Schweizer Schoggi?: Der Goldhase ist Deutscher
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Schweizer Schoggi?Der Goldhase ist Deutscher

In vier Wochen ist Ostern. Darum sitzt er wieder tausendfach in den Regalen der Detailhändler: der Goldhase des Schweizer Schokoladeproduzenten Lindt & Sprüngli. Wer den süssen Hasen aber genau anschaut, stellt fest: Er ist gar kein Schweizer.

von
Sandro Spaeth

Die Datenklau-Affäre und der Steuerstreit haben hierzulande die Beliebtheit unserer nördlichen Nachbarn nicht eben gefördert. In der Gunst der Schweizer Konsumenten steht aber momenten ein Deutscher ganz oben – nur dass dies viele gar nicht wissen. Denn dass der Verkaufsschlager Goldhase von Lindt & Sprüngli in Deutschland produziert wird, steht nur im Kleingedruckten

Für die Konsumenten steht der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli aus dem zürcherischen Kilchberg für Schweizer Produkte. «Von einer Täuschung kann keine Rede sein, da auf der Verpackung ganz klar die Herkunft des Goldhasen kommuniziert wird», sagt Lindt-&-Sprüngli-Sprecherin Sylvia Kälin gegenüber 20 Minuten Online. Die Goldhasen stammen aus dem Lindt-&-Sprüngli-Kompetenzzentrum für Hohlfiguren im deutschen Aachen. Nach Angaben von Kälin werden diese Produkte gemäss den gruppenweit gültigen Qualitätskriterien produziert. «Damit erhalten die Schokoladeliebhaber immer die erwartete Premium-Qualität, denn Lindt bleibt Lindt», betont Kälin.

100 Millionen Goldhasen

Bei Coop ist der Goldhase bereits seit rund einem Monat im Regal. Auch im Ausland erfreuen sich die «falschen Schweizer» grosser Beliebtheit. Weltweit gehen jährlich in 60 Ländern fast 100 Millionen Goldhasen über den Ladentisch. Hat Lindt & Sprüngli wegen des Produktionsorts der Hasen negative Kundenreaktionen erhalten? – «Praktisch nie», sagt Sylvia Kälin, der Goldhase habe seit Jahrzehnten eine enorm grosse Akzeptanz bei den Kunden – und dies nicht nur in der Schweiz.

Trotz Schweizer Qualitätskriterien wird der Goldhase in Aachen aber nicht mit Schweizer Milch produziert. «Aus ökonomischen und ökologischen Gründen versuchen wir, die Rohstoffe in der Nähe unserer Produktionsstandorte zu beschaffen», sagt Kälin. In diesem Sinne werde Milch von lokalen Lieferanten verwendet.

Hase als Imageträger

Der Goldhase bringt Lindt & Sprüngli mehrere hundert Millionen Franken Umsatz. Das ist zwar bedeutend, den ganz grossen Anteil am Jahresumsatz von zuletzt 2,5 Milliarden steuert das goldene Langohr aber nicht bei. Er ist laut Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner aber ein einmaliger Imageträger. Dieses Edelimage will Tanner beibehalten: So gab er einst zu Protokoll, dass die Hasen nie in einem Harddiscounter stehen werden, solange er bei Lindt & Sprüngli das Sagen habe.

Wer hat's kopiert?

Im Goldhasen steckt eine Menge Arbeit, wird doch die hauchdünne Alufolie von Hand glattgestrichen und die rote Schleife mit den kleinen Glöckchen von Menschenhand umgebunden. Doch Meister Lampe birgt auch eine Menge Konfliktpotential: So halten sich Gerüchte hartnäckig, Lindt & Sprüngli habe die Idee ihres Vorzeigeproduktes geklaut, was vom Unternehmen stets dementiert wird: «Der Goldhase von Lindt wird bereits seit 1952 produziert und vertrieben», sagt Sprecherin Kälin.

In den Sechzigerjahren brachte aber auch der österreichische Familienbetrieb Hauswirth ein ähnliches Produkt auf den Markt, was 2004 in einem Rechtsstreit endete. Seit dem Jahr 2000 ist der Goldhase nämlich markenrechtlich geschützt, worauf Lindt & Sprüngli klagte, der österreichische Osterhase mit der roten Schleife sehe dem Lindt-Hasen zum Verwechseln ähnlich. Laut Kälin ist der Fall noch nicht letztinstanzlich entschieden – er liegt derzeit beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.

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