Amir Abrashi: Der Gattuso mit den flinken Füssen
Aktualisiert

Amir AbrashiDer Gattuso mit den flinken Füssen

Amir Abrashi will die Schweizer U21-Nati in der EM-Barrage gegen Deutschland zum Sieg führen. Für den «kleinen Gattuso von GC» ein hoffentlich weiterer Schritt auf der Karriereleiter.

von
Eva Tedesco

Die Schlagzeilen machen für gewöhnlich die Artisten und Ballkünstler - nicht die Terrier, wie Amir Abrashi einer ist. Der Typ Spieler, der kämpft und rackert, sich aufreibt im Dienst der Mannschaft. Hart, aber gerecht. Ein Spielertyp wie Gennaro Gattuso. «Typ Gattuso würde ich sofort unterschreiben, aber mit den flinkeren Füssen – natürlich ohne die grossartige Karriere des Weltmeisters», lacht Abrashi.

Der Thurgauer ist mit seinen 22 Jahren aber auch zwölf Jahre jünger als sein Vorbild. Dennoch hat er schon einiges erreicht. «Das Finale an der U21-EM in Dänemark gegen Spanien und die Teilnahme am Olympiaturnier in London werde ich mein Leben lang nicht vergessen», sagt Abrashi. Und zum ersten Mal in seiner jungen Karriere steht er in einer Meisterschaft zuoberst in der Tabelle. «Natürlich haben wir noch nichts erreicht», so der GC-Sechser, «aber es ist ein tolles Gefühl, einmal da oben zu stehen.»

Fünf Hopper in der U21-Nati

Dieses positive Gefühl nehmen Abrashi und seine Klubkollegen Roman Bürki, Izet Hajrovic, Toko und Steven Zuber für die EM-Barrage mit in die U21-Nati. «Unser Selbstvertrauen kann sich nur positiv auf die Gruppe auswirken», sagt der Thurgauer vor der schwierigen Aufgabe gegen Deutschland. «Unsere Mannschaft ist noch nicht so gut eingespielt wie die EM-Mannschaft, aber wir sind auf einem guten Weg.» Aber auch die DFB-Auswahl tritt mit breiter Brust an: Mit neun Siegen und einem Remis hat sie in der Gruppenphase überzeugt.

Aber nicht nur in der U21-Mannschaft macht Abrashi Fortschritte. An der Seite von GC-Captain Vero Salatic lernt er täglich im Klub dazu. «Vero ist der Chef – auf und neben dem Platz. Neben seiner Qualität und Ruhe imponiert mir seine Persönlichkeit und Präsenz. Der Teamgeist steht für ihn an oberster Stelle.» Dies zeige sich auch neben dem Platz. «Wir unternehmen bei GC sehr viel miteinander. Gehen mal gemeinsam Essen oder zum Paintball spielen. Und er sorgt stets für Disziplin und bringt seine Erfahrung ein.»

Der Traum von der A-Nati

Überhaupt sei bei GC plötzlich alles anders. «Wir können uns auf die Klubführung, den Trainer und den Staff verlassen. Es gibt Perspektiven und klare Ziele und das wirkt sich auch auf die Mannschaft aus. Das war in den letzten Jahren nicht so. Trainer Uli Forte ist konsequent und sehr akribisch - vor allem, wenn es um Disziplin geht.» Vergleiche zu Ciri Sforza, seinem Trainer in den letzten zwei Jahren, will er aber nicht ziehen.

GC und die U21-Nati: Ein gutes Fundament für den weiteren Verlauf seiner Karriere. Das Fernziel ist die A-Nati. Auch wenn die Chancen auf ein Aufgebot derzeit so gering sind wie schon lange nicht mehr. «Mit drei Serie-A-Spielern ist die A-Nati topbesetzt. Wenn schon Pirmin Schwegler, Captain bei Eintracht Frankfurt und Zweiter in der Bundesliga-Tabelle, zuhause bleiben muss...»

Aber wie es sich für einen Terrier gehört, gibt er die Hoffnung nicht auf. Obwohl er wie Behrami, Xhaka und auch Shaqiri seine Wurzeln im Kosovo hat, will Abrashi für die Schweiz spielen. «Ottmar Hitzfeld war bisher immer offen für neue Spieler. Seit er Nati-Trainer ist, ist es einen Tick einfacher, sich aufzudrängen», so der 22-Jährige.

Die U21 muss sich nicht verstecken

Die nächste Chance, Pluspunkte zu sammeln, bekommt er am Freitag in Leverkusen. «Die Erwartungen sind nach den Erfolgen der U21-Auswahl gestiegen und die Aufgabe schwierig. Deutschland hat mit Captain Holtby und anderen Bundesliga-Stammspielern ein starkes Team. Aber wir müssen uns vor keinem Gegner verstecken. Wir reisen mit dem Ziel nach Deutschland, ein gutes Resultat zu erreichen. Und dann wollen wir am Dienstag im Rückspiel in Luzern alles klarmachen. Nach einer EM und Olympia habe ich noch lange nicht genug.»

Genau wie sein Vorbild Gattuso. Der Weltmeister. Für Abrashi wäre allein schon die Teilnahme in Brasilien ein Traum. Aber Abrashi ist kein Träumer. Stattdessen weiss er, wie man kämpfen muss, wenn es darum geht, seine Träume zu erreichen.

Das ist Amir Abrashi

Er wurde als Sohn kosovarischer Eltern am 27. März 1990 im thurgauischen Bischofszell geboren. 2002 besuchte er die Sport-Tagesschule TST in Bürglen und startete ein Jahr später beim FC Bischofszell seine Fussballer-Laufbahn. Nach einem Jahr bei Weinfeld-Bürglen und dem Umzug der Eltern nach Winterthur kam er in die Junioren-Abteilung des FC Winterthur und wechselte in die Talentschule in Winterthur-Veltheim. 2008 stieg er in die 1. Mannschaft auf. Im Sommer 2010 kam er leihweise für ein Jahr zu GC und erhielt ein Jahr später einen Vertrag über drei Jahre beim Rekordmeister (bisher 50 Ligaspiele/3 Tore).

Abrashi, der nur den Schweizer Pass besitzt, durchlief die U18-, U19- und U20-Auswahl der Schweiz. Mit 16 Einsätzen ist er derzeit einer der Routiniers in der U21-Auswahl, mit der er an der U21-EM in Dänemark Vize-Europameister wurde. Abrashi gehörte auch zu den Teilnehmern am Olympia-Turnier in London.

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