Aktualisiert 03.11.2009 13:13

Strassenumfrage in Marseille«Der FC Zürich? Aucune chance!»

Marseille ohne seinen Fussballklub Olympique ist unvorstellbar. An jeder Ecke trifft man auf OM. Die Fans sind weiterhin von ihrer Mannschaft überzeugt, auch wenn das Stade Vélodrome den Gegnern längst keine Angst mehr einflösst.

von
Reto Fehr, Marseille

Egal ob der kleine Junge mit der Mütze in der Métro oder der Jugendliche mit der OM-Jacke: Olympique Marseille ist in der Stadt am Mittelmeer allgegenwärtig. Dazu tragen auch der offizielle Fanshop an der La Canabière, der Strasse zum alten Hafen, oder das OM-Café am Quai unten bei. Selbst in der stilvollen Hafenkneipe bricht eine OM-Fan-Uhr an der Wand die Harmonie zwischen Seemannsknoten, Muschel-Menüs und Fischernetzen. Dazu kommt einem immer wieder eine Gruppe Schweizerdeutsch-Sprechender entgegen, meist junge Männer. Sie sind wohl Fans des FC Zürich. Und die Métro beendet ihren Dienst heute Dienstag nicht wie normalerweise um 22.30 Uhr, sondern wegen des Spiels zwei Stunden später. Es ist offensichtlich: OM diktiert das Leben in der Hafenstadt Marseille.

Heimschwäche verhinderte Titel

Hier, wo die vielen Kinder aus der Banlieue oft nur den Fussball als mögliche Karriereleiter sehen, sind die Erwartungen an den lokalen Verein – den populärsten des Landes – gross. Seit dem Champions-League-Titel 1993 wartet man auf einen nächsten Pokal. Auch diese Saison sieht es nicht gut aus. Marseille hinkt der Spitze der Ligue 1 hinterher. Zuletzt gabs im Stade Vélodrome nur ein 1:1 gegen Toulouse. Statt den möglichen 15 Punkten aus Heimspielen hat das Team von Didier Deschamps nur deren acht geholt, der aktuelle Leader Bordeaux hat dagegen noch eine weisse Heimspiel-Weste. «20 minutes» schreibt daher richtig: «Das Stade Vélodrome flösst keine Angst mehr ein.»

Das grösste von einem Klub benutzte Stadion Frankreichs ist berühmtberüchtigt für seine heissblütigen Fans. Fast 60 000 pilgern jeweils zu den Heimspielen von Marseille und sorgen für Stimmung. Die Mannschaft spielt aber zu oft erfolglos. Schon in der letzten Saison vergab man den Meistertitel aufgrund der Heimschwäche. Mit «Es ist einfacher hinten hineinzustehen und auf Konter zu lauern, als das Spiel machen zu müssen», versuchte Trainer Didier Deschamps einen Grund für die Bilanz im eigenen Stadion zu finden.

Optimistische Fans

Trotz allem ist der OM-Anhang vor dem Spiel gegen den Schweizer Underdog optimistisch. So auch beim Marroni-Verkäufer an der Avenue de Prado vor dem Fussballtempel: «Ja, Zürich schlagen wir wieder. Das hat ja schon auswärts geklappt», ist er überzeugt. Auch im Fanshop ist der Glaube an die Equipe ungehindert gross. Für die «petites Suisses» sollte es auch reichen, wenn die Equipe nicht in Hochform ist. «On va gagner», man werde gewinnen, sagen sie im Chor. Aber man merkt schon: Wirkliche Überzeugung hört sich anders an und die Angst vor der Blamage ist vorhanden. Es ist wohl jeweils mehr die Hoffnung auf ein gutes Ende als die pure Überzeugung. Nicht so bei Hotelportier Hamit. «Der FC Zürich? Der hat keine Chance!», sagt er und lacht. Diese Reise hätten sich die Zürcher seiner Meinung nach sparen können.

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