Aktualisiert 07.02.2011 11:24

Empörung in MexikoDer flatulente Flitzer

Wo hört der Humor auf und fängt die Beleidigung an? Für Mexiko ist die Antwort eindeutig: bei «Top Gear».

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kle/obi

In der Sendung am 31. Januar gaben die Moderatoren ihren britischen Humor zum besten - sie päsentierten ein mexikanisches Rennauto namens «Tortilla». (Quelle: Top Gear/YouTube)

«Wolltest du nicht schon immer einen mexikanischen Sportwagen?», fragte «Top Gear»-Moderator James May seinen Kollegen Jeremy Clarkson. «Hier ist die Maschine. Sie heisst 'die Tortilla'!» Und schon ging die Klischee-Wälzerei los. Sechs Millionen Zuschauer konnten am 31. Januar mitverfolgen, wie das Moderatoren-Trio das lateinamerikanische Sportauto Mastretta MXT in Grund und Boden kritisierte.

Man könne Autos ja gemeinhin mit den nationalen Eigenschaften eines Landes vergleichen, meinte etwa Richard Hammond. Deutsche Autos etwa gelten als gründlich gebaut und stabil, italienische als auffällig und schnell.

«Ein mexikanisches Auto wäre demnach ein fauler, nutzloser, flatulenter Depp mit einem Schnauz, der sich zum Schlafen gegen einen Zaun lehnt, einen Kaktus anstarrt während er eine Bettdecke mit einem Loch in der Mitte als Mantel trägt», so Hammond. Das Publikum grölt und Jeremy Clarkson doppelt nach: Es sei «grossartig», Mexikaner zu sein, denn so könne man den ganzen Tag schlafen. Zudem müssten sie keine Beschwerden vom mexikanischen Botschafter befürchten, da dieser schon längstens vor dem Fernsehen eingeschlafen sei.

Britischer Humor könnte der BBC teuer zu stehen kommen

Falsch, Herr Clarkson! Die mexikanische Botschaft meldete sich daraufhin mit einer Beschwerde beim britischen Sender. Der Inhalt des Top-Gear-Berichts sei «xenophob» und «beleidigend». Man erwarte eine offizielle Entschuldigung seitens der BBC.

Doch dabei blieb es nicht: Die mexikanische Schmuckdesign-Studentin Iris de la Torre ist der Meinung, der Sender habe «rassistische Aussagen» benutzt, um die Einschaltquoten anzukurbeln. Die 30-Jährige will eine Klage gegen den Nachrichtenkonzern über 1,5 Millionen Franken einreichen.

«Ich war schockiert, dass die BBC etwas derart Beleidigendes ausgestrahlt hat», sagte sie gegenüber der britischen Zeitung «The Guardian». «Ich kann nicht verstehen, wieso solch ignorante Leute solche gut besetzte Positionen haben.» Sollte ihre Klage vor Gericht zugelassen werden, wäre es allerdings die erste seit der Einführung des «Equality Act» im September 2010.

«Sie sind doch viel zu dünn, um Amerikanerin zu sein!»

Das Moderatoren-Trio von «Top Gear» - allen voran Jeremy Clarkson - polarisiert und provoziert seit je her durch politisch unkorrekte Äusserungen und satirisch-ironische Seitenhiebe. Bei Clarkson kriegen am häufigsten US-Amerikaner das Fett weg – aber auch Deutsche, Franzosen, Schweizer und nicht zuletzt seine britischen Landsleute.

Die BBC hat sich trotz mancher empörter Reaktionen von Zuschauern wiederholt demonstrativ hinter Clarkson und sein Team gestellt. «Provokative Äusserungen» von Jeremy Clarkson und seinen beiden Co-Moderatoren James May und Richard Hammond dürften nicht ernst genommen werden und machten einen entscheidenden Reiz der Show aus, wird die BBC auf Wikipedia zitiert. Sarkasmus sei nun mal Teil des Konzeptes und die Zuschauer sollten das mittlerweile wissen. Ferner sei es bekannt, dass Clarkson oft zu sehr stark übertriebenen Stereotypen greife, um seine Ansichten zu untermauern. «Selbstverständlich würde die BBC einschreiten, wenn es den Anschein hätte, die provokativen Äusserungen seien ernst gemeint.»

Ob die Haltung der BBC sich mit der Einführung des «Equality Act» im September 2010 ändert, wird sich mit der aktuellen Mexiko-Affäre herausstellen.

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