Aktualisiert 31.10.2011 13:31

Tracker-LatschenDer GPS-Schuh - für Senioren und Prostituierte

Einige Alzheimer-Patienten leiden unter starkem Bewegungsdrang - und gehen deshalb nicht selten verloren. Eine neue Erfindung könnte nicht nur ihnen, sondern auch Sexworkerinnen helfen.

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rre/sda
GPS-Technologie für Sexworkerinnen und bewegungsfreudige Alzheimer-Patienten.

GPS-Technologie für Sexworkerinnen und bewegungsfreudige Alzheimer-Patienten.

Verschwundene Alzheimer-Patienten können in den USA künftig von Hightech-Schuhen aufgespürt werden. Noch im Oktober sollen die mit dem Satellitenortungssystem GPS ausgestatteten Schuhe zum Preis von rund 300 Dollar auf den Markt kommen.

Das kündigte der GPS-Hersteller GTX Corp an. Die ersten 3000 Paare seien bereits an die Schuhfirma Aetrex Worldwide ausgeliefert worden.

Erst die Uhr, jetzt der Schuh

Uhren, in denen ein Tracker mit GPS-Ortung eingebaut ist, gibt es bereits seit letztem Jahr (20 Minuten Online berichtete). Beim Schuh sei der GPS-Empfänger hingegen unauffällig im Schuhabsatz eingebaut, erläuterte Andrew Carle von der George-Mason-Universität, der GTX Corp und Aetrex Worldwide bei der Entwicklung des Schuhs beriet. Über die GPS-Ortung könne ein virtueller Zaun um die Wohnung des Erkrankten errichtet werden.

Sobald der Träger die Grenze überschreite, werde ein Alarm auf ein Handy oder einen Computer verschickt. Über ein eigens eingerichtetes Portal könnten Angehörige oder Pflegekräfte den Vermissten dann lokalisieren.

(Quelle: YouTube.com/GTX Corp.)

Wichtige Hilfe

Das neue System erspare den Betroffenen «peinliche Momente» und könne sogar Leben retten, sagte Carle der Nachrichtenagentur AFP. «Es ist vor allem für Alzheimer-Patienten im frühen Stadium wichtig, denn sie sind besonders gefährdet: Sie wohnen möglicherweise noch zu Hause, sind aber schon verwirrt. Dann spazieren sie einfach los - und können tagelang verloren gehen.»

Gemäss der Schweizerischen Alzheimervereinigung leiden in der Schweiz ungefähr 107 000 Menschen unter Demenz. Viele von ihnen werden von einem starken Bewegungsdrang gepackt und laufen weg. Würden sie nicht binnen eines Tages gefunden, wachse die Gefahr, dass sie dehydrieren oder in schwere Unfälle verwickelt werden.

Den Patienten einfach ein GPS-Arm- oder Halsband mitzugeben, sei keine Lösung, weil sie ungewohnte Gegenstände häufig abnehmen, sagte Carle. «Paranoia geht oftmals mit Alzheimer einher - gib ihnen eine Armbanduhr und sie nehmen sie ab, weil es nicht ihre ist. Man muss das GPS vor ihnen verbergen».

GPS-Plateau-Schuh für Sexworkerinnen

Nicht nur Alzheimer-Patienten verspricht der Sender in der Sohle mehr Sicherheit. Unlängst berichtete Discovery News über eine weitere GPS-Schuh-Idee, das sogenannte Aphrodite Project. Statt in bequemen Wanderlatschen lässt Aphrodite GPS-Empfänger in hohe Plateau-Sandalen einbauen. Gerät die Sexworkerin in Gefahr, kann sie einen Alarm auslösen, der es Sicherheitskräften ermöglicht, sie aufzuspüren. Im Schuh selbst befindet sich ausserdem eine Art «Geheimfach», in dem Bargeld, Hausschlüssel oder Kondome aufbewahrt werden können.

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