Aktualisiert 16.09.2016 07:45

Ilanz GR

Der Fluch der weissen Gämse

Der Bündner Mathis S.* (20) schoss eine weisse Gämse. Das ist bei Jägern verpönt. Und wer ein solches Tier erlegt, stirbt laut der Legende innerhalb eines Jahres.

von
luh
Diese weisse Gämse wurde von Fotograf Martin Wymann im Diemtigtal abgelichtet. Er ist überzeugt, dass keiner der örtlichen Jäger sie schiessen würde.

Diese weisse Gämse wurde von Fotograf Martin Wymann im Diemtigtal abgelichtet. Er ist überzeugt, dass keiner der örtlichen Jäger sie schiessen würde.

Martin Wymann

«Dem muss man das Jagdpatent auf der Stelle entziehen»: So äussert sich ein wütender Leser in einem Leserbrief der «Südostschweiz ». Grund für die Empörung in der Jagdgemeinschaft ist der Abschuss einer weissen Gämse. Der 20-jährige Mathis S. verstiess damit gegen ein ungeschriebenes Gesetz: Weisse Wildtiere schiesst man nicht.

«Vor dem Schuss habe ich etwas gezögert, weil ich wusste, dass weisse Gämsen selten sind», so S. gegenüber der «Südostschweiz». Der Abschuss des Tieres ist zwar legal, trotzdem reagiert die Jägerschaft aufgebracht.

Auf Facebook zeigt man sich empört über das Vorgehen des Bündners: «Ein Albino war schon immer und ewig eine Seltenheit, aber ich glaube, so weit kann oder wollte er nicht denken.»

S. gibt sich gelassen ob der Aufregung: Ihm sei auch bewusst gewesen, dass der Abschuss zu reden geben werde, doch das kümmere ihn nicht, so der Ilanzer.

Tödlicher Fluch

Die negativen Reaktionen der Jäger sind nicht unbegründet. Eine Legende besagt, dass der Abschuss einer weissen Gämse Unheil mit sich bringt: Wer sie erlegt, werde verflucht und sterbe innerhalb eines Jahres. Als Beispiel gilt der Tod von Franz Ferdinand. Der österreichische Thronfolger schoss eine weisse Gämse. Ein Jahr später wurde er 1914 beim Attentat in Sarajewo getötet, was als Auslöser des Ersten Weltkrieges gilt. «Davon habe ich noch nie gehört», so S. gegenüber der «Südostschweiz» und fügt hinzu: «Ich hätte trotzdem geschossen, abergläubisch bin ich nicht.»

2012 schoss ein Jäger im Oberwallis ebenfalls eine schneeweisse Gämse. Auch in diesem Fall musste der Schütze heftige Reaktionen über sich ergehen lassen. Immerhin: Der Mann lebt noch, wie der Präsident der lokalen Jagdvereinigung bestätigt.

Auch für S. ging die Sache bislang glimpflich aus: Das Bündner Naturmuseum hat die weisse Gämse geschenkt bekommen und will sie im Museum in Chur ausstellen.

*Name der Redaktion bekannt

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