Neues Tesla Modell: Der Gejagte wird zum Jäger
Aktualisiert

Neues Tesla ModellDer Gejagte wird zum Jäger

Mit dem Model Y erweitert Tesla die Modellpalette um einen Kompakt-SUV. Der hat allerdings Rückstand auf die Konkurrenz.

von
Dieter Liechti
Das neue Model Y wird es in vier Leistungsstufen und ab ca. 40'000 Franken geben. Der Wermutstropfen dabei: In Europa kommt das günstigste Modell nicht vor 2022 auf den Markt.

Das neue Model Y wird es in vier Leistungsstufen und ab ca. 40'000 Franken geben. Der Wermutstropfen dabei: In Europa kommt das günstigste Modell nicht vor 2022 auf den Markt.

Tesla
Höher sind auch die Ansprüche, die Musk an seinen Neuling stellt. Zum einen verspricht er «die Funktionalität eines SUV, aber fahren soll er sich wie ein Sportwagen».

Höher sind auch die Ansprüche, die Musk an seinen Neuling stellt. Zum einen verspricht er «die Funktionalität eines SUV, aber fahren soll er sich wie ein Sportwagen».

Tesla
Viele Attribute des erfolgreich gestarteten Model 3 findet man auch im Model Y – das reduzierte Design, das «nackte» Cockpit mit dem riesigen Touchscreen, die vergleichbaren und immer noch imponierenden Fahrleistungen oder das XXL-Panorama-Glasdach.

Viele Attribute des erfolgreich gestarteten Model 3 findet man auch im Model Y – das reduzierte Design, das «nackte» Cockpit mit dem riesigen Touchscreen, die vergleichbaren und immer noch imponierenden Fahrleistungen oder das XXL-Panorama-Glasdach.

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Das hört die Tesla-Gemeinde nicht gerne: Wenn das Model Y frühestens ab Herbst 2020 auf die Strassen rollt, dann haben die Amerikaner einen Teil ihres grossen Vorsprungs durch Elektrotechnik gegenüber der Konkurrenz verspielt. Denn während Elon Musk den Kompakt-SUV vergangene Woche mit gewohnt grossen Worten angekündigt hatte, stehen bereits ein paar vergleichbare E-SUV am Start, oder werden in den kommenden Monaten lanciert. Das wird Musk ärgern, denn in Europa wird das Model Y nicht vor 2021 erhältlich sein, also bestenfalls in zwei Jahren.

Erstaunlich. Denn Tesla hat es sich beim Model Y verhältnismässig einfach gemacht und den Neuling quasi 1:1 auf Basis des Model 3 aufgebaut. Laut offiziellen Angaben kommen 75 Prozent des neuen Elektro-SUV auch im Model 3 zum Einsatz. Ein Vorgehen, wie es bei den etablierten Autoherstellern natürlich auch gang und gäbe ist. Das heisst: Viele Attribute des erfolgreich gestarteten Model 3 findet man auch im Model Y – das reduzierte Design, das «nackte» Cockpit mit dem riesigen Touchscreen, die vergleichbaren und immer noch imponierenden Fahrleistungen oder das XXL-Panorama-Glasdach. Nur baut alles ein wenig höher.

Das Beste aus zwei Welten

Und höher sind auch die Ansprüche, die Musk an seinen Neuling stellt. Zum einen verspricht er «die Funktionalität eines SUV, aber er fährt sich wie ein Sportwagen». Zum andern ist der E-Pionier zuversichtlich, dass das Model Y zum erfolgreichsten Tesla werden könnte. Dafür sprechen die bereits erwähnten Pluspunkte des Model 3, dagegen spricht aber das defensive Timing. Denn ganz offensichtlich will der Tesla-Boss im Falle des Model Y negative Schlagzeilen verhindern, sollte es mit der Produktion wieder Probleme geben, wie beim Model 3. Ob diese Taktik zum jetzigen Zeitpunkt des Aufbruchs in die E-Mobilität noch aufgehen kann?

Sicher ist, dass Tesla wie beim Model 3 erst einmal mit den leistungsstärksten Versionen Long Range, Dual Motor AWD und Performance loslegt. Das Basismodell hingegen geht in den USA nicht vor dem Frühjahr 2021 an den Start. Erst dann ist das Model Y mit einer elektrischen Reichweite von bis zu 390 Kilometern (nach neuer Verbrauchsmessung WLTP) und einer Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h zum Einstiegspreis von 39'000 Dollar erhältlich. In Europa ein Jahr später.

Bis dahin wird die Variante Long Range mit Hinterradantrieb und der Top-Reichweite von maximal 540 Kilometern zum Preis ab 57'000 Franken der günstigste Einstieg in die Model-Y-Welt. In dieser Ausführung beschleunigt das Elektro-SUV innerhalb von 5,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und fährt maximal 209 km/h schnell. Die Allrad-Version mit zwei Elektromotoren hingegen kommt nach WLTP-Standard 505 Kilometer weit, beschleunigt innerhalb von 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h, schafft maximal 217 km/h und kostet 61'000 Franken.

Der «Autopilot» kostet 8500 Franken Aufpreis

An der Spitze der Modellpalette steht die Topversion Performance ab 70'000 Franken: Hier stehen eine elektrische Reichweite von bis zu 480 Kilometern, eine Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h und 3,7 benötigte Sekunden für den Standardsprint im Datenblatt. Bei diesen Preisen handelt es sich um die fünfsitzige Version mit «normaler» Farbe. Wer 7 Plätze will, muss 3200 Franken Aufpreis zahlen, wer den «Autopilot» mit allen Möglichkeiten ordert, bezahlt weitere 8500 Franken. Und wer beim Topmodell überall ein Häckchen setzt, landet bei über 85'000 Franken. Bestellt werden kann das Auto ab sofort – auch in der Schweiz, gegen eine Anzahlung von 2000 Franken.

Dass Elon Musk 72 Stunden nach der Präsentation noch keine Zahlen zu den Bestelleingängen des Model Y getwittert hat, kann eigentlich nur zwei Gründe haben: Die Tweets von Musk werden aufgrund negativer Erfahrungen sicherheitshalber überwacht, oder die Zahlen blieben bisher hinter den Erwartungen zurück.

Modellvarianten Model Y

Performance

Reichweite: 480 Kilometer

0-100 km/h in: 3,7 Sekunden

Top-Speed: 241 km/h

Preis: ab 70'000 CHF

Long Range AWD

Reichweite: 505 Kilometer

0-100 km/h in: 5,1 Sekunden

Top-Speed: 217 km/h

Preis: ab 61'000 CHF

Long Range RWD

Reichweite: 540 Kilometer

0-100 km/h in: 5,8 Sekunden

Top-Speed: 209 km/h

Preis: ab 57'000 CHF

Standard

Reichweite: 390 Kilometer

0-100 km/h in: 6,3 Sekunden

Top-Speed: 193 km/h

Preis: ab ca. 40'000 CHF

Tesla Modellnamen

Der Name des neuen Tesla-Modells ist kein Zufall, sondern steht in direktem Zusammenhang mit den anderen Autos der Kalifornier. Auf S, 3 (hätte E heissen sollen) und X folgt Y –aneinandergereiht hätte das das Wort «SEXY» ergeben. Doch für einmal war ein traditioneller Hersteller schneller – Ford hatte sich das «E» bereits gesichert. Also ist Tesla nicht «SEXY» sondern «S3XY»... aber damit kann Musk wohl leben.

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