Ostschweizer Krise: Der FC St. Gallen im Tief
Aktualisiert

Ostschweizer KriseDer FC St. Gallen im Tief

Der Weg aus der Krise ist ein steiniger. Mit dem 0:2 gegen die Grasshoppers blieb der FC St. Gallen zum fünften Mal in Folge ohne Tor.

von
Sandro Compagno

«Im Grossen und Ganzen war es ein solider Auftritt», meinte St. Gallens Trainer Jeff Saibene nach 90 eher unansehnlichen Minuten beim Gastspiel im Letzigrund. Leider habe sich seine Mannschaft mit individuellen Fehlern selber bestraft. Damit hatte der Luxemburger sicher recht. Wie sich beispielsweise Mario Mutsch im Zweikampf mit Daniel Pavlovic angestellt hat, der zum frühen Elfmeter und zum 1:0 für die Grasshoppers führte, war stümperhaft. Im eigenen Strafraum riss der routinierte Verteidiger seinen Gegenspieler ohne Not an der Schulter, worauf dieser dankbar zu Boden ging. Ref Adrien Jaccottet blieb keine andere Wahl, als auf den Punkt zu zeigen.

«Es ist nicht alles schlecht, was wir machen»

Shkelzen Gashi verwertete den Elfmeter mit dem Selbstverständnis des Liga-Topskorers und liess Marcel Herzog keine Chance. Der 33-jährige Schlussmann hatte erneut den Vorzug vor Daniel Lopar (29) erhalten und machte seine Sache nicht schlecht, obgleich die Streuung bei seinen Abschlägen bisweilen hart an der Toleranzschwelle lag. «Es ist nicht alles schlecht, was wir machen», meinte Herzog nach dem Spiel ziemlich angefressen, «aber am Schluss steht es trotzdem 0:2. Eigentlich sch… es mich an, dieses Spiel zu kommentieren.» Fakt ist, dass Herzog weder beim 1:0 von Gashi noch beim 2:0 durch den eben erst eingewechselten Steven Lang in der Nachspielzeit etwas vorzuwerfen ist.

Fakt ist aber auch, dass der Wechsel auf der Goalie-Position von den wahren Problemen der St. Galler ablenkt. Deren letztes Tor liegt mittlerweile 452 Minuten zurück! Gegen die Grasshoppers mühten sich die Ostschweizer zwar redlich, sie verteidigten sehr hoch, störten die Zürcher früh im Spielaufbau und machten die Räume im Mittelfeld eng. Allein in der Vorwärtsbewegung blieben sie fehlerhaft und harmlos. Der Mannschaft von Jeff Saibene fehlt eine ordnende Hand – weder Stéphane Nater noch Dejan Janjatovic oder Marco Mathys konnten diese Aufgabe im Letzigrund erfüllen.

Pech bei Penalty-Entscheidung

Dass die siegreichen Grasshoppers mit ihrer spielerischen Leistung unzufrieden waren, spricht ebenfalls nicht für den Auftritt des FCSG. «Es gibt solche Phasen, in denen es einfach nicht läuft», stellte St. Gallens letzter Torschütze Goran Karanovic fest. Dazu komme, dass sie bei Schiedsrichter-Entscheidungen ebenfalls Pech gehabt hätten: «Bei uns pfeift er einen Elfmeter nicht. Bei GC pfeift er einen, der keiner war.» Im Fall von GC lag der Stürmer falsch, im Fall von St. Gallen jedoch richtig. GC-Verteidiger Sanel Jahic beging in der 29. Minute beim Stand von 1:0 ein Handspiel im Strafraum – und zwar genau vor dem zum Kopfball bereiten Karanovic. Ref Jaccottet übersah die Regelwidrigkeit.

Trotz allem war St. Gallens Coach Saibene entschlossen, dem 0:2 positive Seiten abzugewinnen und griff dabei tief in die Kiste mit den Allgemeinplätzen: «Auf dieser Leistung können wir aufbauen.» Viel Zeit dazu hat er nicht mehr, in drei Runden ist Sommerpause. Für die St. Galler kommt sie keinen Tag zu früh.

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