Fifa-Korruption: Der Geldgeber hinter dem WM-Deal
Aktualisiert

Fifa-KorruptionDer Geldgeber hinter dem WM-Deal

Beim mutmasslichen Kauf der Fussball-WM 2006 gilt Robert Louis-Dreyfus als zentrale Figur. Der verstorbene Franzose war ein schillernder Manager.

von
Florian A. Lehmann

Die Fifa-Krise hat nun auch Deutschland erreicht. Über dem Turnier vor neun Jahren, das eigentlich als «deutsches Sommermärchen» in die Sport-Geschichte einging, brauen sich dunkle Wolken zusammen. Der happige Vorwurf: Vor der Vergabe der WM sechs Jahre zuvor in Zürich sollen Fifa-Funktionäre mithilfe einer schwarzen Kassse des Organisationskomitees bestochen worden sein.

Der Drahtzieher des (erfolgreichen) Deals soll, so berichten mehrere deutsche Medien, Robert Louis-Dreyfus gewesen sein. «Er war offenbar auch eine zentrale Figur bei der deutschen Bewerbung für die Fussball-WM 2006. Das deutsche Bewerbungskomitee richtete eine schwarze Kasse ein, die der damalige Adidas-Chef Louis-Dreyfus heimlich mit 10,3 Millionen Schweizer Franken gefüllt hatte», schreibt das Magazin «Spiegel» in seiner Online-Ausgabe. Der Betrag, so darf man objektiv feststellen, ist mehr als nur ein Trinkgeld.

Der typische Macher

Der Franzose gehörte zu jenem Männerschlag, der gemeinhin als Macher bezeichnet wird. RLD wusste sich durchzusetzen, er eignete sich schnell den Ruf als kompromissloser Sanierer an. 1993 übernahm er von René C. Jäggi, dem ehemaligen Präsidenten des FC Basel und des 1. FC Kaiserslautern, den Adidas-Konzern. Der Sportartikel-Hersteller aus Herzogenaurach darbte damals vor sich hin, die Artikel galten als verstaubt. Louis-Dreyfus kam, krempelte alles um, feuerte den Grossteil des Managements und verlegte die Produktion in asiatische Billigländer. Die unternehmerische Strategie hatte Erfolg. «Als er 2001 ging, war Adidas der Global Player, der er bis heute ist. Die Neunzigerjahre. Das war die Zeit, als sich der Fussball zu einer Gelddruckmaschine entwickelte. Und Louis-Dreyfus war einer der Männer, die den Hebel an der Maschine betätigten», schreibt Spiegel Online. Er galt zudem als einer, der das Geben und Nehmen perfekt beherrschte.

Mit der Szene verbandelt

Louis-Dreyfus, der aus einer reichen Familie stammte, liebte das Geld, aber auch den Fussball. Und er gehörte bald zur Prominenz in der Sportszene. Als er 2009 verstarb, erschienen viele wichtigen Köpfe zur Beerdigung: Fifa-Präsident Sepp Blatter, die deutsche Ikone Franz Beckenbauer, Bayern-Boss Uli Hoeness. Besonders mit Hoeness verband ihn mehr als nur Geschäftsbeziehungen: Die beiden Männer wurden dicke Freunde.

Hoeness gefiel die lässige, nonchalante Art des Franzosen, dieser wiederum war beeindruckt vom Erfolg des Deutschen mit seinen Bayern. «Im Jahr 2000, in dem Jahr also, in dem auch die WM-Vergabe an Deutschland über die Bühne ging, lieh er Hoeness, wie dieser betont, rein privat, 20 Millionen Mark – angeblich das Startgeld, das es dem Bayern-Manager ermöglichte, seine Finanzzockereien zu begehen, die ihn letztlich viele Jahre später ins Gefängnis brachten», weiss der «Spiegel». Und welt.de bemerkt: «Ohne Louis-Dreyfus, so sagte es jedenfalls Hoeness mal, hätte auch der FC Bayern wohl vor gut 15 Jahren den Ausrüster gewechselt. Konkurrent Nike hatte den Münchnern ein verlockendes Angebot gemacht. Die Bayern aber blieben bei Adidas, der schon so lange währenden Zusammenarbeit wegen und der Perspektiven, die Louis-Dreyfus geschaffen hatte. So die offizielle Sprachregelung damals.»

Mit dem Gesetz in Konflikt

Als Louis-Dreyfus Adidas verliess, versuchte er mit Olympique Marseille die französische Version des FC Bayern aufzubauen. OM, wie der Verein in der Grande Nation genannt wird, hatte sich schon längst den Ruf als Skandalclub angeeignet. Offenbar waren dem grössten Aktieninhaber von OM alle Mittel recht, um an sein Ziel zu kommen. Bei den Transfers von Weltmeister Laurent Blanc und Italiens Nationalspieler Fabrizio Ravanelli ging nicht alles mit rechten Dingen zu. Louis-Dreyfus und Coach Rolland Courbis mussten 2006 vor dem Gericht erscheinen. Das Duo wurde wegen Transferbetrugs und Verurteilung von Geldern verurteilt. Während Courbis nicht mehr auf der Trainerbank sitzen durfte, sondern im Gefängnis Platz nehmen musste, kam Louis-Dreyfus mit einer Bewährungsstrafe und einer hohen Geldbusse davon – nicht zuletzt dank seiner geschickten Anwältin, die ihren Mandanten vor dem Tribunal als «integeren, liebevollen Menschen und Manager» bezeichnete.

Schon 1991 hatte der Franzose der US-Börsenaufsicht 200000 Dollar bezahlen müssen, weil er gegen die Insiderregeln im Zusammenhang mit dem Verkauf von Aktien von IMS verstossen hatte. «Ende der Neunzigerjahre organisierte er den Übergang der Sportrechte aus dem insolventen Kirch-Imperium an die Schweizer Infront-Gruppe um Günter Netzer, ein weiterer Schritt, das Netzwerk im Fussball noch enger zu knüpfen. Heutiger Chef von Infront ist Philippe Blatter, der Neffe des Fifa-Präsidenten», schreibt spiegel.de.

Die Witwe kümmert sich um das Erbe

Alle Gratwanderungen mit dem Gesetz haben dem illustren Monsieur offenbar nicht geschadet. Witwe Margarita Louis-Dreyfus zählt zu den reichsten Frauen Frankreichs, das Familienvermögen soll bei fast fünf Milliarden Euro liegen. Die gebürtige Russin hat nach dem Tod ihres Gatten die Nachfolge bei OM übernommen. Auf der Ehrentribüne in Marseille betreibt sie nun mit dem ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy Small Talk. Die Frau hat jene Eigenschaften übernommen, die ihren Mann schon ausgezeichnet haben: Sie ist glänzend vernetzt.

Geld, Fussball und Politik – das passt eben doch oft zusammen.

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