30.03.2018 17:52

BernDer fechtende Physik-Olympiasieger

Julius Vering (19) gewann bei der Schweizerischen Physik-Olympiade mit grossem Vorsprung Gold. 20 Minuten traf den jungen Mann und sprach ihn auf so manches Physiker-Klischee an.

von
ber

Julius Vering (19) erzählt von sich, seinem Vorbild und erklärt ganz simpel, was Entropie ist. (Video: ber)

Viele hassen Physik während ihrer Schulzeit. Zu viel anderes geht in einem jungen Kopf vor, als dass er sich auf Physik konzentrieren könnte. Der 19-jährige Julius Vering versteht das nicht, aber: «Zu viel Mathematik schreckt ab. In der Schule wird viel zu wenig bildhaft erklärt, worum es genau geht.» Am vergangenen Wochenende gewann Vering überlegen die Schweizerische Physik-Olympiade.

Im Sommer macht Julius Vering die Matur am Gymnasium Neufeld in Bern, doch bereits letzten Sommer forschte er am Massachusetts Institute of Technology, einer renommierten Eliteuniversität in den USA. Und vor Jahresfrist gewann er in der Schweiz die landesinterne Physik-Olympiade, dieses Jahr ebenso.

Hang zum Atypischen

Doch daneben sei er ein ganz normaler Jugendlicher. Vering: «In meiner Freizeit fechte ich, spiele Bass und Saxofon oder unternehme was mit Kollegen.» Physik interessiere ihn, weil er schon immer habe wissen wollen, wie die Dinge in ihrem Innersten funktionieren.

Darauf angesprochen, ob all die Klischees von ungewaschenen, nerdigen Physikern stimmen, lacht er. Natürlich gebe es solche Leute in der Szene, aber er habe auch schon ganz normale, für den Aussenstehenden wohl atypische Physikinteressierte kennen gelernt.

Genauso atypisch ist sein physikalisches Vorbild: Einstein und Hawking seien ihm zu klassisch, stattdessen mag er Richard Feynman. «Er war sehr unterhaltsam und konnte die komplizierten Dinge einfach auf den Punkt bringen. Zudem spielte er Bongo und war ein ziemlicher Frauenheld.» Genau, dieses Physiker-Klischee ist noch nicht bemüht worden: Wie kommt die Physik bei den Damen an?

Ingenieur statt Physiker

«Dazu äussere ich mich nicht», sagt Vering und grinst. Aber es stimme schon, viele Physiker würden kaum Wert auf das Äussere legen. «Stundenlange Berechnungen sind eher etwas für introvertierte Leute, die dabei die Zeit vergessen.»

Nach der Matur will Vering arbeiten. In Boston wird er bei einem Agrokulturunternehmen jobben. Danach plant er ein Studium. Doch nicht die Physik, sondern die Elektroingenieurs- und Computerwissenschaften haben es ihm angetan. Ein Technologie-Start-up zu gründen, ist sein Traum.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.