Aktualisiert 27.05.2018 15:34

Cupfinal

Der FCZ vermiest Meister YB das Double

Der FC Zürich belegte seine Cupfinal-Qualitäten ein weiteres Mal. In Bern besiegte der Aufsteiger den Meister 2:1.

Für die Szenen mit Raffinesse und Emotionen war in den entscheidenden Phasen ausnahmslos der FC Zürich besorgt - mehrfach mittendrin, der frühere YB-Junior Michael Frey. Mit seinem 1:0 (11.) gab der bullige Angreifer früh den Tarif bekannt und die Richtung vor. Im Sog Freys legte der Aufsteiger von Minute zu Minute an Selbstvertrauen zu. Und selbst in Unterzahl liess er sich nicht mehr abdrängen - im Gegenteil: Antonio Marchesano schloss ein wunderbares Solo mit dem wegweisenden 2:0 (74.) ab.

Nach Sulejmanis Kopfballtor hatten die personell dezimierten Zürcher im Finish zwar noch ein paar heikle Situationen zu überstehen, mehr liessen sie nicht zu. Deshalb war der letzte Sprint eines unterhaltsamen Nachmittags Ludovic Magnin vorbehalten: In seiner ersten (halben) Saison als Chef stürmte er im Anzug euphorisiert vor die Kurve der FCZ-Anhänger und mit seinem Verein zum Triumph.

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Da ist das Ding! Michael Frey präsentiert seine goldene Medaille. Der FC Zürich ist Cupsieger der Saison 2017/18.

Da ist das Ding! Michael Frey präsentiert seine goldene Medaille. Der FC Zürich ist Cupsieger der Saison 2017/18.

Keystone/Peter Klaunzer
Die Young Boys stehen nach der 1:2-Niederlage Spalier für die Spieler des FC Zürich.

Die Young Boys stehen nach der 1:2-Niederlage Spalier für die Spieler des FC Zürich.

Keystone/Peter Klaunzer
Grosser Jubel bei Captain Victor Palsson: Der Isländer und seine Mannschaft holen den zehnten Cupsieg für den FC Zürich.

Grosser Jubel bei Captain Victor Palsson: Der Isländer und seine Mannschaft holen den zehnten Cupsieg für den FC Zürich.

Keystone/Ennio Leanza

Die Highlight des Cupfinals in Bildern.

Ein lauer YB-Auftakt

Während Wochen hatten die Young Boys ihren ersten Meistertitel seit 1986 zelebriert. Der Festmarathon hinterliess Spuren, anders ist der überaus laue Auftakt zum Endspiel im eigenen Stadion nicht zu interpretieren. Derweil der Aussenseiter sich sofort energisch Zutritt verschaffte, fehlte beim Champion die Spannung. In verschiedenen Rencontres hinterliess der FCZ einen kompromissloseren Eindruck.

Der Meister hielt nicht Wort. «In unserer letzten gemeinsamen Woche werden wir noch intensiver arbeiten und alles abrufen», hatte Adi Hütter im Vorfeld betont. Seine Botschaft verflüchtigte sich. Nach 101 teilweise hochklassigen Liga-Spielen mit 223 Treffern endete die Ära Hütters enttäuschend. YB blieb auf dem Weg zur vierten Cup-Final-Niederlage in Folge weitgehend emotionslos.

Winner Frey

Zum Winner avancierte gleichwohl ein gebürtiger Berner: Michael Frey. Der Stürmer ist während seiner Karriere selten einer Konfrontation ausgewichen - Mit- und Gegenspieler inklusive. Der 23-Jährige mit langer YB-Vergangenheit versteht sein Engagement als neuen Anlauf. In einem Klub, «der einen Namen hat, der etwas auslöst», wie er im letzten Sommer immer wieder betonte.

Torschütze Michael Frey nach dem Spiel im Interview. Video: SRF

Beim FCZ löste er selber einiges aus. Er markierte in der Liga überdurchschnittlich viele Tore und sorgte auch neben dem Platz für Schlagzeilen. Mitte April wurde er wegen Meinungsverschiedenheiten vorübergehend suspendiert. Frey, an manchen Tagen der introvertierte Kunstmaler, dann aber wieder impulsiv und egozentrisch, reagierte im Stil des Champions auf die vorübergehende Verbannung: mit sechs Treffern in den letzten fünf Meisterschaftsrunden.

Und wie er das bisherige Highlight seiner Karriere prägte, war eindrücklich. Frey versorgte das Spiel der Zürcher mit Energie. Seine Kraft, sein Enthusiasmus, seine unangenehme Art setzte YB zu.

Magnins grosse Siege und Ansagen

Ludovic Magnin fand einen Weg und Konsens mit Frey. Und der junge Coach löste auch andere Probleme ziemlich souverän. Trotz einer teilweise schwierigen, mehrheitlich unkonstanten Rückrunde erreichte er in der Liga Position 4 und führte Zürich im Knock-out-Wettbewerb zu zwei Siegen mit Strahlkraft: zuerst im Derby gegen GC, dann auf dem Terrain des Super-League-Dominators YB.

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Der Moment, in dem alle Dämme brechen: Ludovic Magnin kennt nach dem Schlusspfiff und dem 2:1-Sieg seines FCZ gegen YB kein Halten mehr.

Der Moment, in dem alle Dämme brechen: Ludovic Magnin kennt nach dem Schlusspfiff und dem 2:1-Sieg seines FCZ gegen YB kein Halten mehr.

FreshFocus/Daniela Frutiger
Der FCZ-Trainer kann sein Glück kaum fassen. Und dann rennt er los.

Der FCZ-Trainer kann sein Glück kaum fassen. Und dann rennt er los.

Keystone/Peter Klaunzer
Er jubelt ...

Er jubelt ...

AFP/Fabrice Coffrini

So bejubelt Ludovic Magnin den Cupsieg.

Der Romand mit engem Kontakt zum früheren Zürcher Meistercoach Lucien Favre ist keiner, der sich öffentlich zurückhält. Er träumt und denkt gross. «Ich habe höchstens Zweifel, wie lange es dauert, bis ich das Ergebnis der Arbeit sehe, bis die Spieler umsetzen, was ich verlange», sagte er vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Zürich - Young Boys 2:1 (1:0)

Stade de Suisse, Bern. - 30'000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Jaccottet.

Tor: 11. Frey (Brunner) 1:0. 74. Marchesano (Pa Modou) 2:0. 80. Sulejmani (Ngamaleu) 2:1.

Zürich: Brecher; Thelander, Brunner, Kryeziu; Rüegg, Palsson, Marchesano (78. Schönbächler), Domgjoni (46. Sarr), Pa Modou; Frey (92. Rodriguez), Winter.

Young Boys: Wölfli; Lotomba (46. Schick), Nuhu, Von Bergen, Benito (76. Ngamaleu); Fassnacht, Sanogo, Bertone, Sulejmani; Assalé (59. Nsame), Hoarau.

Bemerkungen: Zürich ohne Dwamena (gesperrt), Nef, Alesevic, Kempter, Maouche, Bangura und Schättin (alle verletzt), Young Boys ohne Mbabu (gesperrt) und Von Ballmoos (verletzt). 67. Gelb-Rote Karte Sarr (Foul).

Verwarnungen: 15. Nuhu (Foul). 24. Sanogo (Unsportlichkeit). 24. Frey (Unsportlichkeit). 59. Sarr (Foul). 83. Thelander (Foul). 89. Brecher (Zeitspiel). 93. Schick (Foul).

(SDA)

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