Pyro-Video unter Verschluss: «Der FCZ könnte vor Gericht gezogen werden»
Aktualisiert

Pyro-Video unter Verschluss«Der FCZ könnte vor Gericht gezogen werden»

Obwohl im Internet angekündigt, hat der FC Zürich bisher auf die Veröffentlichung jenes Videos verzichtet, das einen Petardenwerfer zeigt. Das Zögern hat wohl juristische Gründe.

von
Antonio Fumagalli
Leuchtpetarden sind in Schweizer Fussballstadien verboten. Dennoch gelingt es einigen Fans immer wieder, welche hineinzuschmuggeln.

Leuchtpetarden sind in Schweizer Fussballstadien verboten. Dennoch gelingt es einigen Fans immer wieder, welche hineinzuschmuggeln.

Beim FC Zürich dreht sich derzeit fast alles um das bevorstehende Champions-League-Qualifikationsspiel gegen den FC Bayern München. Im Hintergrund laufen die Drähte aber auch wegen einer unsportlichen Angelegenheit heiss. So heiss, dass Eliane Schmid, die Mediensprecherin des eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, gegenüber 20 Minuten Online sagt: «Wenn der FCZ so vorgeht, wie er es angekündigt hat, könnte er sich selbst in juristische Schwierigkeiten bringen.»

Hintergrund der Aufregung ist ein Vorfall vom 15. Mai 2011: Beim Zürcher Derby schleuderte ein Hitzkopf aus der FCZ-Kurve Knallpetarden auf die Tartanbahn und gefährdete damit die dort postierten Sicherheitskräfte. Der FCZ erstattete umgehend Anzeige gegen Unbekannt, wie Pressesprecher Giovanni Marti auf Anfrage bestätigt. Weil die Ermittlungen aber offenbar nicht wie gewünscht vorankamen, ging der FCZ zum Angriff über und stellte dem Petardenwerfer in einer Mitteilung vom 26. Juli ein Ultimatum: Wenn er sich bis zum 30. Juli nicht selbst beim FCZ melde, würden die «sehr guten Videoaufnahmen» in der «kommenden Woche» auf der eigenen Homepage veröffentlicht.

Verstrichenes Ultimatum

Seitdem sind zwei Wochen vergangen, passiert ist trotz der längst verstrichenen Frist nichts. Beim FCZ hüllt man sich über die Ursachen der Verspätung in Schweigen, Pressesprecher Marti sagt nur: «Wir haben unsere Gründe. Weil es ein laufendes Verfahren ist, können wir uns nicht konkreter dazu äussern.»

Gesprächiger zeigt man sich beim eidgenössischen Datenschutz: Eliane Schmid bestätigt, vom Fall Kenntnis zu haben, eine offizielle Anfrage vom FCZ sei aber nicht eingetroffen. Die Internetveröffentlichung eines Überwachungsvideos durch eine private Organisation sei aber äusserst heikel: «Die betroffene Person könnte den FCZ vor Zivilgericht ziehen», so die Sprecherin. Es könne keine Rede davon sein, dass der Datenschutz Fussball-Chaoten schone, der FCZ müsse einfach nach rechtsstaatlichen Prinzipien vorgehen. Konkret: Nur die Behörden sind ermächtigt, eine öffentliche Fahndung – wie beispielsweise bei der erfolgreichen Internetsuche nach 1.-Mai-Randalierern – durchzuführen.

Zurückhaltende Polizeifahndung im Netz

Der Fall liegt nun bei der Stadtpolizei Zürich und der Staatsanwaltschaft. Dort geht man mit der Internetfahndung zurückhaltend um: «Durch die neue Strafprozessordnung wurden die Möglichkeiten dazu ausgeweitet. Aber bevor wir zu diesem Mittel greifen, müssen alle anderen polizeilichen Mittel ausgeschöpft sein», sagt Polizeisprecher Marco Cortesi. Ob dies im vorliegenden Fall zutreffe, wollte er nicht kommentieren.

Die Vermutung liegt also nahe, dass der FCZ ob der drohenden juristischen Konsequenzen einer Veröffentlichung der Überwachungsaufnahmen kalte Füsse kriegte und deshalb die ausgesprochene Drohung (noch) nicht umsetzen wollte. Oder aber man hat zu hoch gepokert und hoffte, dass alleine die Androhung den Petardenwerfer aus der Deckung bringen werde. Noch wissen es einzig die FCZ-Verantwortlichen. Pressesprecher Marti: «Wir kommunizieren, sobald wir können.»

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