Streit um das Erbe: Der Greis, seine blutjunge Frau und ein Video
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Streit um das ErbeDer Greis, seine blutjunge Frau und ein Video

Der Tod eines 90-jährigen Biermagnaten beschäftigt die deutschen Behörden. Sie belauschen die 28-jährige Witwe heimlich – weil sie merkwürdig fanden, dass sie dessen Tod filmte.

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Bruno Schubert (links) wurde bis zu seinem Tod im Oktober 2010 von seiner jungen Ehefrau Meharit gepflegt. Schuberts unehelicher Sohn Hanns Peter Nerger (rechts) warf seiner Stiefmutter wiederholt «Heiratsschwindel» vor. (Bilder: Keystone/bild.de)

Bruno Schubert (links) wurde bis zu seinem Tod im Oktober 2010 von seiner jungen Ehefrau Meharit gepflegt. Schuberts unehelicher Sohn Hanns Peter Nerger (rechts) warf seiner Stiefmutter wiederholt «Heiratsschwindel» vor. (Bilder: Keystone/bild.de)

Fast ein Jahr nach seinem Tod reisst das Drama um das Erbe des deutschen Bierbrauerunternehmer Bruno Schubert nicht ab. Vor wenigen Tagen wurde ein Video ins Internet gestellt, das den 90-Jährigen in seinen letzten Stunden zeigt. Es war die junge Witwe Meharit, die «aus Sicherheit» seinen Tod gefilmt hatte. Sie wollte damit vorbeugen, dass man ihr unterstelle, etwas mit dem Tod des Millionärs zu tun zu haben.

Und ganz falsch lag sie mit ihre Befürchtungen nicht: Kurz nach Schuberts Tod begann die Staatsanwaltschaft in Frankfurt zu ermitteln, da die Anschuldigung im Raum stand, die 28-jährige Meharit könnte beim Ableben ihres Mannes nachgeholfen haben. Es gab Vorwürfe, sie hätte ihren Mann vorsätzlich verdursten lassen oder ihm falsche Medikamente gegeben.

Video dient als Beweis

Das Video zeigt, wie die junge aus Äthiopien stammende Belgierin Meharit ihren Mann bis zuletzt liebevoll pflegte. Die Minikamera habe sie gemeinsam mit ihrem Mann besorgt, behauptete sie nach der Veröffentlichung der Aufnahmen. Das Video soll gar auf seinen Wunsch hin entstanden sein.

Das Paar hatte gute Gründe zu meinen, Meharit könnte nach seinem Tod angegriffen werden: Bruno Schubert hatte im Sommer 2010 die junge Kellnerin geheiratet und vor allen beteuert, sie sei seine «grosse Liebe». Doch seine Freunde und auch sein unehelicher Sohn Hanns Peter Nerger wollten von seinem neuen Glück nichts wissen: Sie warfen der Frau wiederholt «Heiratsschwindel» vor.

Schubert zerstritt sich mit seinen besten Freunden, wie auch mit der eigenen Stiftung, die - bis die 64 Jahre jüngere Meharit auftauchte - in einem früheren Testament als Alleinerbe bestimmt war. Seither herrscht ein bitterer Erbkrieg, der bis vor Gericht führte.

Dunkle Ermittlungsmethoden

Doch die Ermittlungen sollen nach Informationen der «Bild»-Zeitung nicht ganz nach Reglement abgelaufen sein. So soll Meharit heimlich von einem Frankfurter Oberkommissar belauscht worden sein. Ihr Anwalt reibt sich die Hände: «Das ist ein absoluter Polizeiskandal. Inkognito geht gar nicht», antwortet Joachim Bremer auf die Ausrede der Polizei, sie mache sich Sorgen um Meharits Wohl. Wenn es darum gehe, eine Zeugin zu beschützen, würde man einen Bodyguard schicken, aber keinen Ermittler. «So etwas ist absolut nicht zulässig – und ein Eldorado für jeden Verteidiger», so der Staranwalt.

Am Donnerstag soll das Gericht im Erbstreit ein Urteil fällen.

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