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Muhammad YunusDer geschasste Nobelpreisträger

Als Muhammad Yunus den Nobelpreis erhielt, stieg er zum Volkshelden auf. Nun wurde er als Direktor seiner Bank gefeuert. Offiziell wegen des Alters. Doch Yunus soll Geld veruntreut haben.

von
sas

Vor fünf Jahren war Muhammad Yunus ein Volksheld. Der Wirtschaftsprofessor erhielt für seine Idee der Mikrokredite den Friedensnobelpreis. Sein Konzept: Arme Menschen mit Hilfe von günstigen Kleinstkrediten zu Unternehmern zu machen. Die von Yunus 1983 gegründete Grameen Bank wurde zur Pionierin im Mikrokreditgeschäft und zählt derzeit neun Millionen Schuldner – zum Grossteil Frauen.

Am Mittwoch beschloss die Zentralbank Bangladeschs den 70-jährigen Nobelpreisträger als Direktor der Grameen Bank zu feuern. Offizielle Begründung: Man habe der Ernennung von Yunus zum Chef auf unbestimmte Zeit nie zugestimmt. Behörden monierten, die bindende Altersgrenze für den Bankdirektor-Posten liege bei 60 Jahren.

Gelder veruntreut?

Inoffiziell dürften aber andere Dinge zu Yunus' Rauswurf geführt haben. Im November 2010 wurde dem Nobelpreisträger vorgeworfen, Entwicklungsgelder unter anderem aus Norwegen, Deutschland und den USA veruntreut zu haben. Konkret soll der Bankdirektor zweckgebundene Entwicklungshilfegelder in andere Projekte gesteckt haben. Yunus wies die Vorwürfe stets zurück und betonte seine Unschuld.

Dennoch leitete Bangladeschs Premierministerin Skeikh Hasina im Januar 2011 eine Untersuchung ein, die Ende März abgeschlossen werden soll. Mit der Premierministerin – einer ehemaligen Studienkollegin – hat Yunus das Heu nicht mehr auf der selben Bühne. Yunus gilt als harter Kritiker der Regierung, die mit 25 Prozent an der Grameen Bank beteiligt ist. Die Premierministerin möchte den Anteil des Staates aber auf 60 Prozent erhöhen und scheut vor Diffamierungen nicht zurück. Skeikh Hasina warf Yunus kürzlich vor, sich um Steuerzahlungen zu drücken und mit Mikrokrediten das «Blut der Armen auszusaugen».

Yunus hält an Macht fest

Seine Absetzung lässt Yunus nicht auf sich sitzen und setzt sich zur Wehr. Für den Wirtschaftsprofessor ist es der Kampf um sein Lebenswerk. Nach Angaben seiner Anwältin Sara Hossain hat Yunus am Donnerstag Berufung gegen die Entscheidung der Zentralbank eingelegt. Yunus' Einwand: Die Altersgrenze gelte in seinem Fall nicht, da die Grameen Bank aufgrund eines Sondergesetztes betrieben werde. Das Gericht kündigte eine Entscheidung für Sonntag an.

In den Augen der armen Bevölkerung bleibt Yunus ein Held. Schuldner reagierten betroffen auf den Rauswurf des Nobelpreisträges. «Wir wissen, dass er ein geachteter Mann ist. Er hat dem Land Ehre gebracht. Wir alle respektieren ihn», sagte die 25-jährige Shefali Akter zum Korrespondenten der Nachrichtenagentur AP. Die Grameen Bank gewährte der Frau Darlehen in der Höhe von umberechnet 720 Euro.

Der US-Botschafter in Bangladesch, James F. Moriarty, zeigt sich betroffen über den Prozess. «Es ist ein ungewöhnlicher Weg mit einem Nobelpreisträger umzugehen, der im Ausland als einer der wichtigsten Bangladescher gilt», sagte er am Donnerstag.

Mikrokredite in der Kritik:

Mikrokredite sind zuletzt immer stärker unter Druck geraten. Der Grund: Die Disziplin der Anbieter. Sie vergeben die Kredite nicht mehr ausschliesslich zum Aufbau eines Geschäfts, sondern auch für Konsumzwecke oder Hochzeiten. «Gehen Mikrokredite an die falschen Leute – die sich mit dem Geld beispielsweise Nahrung kaufen – wird sich deren Situation später nur noch verschlimmern», sagt Andreas Missbach, Finanzexperte bei der Erklärung von Bern zu 20 Minuten Online.

2005 hat die Uno zum Jahr der Mikrokredite ausgerufen und damit eine riesige Bewegung losgetreten. Das weltweite Mikrokredit-Volumen hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verfünffacht und beträgt annähernd sechs Milliarden US-Dollar.

Die Grenzen zwischen Mikrokrediten als Geschäft und Mikrokrediten als Entwicklungshilfe haben sich vermischt – und damit das von Erfinder Yunus gedachte Non-Profit-System unterlaufen. Grosse Anbieter, darunter Branchenprimus SKS Microfinance drängten in Indien erfolgreich an die Börse. (sas)

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