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Gross angelegte StudieDer G-Punkt ist ein Märchen

Wer glaubt, dass der G-Punkt für weibliche Orgasmen sorgt, liegt möglicherweise falsch. Britische Forscher behaupten nämlich, die viel diskutierte erogene Zone könne anatomisch nicht bewiesen werden. Sie werde lediglich subjektiv empfunden. Immerhin von einer Mehrheit der Frauen.

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Seit der G-Punkt 1950 vom Arzt Ernst Gräfenberg entdeckt wurde, sorgt er für Verwirrung. Die einen behaupten, sie besitzen ihn, andere tun ihn als reine Einbildung ab. Gräfenberg beschrieb ihn damals als «erogene Zone in der vorderen Vaginalwand, entlang der Harnröhre, die bei sexueller Stimulation anschwillt». Nun wurde laut der Online-Ausgabe der «Times» der Beweis erbracht, dass es den G-Punkt überhaupt nicht gibt.

Zu diesem Befund gelangten Wissenschaftler vom King's College London in einer gross angelegten Studie: Sie befragten 1804 Engländerinnen im Alter von 23 bis 83 Jahren, ob sie einen G-Punkt besitzen oder nicht. Um sicherzugehen, dass die Antworten der Frauen auf körperlichen Tatsachen und nicht bloss auf Gefühlen basieren, befragten die Forscher ein- und zweieiige Zwillinge.

56 Prozent haben einen G-Punkt

Ihre Überlegung: Die Frage nach dem G-Punkt müsste bei eineiigen Zwillingen, die ja über identische Gene verfügen, immer von beiden gleich beantwortet werden. Bei den zweieiigen Zwillingspaaren, bei denen noch 50 Prozent der Gene gleich sind, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Schwestern das Gleiche aussagen, zumindest erhöht.

Doch diese Erwartung liess sich durch die Studie nicht untermauern. Daraus haben die Forscher geschlossen, dass der G-Punkt lediglich subjektiv wahrgenommen wird. Von den befragten Frauen hätten insgesamt 56 Prozent angegeben, einen G-Punkt zu besitzen - und zwar vorwiegend jüngere, sexuell aktivere Frauen.

Der G-Punkt setzt alle unter Druck

Für die Studienleiterin sei es fast schon unverantwortlich, zu behaupten, es gebe den G-Punkt, obwohl seine Existenz gar nie richtig bewiesen wurde. Die Behauptung setze Frauen - wie auch Männer - unter Druck.

Die Wissenschaftler des King's College London wollen die Diskussion trotz des für sie eindeutigen Ergebnisses weiterführen und planen eine gross angelegte Debatte zum Pro und Kontra des G-Punkts. Auf diese Weise soll es möglich werden, die Existenz dieser erogenen Zone der Frau 60 Jahre nach ihrer Entdeckung zu bestätigen - oder für ein und allemal mit dem Mythos aufzuräumen.

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