«Alpenfestung»: Der gefallene Kommandant
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«Alpenfestung»Der gefallene Kommandant

Er plünderte die Kasse der Hornussergesellschaft. Jetzt hat Alfred Strahm den Job als Kommandant der Sendung «Alpenfestung» hingeschmissen - weil er sich vor der Boulevardpresse fürchtet, wie er sagt. Vielleicht hatte er aber auch Angst vor weiteren Enthüllungen. Denn auch in anderen Kantonen ist er aktenkundig.

von
meg

Er hat nicht mehr viel gesagt. Nachdem bekannt wurde, dass Alfred Strahm einst aus der Kasse der Hornussergesellschaft 11 500 Franken veruntreute, war er gestern nur für ausgewählte Medien erreichbar. Das Interesse aber an seiner Person war gross, nachdem er nach den Enthüllungen als Kommandant der Sendung «Alpenfestung - Leben im Réduit» noch vor dem Sendestart im Schweizer Fernsehen den Bettel hinschmiss. Zitieren liess er sich heute unter anderen in der «Mittelland Zeitung». Und dort wird klar, weshalb er etwa die Zeitung mit den fetten Buchstaben mied.

Angst vor dem Boulevard

Die Verantwortlichen des Schweizer Fernsehen hätten ihm erklärt, dass sich die Boulevardmedien in diesen drei Wochen womöglich wieder auf die Geschichte gestürzt hätten, sagte Strahm der Zeitung. «Das wollte ich nicht, das war es mir nicht wert. Meine Familie sollte nicht auch noch belastet werden. Sie hat ja mit der ganzen Geschichte nichts zu tun.»

Er sei sehr enttäuscht, sagte er gegenüber der «Luzerner Zeitung». Schliesslich habe er sich intensiv auf das TV-Abenteuer vorbereitet. Klar ist für den Ex-Kommandanten, wer ihn zu Fall brachte: «Eine Retourkutsche der Hornussergesellschaft Schoren», mutmasst Strahm. «Neid und Missgunst haben wieder einmal gesiegt.» Für ihn sei der «Vorfall» beim Casting «längst erledigt» gewesen, wird er zitiert. Er habe zwar einen Gerichtsfall erwähnt, aber keine Verurteilung, weil er glaubte, «dass dies nur regional ein Thema» sei.

Rechtskräftig verurteilt

Der «Tages-Anzeiger» allerdings hat weiterrecherchiert. Und auf den strammen Kommandanten mit dem «lokalen Problem» fällt plötzlich ein langer Schatten: Der Alpenfestungs-Kommandant sei auch im Thurgau aktenkundig. Zudem sei er vor zwei Jahren vom Luzerner Obergericht rechtskräftig verurteilt worden. Laut «Tages-Anzeiger» ging es dabei um mehrfache Urkundenfälschung. Als Aussendienstmitarbeiter sollte er Hotels und Gaststätten davon überzeugen, im Internetverzeichnis der Hotelguide.com AG Anzeigen zu schalten. Den Vertrag eines vermeintlichen Hotel-Kunden unterschrieb er gleich selbst. Strahm selber bestritt dies vor Gericht.

Die Reissleine hat er aber offenbar selber gezogen - und nicht auf Druck des Schweizer Fernsehens. Gegenüber der Mittelland Zeitung sagte er: «Es wäre möglich gewesen, dass ich in die Festung einziehe.» Das Schweizer Fernsehen habe ihm die Teilnahme nicht explizit verwehrt.

Jetzt ist der strenge Kommandant über sein Vorleben gestolpert - und sorgt nachträglich für ungewollte Komik. Vor wenigen Tagen sagte er noch gegenüber «SonntagsZeitung»: «Wenn es sein muss, werde ich in der Festung Räume in Zellen umfunktionieren.»

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