankreich in ihrer Länderspiel-Geschichte schon gegenüber gestanden. Die Bilanz: 13 Siege für die Spanier, 11 für die Franzosen und 6 Unentschieden. Das wichtigste und für den akutellen Welt- und Europameister schmerzhafteste Duell war sicherlich der EM-Final 1984.

Regelmässig reisten die Iberer, die seit dem EM-Triumph 1964 auf den nächsten Titel warteten, als Favorit zu den grossen Turnieren. Zwei Jahre nach der missglückten Heim-WM sollte es endlich so weit sein. Spanien stand bei der EM in Frankreich endlich wieder einmal im Final. Doch ein kapitaler Fehler von Torhüter Luis Arconada liess den Titeltraum jäh zerplatzen.

Ball klar hinter der Linie

Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre galt Arconada als einer der besten Goalies der Welt. 1981 und 1982 führte er die Real Sociedad aus San Sebastian zu den einzigen zwei Meistertiteln. Für Spanien lief er 68 Mal auf. Doch in Erinnerung bleibt in erster Linie der missglückte Auftritt beim Freistoss von Michel Platini.

Am 27. Juni 1984, einen Tag nach seinem 30. Geburtstag, wollte Arconada seine Karriere krönen. Im Parc des Princes von Paris tat sich der Gastgeber und Titelfavorit Frankreich fast eine Stunde lang sehr schwer. Dann kam die für Arconada folgenschwere 57. Minute. Der Keeper liess einen für einmal harmlos getretenen Freistoss von Platini zum 0:1 passieren. Der Ball rutschte ihm unter dem Bauch durch und rückte erst hinter der Torlinie wieder ins Blickfeld der Zuschauer. Eine Torkamera oder einen Torrichter brauchte es aber nicht, um zu sehen, dass der Ball drin war.

«Arconada» wird zum Begriff

Lange Zeit stand diese Szene sinnbildlich für das Versagen der spanischen Nationalmannschaft in den entscheidenden Momenten, für die Unfähigkeit, das grosse Potenzial umzusetzen. In Frankreich steht der Begriff «Arconada» für einen schweren Goaliefehler. Einen Arconada zu machen ist das Schlimmste, was einem Keeper passieren kann.

Arconada wurde kurze Zeit nach dem Lapsus im spanischen Tor durch Antonio Zubizarreta, einen anderen Basken, ersetzt. Dieser bestritt 1998 seine letzte Endrunde und erlitt in Frankreich ein ähnliches Schicksal wie sein Vorgänger: Er verabschiedete sich im WM-Gruppenspiel gegen Nigeria (2:3) mit einem «Arconada». Er lenkte eine flache Hereingabe ins eigene Tor.

Am 28. Juni 2008, also fast genau 24 Jahre nach dem verlorenen Final gegen Frankreich, verfolgte Arconanda auf Einladung von Platini den EM-Final zwischen Spanien und Deutschland. Der heute 57-Jährige sah, wie Spanien in Wien den Fluch ablegte, dessen bekanntestes Opfer er selber war.

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