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Fahndung auf HochtourenDer Gift-Erpresser ist «gut strukturiert»

Der Mann, der vergiftete Babynahrung im grenznahen Friedrichshafen deponiert haben soll, geht überlegt vor. Die Polizei hat 100 Hinweise erhalten.

von
Ann Guenter

Die Aufnahme einer Überwachungskamera zeigt den Gesuchten in einem Laden in Friedrichshafen (Polizei Konstanz).

Bei der Fahndung nach dem Erpresser, der mit der Vergiftung von Lebensmitteln droht, sind bei der Polizei Konstanz bislang 650 Anrufe und 60 Emails eingegangen. 100 betreffen konkrete Hinweise auf den Täter, stammen von Menschen, die den Gesuchten zu kennen glauben.

Die Polizei reagierte sehr schnell: mit der Bildung der Sonderkommission «Apfel» und der Einbindung der Öffentlichkeit. Um den Fahndungsdruck zu erhöhen, veröffentlichte sie Bilder des mutmasslichen Giftablegers. Es ist ein etwa 50-jähriger Mann, der mit einem weissen Hemd und grauer Hose in einem Supermarkt in Friedrichshafen unterwegs war. Die Polizei geht davon aus, dass er dabei die präparierten Gläser aufstellte. «Wir bezeichnen den Täter als gut strukturiert», so Sauter.

«Nicht ausschliessen, dass Gesuchter Schweizer ist»

Noch habe sich bei der Fahndung nichts Konkretes abgezeichnet, so der Polizeisprecher weiter. Auf Nachfrage, ob der Erpresser auch aus der grenznahen Schweiz stammen könnte, sagte er: «Wir können nicht ausschliessen, dass der Gesuchte Schweizer ist.» Ob und wie viele Hinweise die Polizei aus der Schweiz erhalten hat, teilte sie nicht mit.

Gestern war bekannt geworden, dass mehrere deutsche Lebensmittelketten (Aldi, Rossmann, Lidl, DM, Müller, Edeka, Norma und Rewe) Erpresserbriefe erhalten hatten. Die Briefe gingen als Emails ein.

«Ausnahmslos alle» präparierten Produkte gefunden

Darin wurden eine Reihe von Läden in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) aufgezählt, in denen der oder die Erpresser Gläser mit vergiftetem Baby-Brei deponiert haben. Keine leere Drohung – die Polizei wurde in fünf Fällen tatsächlich fündig.

Dabei war Baby-Brei mit Ethylenglykol verrührt worden, eine klare, süss schmeckende Flüssigkeit, die auch für Frostschutzmittel verwendet wird. 30 Milliliter sind bei Erwachsenen gesundheitsgefährdend, für Babys tödlich.

Der Erpresser habe mit dem Deponieren der fünf vergifteten Gläser die Ernsthaftigkeit seiner Drohung unterstreichen wollen, so Sauter. Die Polizei ist aber sicher, «ausnahmslos alle» präparierten Produkte gefunden zu haben.

«Eine Garantie gibt es keine»

In den Erpresser-Emails hiess es weiter, dass man am Samstag erneut zuschlagen werde und statt fünf diesmal zwanzig Lebensmittel vergifte, sollte der geforderte Millionenbetrag nicht bezahlt werden.

Eine Drohung, die beunruhigt. Dennoch, so Polizeisprecher Sauter, «gehen wir nicht davon aus, dass es gelingen wird, weitere vergiftete Produkte zu deponieren. Dafür ist der Fahndungsdruck zu hoch. Aber eine Garantie gibt es keine.»

Wie sich Kunden jetzt verhalten sollen

«Die Mehrheit der bei uns eingegangenen Anrufe und Mails stammten von besorgten Bürgern, sie wissen wollten, wie sie sich verhalten sollen», sagt Sauter.

Die Verhaltenstipps: «Schauen Sie, ob die Verpackung manipuliert ist. Unversehrte Glasverpackungen haben üblicherweise einen Deckel, der wegen des Vakuums nach innen gewölbt ist. Beim Öffnen gibt es einen Plopp», so Petra Mock vom Stuttgarter Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung.

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