Nobelpreise: Der Friedensnobelpreis geht an Barack Obama
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NobelpreiseDer Friedensnobelpreis geht an Barack Obama

Sensation in Oslo: Der Friedensnobelpreis geht an Barack Obama. Punkt 11 Uhr wurde der Preisträger verkündet. Der amtierende US-Präsident bekommt die prestigeträchtigste Auszeichnung der Welt nach nicht einmal zehn Monaten im Amt.

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Damit hat niemand gerechnet. Barak Obama gewinnt als vierter US-Präsident den Friedensnobelpreis. Nach weniger als 10 Monaten im Amt wird Obama bereits für seine «aussergewöhnlichen Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Diplomatie und Zusammenarbeit zwischen den Völkern» ausgezeichnet, wie es heute kurz nach 11 Uhr in der ersten Würdigung durch das norwegische Nobelpreiskomitee heisst.

Selten zuvor habe eine Persönlichkeit so sehr die Hoffnung auf eine bessere Zukunft vermittelt und die Aufmerksamkeit der Welt in Bann gezogen, erklärte das fünfköpfige Nobelpreiskomitee. «Seine Diplomatie beruht auf dem Konzept, dass diejenigen, die die Welt führen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, welche von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden.» Das Komitee merkte an, dass Obamas Vision für eine Welt ohne Atomwaffen bei der Preisentscheidung eine besondere Rolle gespielt habe. «Obama hat als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen.»

«Noch nicht abgeschlossene Entwicklung fördern»

Der Vorsitzende des Nobel-Komitees, der Norweger Thorbjoern Jagland, sagte, der US-Präsident erhalte den Preis gerade auch wegen seines Einsatzes für eine atomwaffenfreie Welt. «Alles, was er in seiner Zeit als Präsident angepackt hat, und wie sich das internationale Klima durch ihn verändert hat, ist schon mehr als Grund, ihm dem Friedensnobelpreis zu verleihen», sagte Jagland.

Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern. Das sei auch bei den Vergaben an Bundeskanzler Willy Brandt und an den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow der Fall gewesen.

Spekulationen im Vorfeld

Im Vorfeld der Bekanntgabe galten in diesem Jahr - gut 20 Jahre nach dem Tiananmen-Massaker und 60 Jahre nach der Gründung der Volksrepublik China - chinesische Dissidenten als Favoriten. Auch Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl sowie der frühere Bundesaussenminister Hans-Dietrich Genscher wurden zum 20-jährigen Mauerfall-Jubiläum als mögliche Kandidaten gehandelt.

Im vergangenen Jahr würdigte das norwegische Komitee den früheren finnischen Staatspräsidenten Martti Ahtisaari. Obama ist der dritte Präsident, der während seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis erhält - nach Theodore Roosevelt im Jahr 1906 und Woodrow Wilson 1919. Nach dem Ausscheiden aus dem Weissen Haus erhielten Jimmy Carter (2002) und Exvizepräsident Al Gore die Auszeichnung.

Beifall und Skepsis

In Berlin und Paris wurde die Nachricht mit Beifall aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: «Sein Eintreten für eine atomwaffenfreie Welt ist ein Ziel, für das wir uns alle einsetzen sollten.» Die Verleihung des Nobelpreises sei ein Ansporn für den amerikanischen Präsidenten und «uns alle», auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen, sagte Merkel in Leipzig. «Wir alle sollten ihn unterstützen.»

Der scheidende deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, die Entscheidung sei «ein wichtiges Signal der Unterstützung für die kooperative Politik des amerikanischen Präsidenten». Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte, der Friedensnobelpreis für Obama verdeutliche «die Rückkehr Amerikas in die Herzen der Völker».

Andere hingegen äusserten sich skeptischer. Der polnische Expräsident Lech Walesa, Friedensnobelpreisträger des Jahres 1983, sagte: «Zu früh. Er hat bisher nichts geleistet.» Der Preis sei offenbar als Ermutigung zu verstehen. Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, würdigen Obamas Eintreten für eine atomwaffenfreie Welt. Den Worten müssten jetzt aber auch Taten folgen. Dies gelte auch für den Krieg in Afghanistan, wo ein Abzug der ausländischen Truppen nötig sei. (pat/voi/rub/sda/dapd)

Der beedeutendste der Nobelpreise

Der Friedensnobelpreis gilt als die bedeutendste internationale Auszeichnung im Bemühen um eine friedlichere Welt. Gründer des Preises ist der schwedische Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896).

In seinem Testament beauftragte er das Storting, das norwegische Parlament, jährlich bis zu drei Menschen oder Organisationen für ihre Verdienste um die Menschheit auszuzeichnen.

Die Preisträger sollen «den besten oder grössten Einsatz für Brüderlichkeit zwischen Staaten, für die Abschaffung oder Abrüstung von stehenden Heeren sowie für die Organisation und Förderung von Friedenskonferenzen» gezeigt haben. Seit 1960 wird auch der Einsatz für Menschenrechte, seit 2004 zudem für Umwelt, mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Während andere Nobelpreise in der schwedischen Hauptstadt Stockholm vergeben werden, wird die Auszeichnung für Frieden in Oslo verliehen. Seit 1901 wählt dafür ein norwegisches Komitee aus oft mehr als 100 Vorschlägen die Geehrten aus. Seine fünf Mitglieder werden für sechs Jahre vom Storting ernannt.

Die Preisträger werden jeweils im Oktober bekanntgegeben. Bei der feierlichen Verleihung am Todestag Nobels am 10. Dezember erhalten sie in Oslo eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld - in diesem Jahr zehn Millionen Schwedische Kronen (1,48 Millionen Franken).

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