Zehn Euro Stundenlohn - «Der grösste Baustellenskandal der vergangenen Jahrzehnte»
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Zehn Euro Stundenlohn«Der grösste Baustellenskandal der vergangenen Jahrzehnte»

Auf dem ehemaligen Prattler Rohner-Chemieareal soll ein Ort der Begegnung entstehen. Doch bei den Bauarbeiten sollen 140 Osteuropäer massiv ausgebeutet worden sein. Der Kanton reagiert.

von
Seline Bietenhard
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Bei Umbauarbeiten des ehemaligen Prattler Rohner-Chemieareals soll es zu Ausbeutungen von osteuropäischen Bauarbeitern gekommen sein.

Bei Umbauarbeiten des ehemaligen Prattler Rohner-Chemieareals soll es zu Ausbeutungen von osteuropäischen Bauarbeitern gekommen sein.

20min/Lukas Hausendorf
 Die Arbeiter hätten die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns erhalten. Auch die maximale wöchentliche Arbeitszeit soll überschritten worden sein.

Die Arbeiter hätten die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns erhalten. Auch die maximale wöchentliche Arbeitszeit soll überschritten worden sein.

20min/Lukas Hausendorf
Nun reagiert der Kanton Basel-Land auf die Vorwürfe und prüft den Antrag zur Einstellung der Arbeiten.

Nun reagiert der Kanton Basel-Land auf die Vorwürfe und prüft den Antrag zur Einstellung der Arbeiten.

20min/Lukas Hausendorf

Darum gehts

  • Das ehemalige Prattler Chemieareal wird umgestaltet.

  • Doch für den Umbau sollen 140 osteuropäische Bauarbeiter ausgebeutet worden sein.

  • Sie hätten teilweise für die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohnes gearbeitet.

  • Auch die maximale wöchentliche Arbeitszeit soll überschritten worden sein.

Das ehemalige Prattler Chemieareal der Rohner Chem wird von der Basler Immobilienfirma Hiag umgestaltet, wie die «Basler Zeitung» berichtete (Bezahlartikel). Für 250 Millionen Franken soll aus dem Gebiet ein Ort der Begegnung gemacht werden. Doch für den Umbau würden osteuropäische Arbeiter ausgebeutet, schreibt die Zeitung.

Seit Dezember 2020 sind rund 140 Osteuropäer mit dem Rückbau der bestehenden Chemieanlagen beschäftigt. Gemäss der «BaZ» würden hier die Mindestlöhne unterschritten, und die maximal erlaubte Arbeitszeit werde nicht eingehalten. So soll ein polnischer Arbeiter für einen Einsatz im Januar 2021 für 172 Arbeitsstunden umgerechnet 1’900 Franken erhalten haben. Im Februar waren es für 200 Stunden dann 2515 Franken und im März für 254 Arbeitsstunden 2646 Franken.

Arbeiten für die Hälfte des Mindestlohns

Diese Zahlen entsprechen der Hälfte des im Gesamtarbeitsvertrag notierten Mindestlohns für Metallbauarbeiten. Ebenfalls sollen die von den Arbeitern effektiv getätigten Arbeitsstunden über den im Arbeitsgesetz vorgesehen maximalen 50 Stunden liegen. Gemäss den betroffenen Bauarbeitern kommen wöchentlich 57 Stunden Arbeit zusammen.

Die Immobilienfirma Hiag weist auf das deutsche Unternehmen KD Pharma hin. Sie habe die Produktionsanlagen an dieses Unternehmen verkauft. KD Pharma habe wiederum die niederländische Gerritsen Group mit dem Rückbau beauftragt. Und diese wiederum soll den Auftrag dann an diverse osteuropäische Subunternehmen weitergeleitet haben.

Niemand wolle etwas von den Vorwürfen wissen. Gemäss der Gerritsen Group liessen sich die Vorwürfe «nur schwer nachvollziehen».

Beantragte Schliessung der Baustelle

Laut Michael von Felten, Vorstandsdelegierter der Basler Arbeitsmarktkontrolle für das Baugewerbe (AMKB), sei es ein unüberblickbares Geflecht an Subunternehmen. Ebenfalls sollen die Bauarbeiten bereits Ende Mai beendet werden. «Es deutet darauf hin, dass sich dann alles in Luft auflöst und niemand zur Rechenschaft gezogen werden kann», so von Felten zur «BaZ».

Die AMKB hat nun eingegriffen. Intern sprechen sie vom grössten Baselbieter Baustellenskandal seit 20 Jahren. Die AMKB hat das Kantonale Amt für Wirtschaft, Gewerbe und Arbeit (Kiga) aufgefordert, die Baustellen zu schliessen. Dabei verwiesen sie auf die Verstösse gegen verschiedene Gesetze. Es sei hier nicht nur zur Unterschreitung der Löhne und einer Missachtung der maximalen Arbeitszeit gekommen, sondern auch zu Verstössen der Arbeitssicherheit. Sie fordern, dass die Arbeit auf dem ehemaligen Rohner Chem Chemieareal so schnell wie möglich niedergelegt werde.

Der Kanton Basel-Land beurteilt die Vorwürfe der AMKB als gravierend und prüft den geforderten Antrag zur Einstellung der Arbeiten, heisst es in einer Mitteilung.

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