Super League: Der FCB marschiert weiter – YB blamiert sich

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Super LeagueDer FCB marschiert weiter – YB blamiert sich

Der Meister feiert mit dem 3:1 gegen Thun den fünften Sieg im fünften Spiel. Die Stadtberner unterliegen Aufsteiger Lugano 0:1.

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Donnerstag, 13. August 2015Sion rückt dank eines 3:1-Erfolgs gegen den FCZ auf Platz 3 vor. Carlitos (l.) erzielt das zweite Tor der Walliser mittels Traumfreistoss.

Donnerstag, 13. August 2015Sion rückt dank eines 3:1-Erfolgs gegen den FCZ auf Platz 3 vor. Carlitos (l.) erzielt das zweite Tor der Walliser mittels Traumfreistoss.

FreshFocus/Urs Lindt
Gleich doppelt trifft Sion-Goalgetter Moussa Konaté, den der FCZ nicht in den Griff bekommt.

Gleich doppelt trifft Sion-Goalgetter Moussa Konaté, den der FCZ nicht in den Griff bekommt.

Keystone/Olivier Maire
Der zwischenzeitliche Ausgleich für die Zürcher gelingt Armando Sadiku (r.).

Der zwischenzeitliche Ausgleich für die Zürcher gelingt Armando Sadiku (r.).

FreshFocus/urs Lindt

Mit dem Punktemaximum nach fünf Spielen hat der FC Basel den besten Saisonstart seit 2003 realisiert. Der entscheidende Mann beim 3:1-Erfolg gegen Thun hiess Marc Janko. Der routinierte Österreicher ist ein klassischer Goalgetter und bewies dies eindrücklich. Schon nach gut drei Minuten erzielte er das 1:0. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Berner Oberländer durch einen Foulpenalty schlug der 31-Jährige in der 49. Minute schon zum vierten Mal in dieser Saison zu. Die perfekte Vorlage zum 2:1 kam von Breel Embolo. Den Schlusspunkt setzte Shkelzen Gashi, der in der 79. Minute einen Penalty im Nachschuss verwertete.

Gashi war einer von fünf Spielern, die im Vergleich zur Partie am Wochenende in Luzern nicht in der Startformation standen. Trainer Urs Fischer verzichtete unter anderem zunächst auch auf Zdravko Kuzmanovic. Der Rückkehrer kam in der 82. Minute ins Spiel und musste in der Nachspielzeit verletzungsbedingt vom Feld. Es war der einzige Wermutstropfen für Fischer, der angesichts des gedrängten Programms der kommenden Wochen mit dem wichtigen Playoff-Duell für die Champions-League-Gruppenphase gegen Maccabi Tel-Aviv gut beraten ist, gewisse Kräfte zu schonen.

Umstrittener Penaltypfiff

Nach dem frühen Treffer gegen Thun übertrieben es die Basler allerdings mit dem Verwalten der Energie. Mit Leichtigkeit waren sie zum ersten Treffer gekommen. Embolo provozierte einen Fehlpass von Andreas Wittwer. Via Zuffi landete der Ball bei Janko, der gekonnt einschoss. Danach kam bis zur Pause fast nichts mehr vom FCB. Nichtsdestotrotz schienen die Basler die Partie ziemlich problemlos unter Kontrolle zu haben.

Thun fand keine Mittel gegen das sehr solid wirkende Defensiv-System der Basler. Bis in der 28. Minute zwei schöne Pässe in die Tiefe Simone Rapp in Position brachten. Der Tessiner wurde von Michael Lang zurückgehalten – die Frage, ob unmittelbar vor oder innerhalb des Strafraums konnten selbst die TV-Bilder nicht beantworten. Gianluca Frontino verwertete den Penalty auf jeden Fall sicher.

Weil die Basler sich nach der Pause in offensiver Hinsicht, angetrieben vom starken Embolo, deutlich steigerten, blieb Thun zum vierten Mal im fünften Spiel ohne Punkte. Immerhin eine gute Chance erspielten sich die Thuner beim Stand von 1:2. Nelson Ferreira gelang an der Strafraumgrenze ein herrlicher Volley, den Basels Keeper Tomas Vaclik stark abwehrte.

YB bereits wieder im alten Fahrwasser

In seinem zweiten Spiel nach der Entlassung von Uli Forte konnte YBs Interimstrainer Harald Gämperle mit seiner Crew in keiner Weise an den 3:1-Sieg vom Sonntag gegen Thun anknüpfen. Die Berner traten gegen den vermeintlichen Underdog Lugano sehr selten dominant auf. Aus der Feldüberlegenheit resultierten zu wenige zwingende Aktionen. Stellvertretend für die enttäuschende Darbietung der Berner war die Leistung des als Königstransfer apostrophierten Zuzugs Miralem Sulejmani.

Die Young Boys scheinen nach ihrer ersten Saisonniederlage bereits wieder im alten Fahrwasser zu schwimmen. Ein ernsthafter Herausforderer des FC Basel zu werden, verpassten sie in der vergangenen Saison besonders darum, weil sie gegen die Kleinen der Liga übermässig viele Punkte abgaben. So holten sie gegen den späteren Absteiger Aarau nur gerade zwei von möglichen zwölf Punkten. Gegen Lugano fuhren sie im gleichen Stil weiter.

Hoarau fehlt überall

Die Ausfälle von Leistungsträgern wie Guillaume Hoarau, Alexander Gerndt und Renato Steffen dürften ein so breites und teures Kader wie das der Young Boys nicht in Verlegenheit bringen. Jedoch konnte Samuel Afum als einziger Stürmer den gesperrten Goalgetter Hoarau nicht vergessen machen. Der Ghanaer vergab zwei grosse Chancen – eine per Kopf, eine mit dem Fuss –, war daneben aber unauffällig und wurde folgerichtig schon in der Pause durch den jüngeren Haris Tabakovic ersetzt. Tabakovic hatte nach 58 Minuten die grösste Chance der Berner, er verzettelte sich aber allein vor Goalie Francesco Russo und schloss schwach ab.

Gämperle überraschte Mitte der zweiten Halbzeit, als er anstelle von Alexander Gonzalez nicht einen der Arrivierten wie Scott Sutter oder Yuya Kubo aufs Feld brachte, sondern den erst 20-jährigen Super-League-Debütanten Miguel Castroman. Vielleicht baute der Ostschweizer darauf, dass Castroman ähnlich gut einschlagen würde wie zuletzt die weiteren Youngsters Haris Tabakovic und Denia Zakaria. Tabakovic und Zakaria spielten diesmal von Beginn an, konnten jedoch nicht viel bewirken.

Defensiv solide Tessiner im Glück

Zdenek Zeman, dem legendären Serie-A-Trainer, ist es offenbar geglückt, seine Mannschaft nach der desaströsen Leistung beim 1:6 vom letzten Samstag bei den Grasshoppers sehr rasch aufzubauen. Diesmal zeichnete eine gewisse defensive Solidität das Spiel der Tessiner aus. Nicht mehr wiederzuerkennen waren die Verteidiger einschliesslich Torhüter Russo, die sich gegen GC einen haarsträubenden Bock um den andern geleistet hatten. In Bern leistete sich Luganos Abwehr keine nennenswerten Patzer, die Young Boys mussten sich ihre Handvoll hochwertiger Torchancen allesamt selber erspielen.

Damit sie erstmals seit dem Aufstieg auswärts gewinnen und ihren zweiten Saisonsieg (nach dem 1:0 gegen Vaduz) einfahren konnten, benötigten die Luganesi auch ein bisschen Glück. So stand Torschütze Patrick Rossini, der frühere FCZ-Spieler, bei der Passabgabe von Antonini Culina knapp im Offside. Die Fahne des Assistenten blieb aber unten. Die Luganesi hielten mit den Bernern so gut mit, dass sie ihrerseits in regelmässigen Abständen zu ein paar guten Möglichkeiten kamen, mit denen sie gar auf 2:0 hätten davonziehen können.

Basel - Thun 3:1 (1:1)

27'034 Zuschauer. - SR Bieri. - Tore: 4. Janko (Zuffi) 1:0. 29. Frontino (Foulpenalty) 1:1. 49. Janko (Embolo) 2:1. 79. Gashi (Nachschuss Handspenalty) 3:1.

Basel: Vaclik; Lang, Hoegh, Samuel, Traoré; Elneny (82. Kuzmanovic), Xhaka; Embolo, Zuffi, Bjarnason (74. Gashi); Janko (86. Ajeti).

Thun: Faivre; Bigler (64. Schindelholz), Reinmann, Bürki, Wittwer; Hediger; Ferreira, Sutter (73. Zino), Frontino, Rapp; Buess (83. Munsy).

Bemerkungen: Basel ohne Delgado (krank), Boëtius, Callà, Simic, Ivanov und Kakitani (alle verletzt). Thun ohne Glarner, Peyretti, Siegfried und Wieser (alle verletzt). 47. Kopfball von Samuel an die Latte. 63. Bigler verletzt ausgewechselt. 79. Rote Karte gegen Schindelholz (Handspiel). 79. Gashi scheitert mit Handspenalty an Faivre und trifft im Nachschuss. 90. Kuzmanovic verlässt Feld verletzt. Verwarnungen: 28. Lang. 37. Bjarnason. 52. Reinmann. 55. Janko. 84. Bürki. 94. Traoré (alle Foul).

Young Boys - Lugano 0:1 (0:1)

14'700 Zuschauer. - SR Erlachner. - Tor: 6. Rossini (Culina) 0:1.

Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, Vilotic, von Bergen, Lecjaks; Gajic; Gonzalez (68. Castroman), Zakaria, Sulejmani (78. Kubo), Nuzzolo; Afum (46. Tabakovic).

Lugano: Russo; Veseli, Datkovic, Urbano, Jozinovic (75. Markaj); Sabbatini, Piccinocchi, Rey; Culina (78. Tosetti), Rossini, Bottani (84. Padalino).

Bemerkungen: Young Boys ohne Hoarau (gesperrt), Steffen (krank), Gerndt, Sanogo und Seferi (alle verletzt). Lugano ohne Donis (nicht spielberechtigt). Super-League-Debüt des 20-jährigen Miguel Castroman. Verwarnungen: 70. Rey (Unsportlichkeit), 87. Nuzzolo (Reklamieren). (si)

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