Kritik nach Cupsieg-Party - «Der FCL hätte niemals auf die Allmend kommen dürfen»
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Kritik nach Cupsieg-Party«Der FCL hätte niemals auf die Allmend kommen dürfen»

Ausgiebig feierte die Mannschaft des FC Luzern am Montagabend mit 10’000 Fans den Cupsieg auf der Allmend. Wegen der Pandemie sorgt das für Kritik.

von
Martin Messmer
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Die Fans des FC Luzern feiern den Cupsieg ihrer Mannschaft am Montag auf der Allmend.

Die Fans des FC Luzern feiern den Cupsieg ihrer Mannschaft am Montag auf der Allmend.

20min/Michael Scherrer
Cupsiegerjungs: Die Mannschaft präsentierte sich auf dem Balkon der Messe.

Cupsiegerjungs: Die Mannschaft präsentierte sich auf dem Balkon der Messe.

20min/Michael Scherrer
Es wurde sehr viel Pyro gezündet und Feuerwerk in den Himmel geschossen.

Es wurde sehr viel Pyro gezündet und Feuerwerk in den Himmel geschossen.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Bis zu 10’000 FCL-Fans feierten am Montagabend auf der Luzerner Allmend den Cupsieg.

  • Die Mannschaft präsentierte sich über längere Zeit auf dem Balkon der Messe und heizte der Masse ein.

  • Die Polizei hat nicht gewusst, dass sich die Spieler auf dem Balkon präsentieren.

  • Auch die Stadt und der FCL verweisen darauf, dass sich die Mannschaft spontan auf dem Balkon präsentierte.

  • Laut FCL sei dies darum entschieden worden, weil sich sonst die Menge nicht aufgelöst hätte.

  • Jetzt hat die Cupsieg-Party ein politisches Nachspiel: Die Jungen Grünen fordern Konsequenzen.

10’000 FCL-Fans feierten am Montag trotz Corona auf der Luzerner Allmend den Cupsieg des FCL, genau dort übrigens, wo auch das kantonale Impfzentrum zu finden ist: Diese Party sorgt jetzt für Kritik. Die jungen Grünen schrieben, dass die Menschenansammlung wohl nicht habe vermieden werden können. «Dass jedoch der FCL mit der ganzen Mannschaft auf dem Balkon oberhalb des Impfzentrums die Masse noch anheizt, ist an Ignoranz nicht zu überbieten.» Die Polizei habe dies noch unterstützt, indem der Mannschaftsbus direkt vors Impfzentrum auf der Allmend gelotst wurde. Michelle Meyer, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Kanton Luzern, wird in der Mitteilung so zitiert: «Alle anderen Vereine, Unternehmen und Restaurants halten sich an die bestehenden Covid-Regeln. Der FCL jedoch ist ein Verein mit grossem Zielpublikum und fungiert als Vorbild. Der FCL hätte auf keinen Fall auf die Allmend kommen dürfen.» Die Jungen Grünen Luzern fordern jetzt «eine lückenlose Aufklärung der Versäumnisse der Luzerner Polizei und Konsequenzen für den FCL.»

Polizei legte Fokus auf mögliche Gewalt sowie Pyros

Die Luzerner Polizei hielt nach der Feier in einer Medienmitteilung fest, dass die Covid-19-Massnahmen nicht eingehalten wurden. Ausserdem wurde pyrotechnisches Material gezündet. Trotzdem hat die Luzerner Polizei nicht eingegriffen. Sie begründet dies mit «Gründen der Verhältnismässigkeit». Auf Anfrage sagte Polizei-Kommunikationschef Christian Bertschi, es sei im Vorfeld zwar naheliegend gewesen, dass sich Menschen bei einem Cupsieg auf der Allmend versammeln, aber die Polizei habe nicht gewusst, dass sich die Mannschaft des FCL über eine längere Zeit auf dem Balkon präsentiert und mit den Fans feiert. Die Polizei habe während des Einsatzes aber nicht bewertet, in welcher Verantwortung der FCL hier allenfalls stehe, so Bertschi. «Für uns war einfach wichtig, dass wir mögliche Ausschreitungen verhindern konnten und dass wir für Rettungseinsätze nach Streitereien oder im Zusammenhang mit Pyros in der Menge bereit waren. Wie lange die Feier mit den Spielern dauert, war für uns sekundär.» Die Feier sei aber friedlich verlaufen.

Zum Vorwurf, die Polizei habe den FCL-Bus gelotst, sagt Bertschi: «Wir standen mit dem FCL in Kontakt, als der Car in der Anfahrt nach Luzern war. Wir haben den Bus nicht gelotst, sondern dafür gesorgt, dass er auf der Allmend möglichst schnell aus dem Sichtfeld der Fans kam, um die Spieler und Betreuer nicht einer möglichen Gefahr durch überschwänglich feiernde Fans auszusetzen.»

Stadt verweist ebenfalls auf Verhältnismässigkeit

Der Stadtrat hatte im Vorfeld des Finals in einer Mitteilung konkret darauf hingewiesen, dass wegen Covid keine Cupfeier bewilligungsfähig sei. Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli sagte nun auf die Frage, ob der Stadtrat im Vorfeld gewusst habe, dass sich die FCL-Spieler auf dem Balkon zu den Fans wenden: «Die Stadt hatte im Vorfeld mit der Polizei und dem FCL Kontakt. Dabei wurden auch verschiedene Szenarien besprochen. Die Feierlichkeiten entstanden aber spontan.» Wie auch die Polizei verweist Züsli auf die «Verhältnismässigkeit» als Grund, wieso sie toleriert worden sei. Und auf die Frage, was die Stadt dazu meint, dass der FCL so ausgiebig feierte auf dem Balkon, wie das kritisiert wurde, sagt Züsli: «Emotionen sind nach einem solchen Cupsieg zu erwarten. Die Polizei und die Stadt Luzern haben es aus Gründen der Verhältnismässigkeit und aus Sicherheitsüberlegungen toleriert.»

FCL hat Balkon-Feier nicht im Vorfeld geplant

FCL-Sprecher Markus Krienbühl sagte auf Anfrage von 20 Minuten ebenfalls, es sei nicht geplant gewesen im Vorfeld, dass sich die Mannschaft im Falle des Cupsieges auf dem Balkon präsentieren werde. «Aber dann haben wir natürlich mitbekommen, dass sich viele Fans in Richtung Allmend bewegen. Und deswegen haben wir uns entschieden, dass sich die Mannschaft den Leuten präsentiert. Das mussten wir tun, sonst wären die 10’000 Menschen einfach auf der Allmend geblieben», so Krienbühl. Schliesslich habe sich die Menschenmenge aber aufgelöst und es seien immer weniger Personen auf der Allmend gewesen. Der FCL sei in Kontakt mit Behörden und Polizei gewesen. Es sei aber schwierig gewesen, am Abend auf dem Balkon situativ Entscheide zu fällen, räumt Krienbühl ein. Er sagt: «Über die Dauer der Präsentation auf dem Balkon kann man sicher diskutieren.»

Die Mannschaft auf dem Balkon bei der Messe Allmend.

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