Aktualisiert 21.06.2011 21:45

Bloss Zuschauer

Der Frust von «Winkelried» Xhaka

Wenn die Schweizer U21 heute in Dänemark um den Einzug in den EM-Final kämpft, ist Granit Xhaka nur Zuschauer – und total frustriert.

von
Sandro Compagno, Dänemark
Granit Xhaka macht seine Sperre zu schaffen. (keystone)

Granit Xhaka macht seine Sperre zu schaffen. (keystone)

Das Verhängnis brach in der 27. Minute des letzten Gruppenspiels über den Basler herein: Xhaka stoppte den Weissrussen Baga und sah dafür Gelb. Eine Aktion ganz im Sinn und Geist von Arnold Winkelried, der sich der Legende nach 1386 bei Sempach für seine Eidgenossen geopfert hatte. Denn Xhaka nahm mit seinem taktischen Foul die zweite Verwarnung des Turniers auf sich, die ihn gegen Tschechien zum Zuschauen verdammt.

Eine Rolle, die dem U17-Weltmeister von 2009 schwerfällt: «Ich bin seither richtig schlecht drauf.» Es ist we­niger die Verwarnung gegen Weissrussland, die ihn innerlich brodeln lässt, sondern jene im zweiten Spiel gegen Island: Gelb für ein blitzsauberes Tackling!

Xhaka: «Ich habe den Eindruck, dass die Schiedsrichter an der EM zu kleinlich pfeifen und zu schnell Karten zücken.»

An den Sitzungen, in denen Trainer Tami das Spiel gegen Tschechien vorbereitet, hält sich Xhaka im Hintergrund: «Ich will das Team nicht stören. Und ich versuche, meine schlechte Laune nicht nach aussen zu tragen.» Reife Worte eines 18-Jährigen, der seit dem WM-Titel in Nigeria einen Reifeprozess durchlebt: Um 7 cm auf 1,85 m ist er seit November 2009 gewachsen, hat acht Kilogramm an Körpergewicht zugelegt. Aus dem Jungen von damals ist ein Modellathlet geworden.

Heute wird er im Stadion von Herning irgendwo auf der Tribüne Platz nehmen und ­seinen Kollegen die Daumen drücken: «Sie können mir den Traum vom EM-Final erfüllen.» Denn eines unterscheidet Granit Xhaka von Arnold Winkelried: Der hat nämlich nie erfahren, wie die Schlacht von Sempach ausgegangen ist.

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