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Edsel RangerDer grösste Flop der Automobilgeschichte

250 Millionen Dollar investierte Ford in den 1950er-Jahren in die neue Marke Edsel. Nach zwei Jahren brach man die Übung ab. Am Auto selber lag es allerdings nicht.

von
B. von Rotz

Was Toyota mit Lexus oder Nissan mit Infinity erfolgreich schaffte, misslang Ford in den Fünfzigerjahren komplett: die Lancierung einer neuen Marke. Mit 18 verschiedenen Modellen trat Edsel im Herbst 1957 an, doch der Verkauf blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Schon nach zwei Jahren war Schluss, Ford war fast 3 Milliarden heutige Dollar ärmer. Dabei waren die Autos selber eigentlich gar nicht so schlecht.

Der Edsel Ranger wurde bei seinem Erscheinen in die amerikanische Mittelklasse eingestuft. Aus europäischer Sicht war und ist er - obschon im Prinzip der «kleine» Edsel - eine stattliche Erscheinung. 5,4 mal 2,0 Meter sind auch heute noch Gardemasse für ein Automobil.

Dank Servolenkung, Automatik-Getriebe und Servobremse bleibt dem Piloten das hohe Gewicht von rund 1,8 Tonnen im normalen Fahrbetrieb weitgehend verborgen. Wie seine Zeitgenossen schiebt er mit seinem 5,5-Liter-Motor kräftig an, wenn man auf das Gaspedal tritt, und neigt sich wegen der weichen Federung gewaltig in die Kurve. Aber man reist bequem und geniesst grosszügige Platzverhältnisse.

Zehn Jahre Vorlauf

Der Edsel war kein Schnellschuss. Bereits am 28. September 1948 hatte Henry Ford II vorgeschlagen, eine neue Marke mit separatem Vertriebsnetz zu evaluieren. Nach über sechs Jahren Vorbereitungsarbeiten begann man 1955 mit der Entwicklung von vier Fahrzeugserien.

Bereits im August 1955 zeigte Designer Roy Brown den hohen Tieren von Ford zwei Tonmodelle. Auf den zwanzigminütigen Vortrag, der mit der Enthüllung der beiden Designentwürfe endete, folgte erst einmal eine Minute andächtigen Schweigens. Brown dürfte Blut geschwitzt haben, aber alsbald brachen die Ford-Chefs in spontanen Beifall aus. Gemäss vielen Beobachtern war dies das erste Mal, dass eine Gruppe ausgekochter Ford-Manager derart positiv auf ein neues Modell reagierte.

Nicht revolutionär, aber konkurrenzfähig

Am 4. September 1957 war es dann so weit. Am sogenannten «E Day» wurden die Edsel-Limousinen, -Cabrios und -Kombis der Öffentlichkeit präsentiert. Wer ob der grossen Geheimnistuerei ein revolutionäres Auto erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Die Autos waren auf der Höhe der Zeit, aber nicht wesentlich besser als die Konkurrenz, auch wenn es mit Druckknopf-Automatik, selbstnachstellenden Bremsen und intelligenten Detaillösungen Sachen gab, die man bei GM oder Chrysler nicht kaufen konnte.

Man liess sich einiges einfallen, um die für Ford bis dahin grösste Lancierung eines neuen Autos zum Erfolg zu machen. Musste man auch, denn es war ein Verkauf von 500'000 Wagen pro Jahr angepeilt. 1200 Händler wurden vertraglich gebunden, viel Geld für Werbung ausgegeben.

Rezession

Was die Marketing-Leute wohl nicht voraussehen konnten, war die weltweite Rezession, die 1958 riesige Auswirkungen auf den Markt hatte. Der Automobil-Verkauf ging um 31% zurück in jenem Jahr. Da wurde es für manchen Hersteller eng, für eine neue Marke mit ambitiösen Zielen aber noch viel mehr. Ford zog früh die Notbremse, reduzierte und vereinfachte, wo es möglich war. Es reichte nicht.

Am 19. November 1959 wurde das Ende von Edsel offiziell verkündet. Von den 118'287 produzierten Autos (Limousinen, Coupés, Cabriolets und Kombis) haben keine 10 Prozent überlebt. Heute erfreuen sie sich steigender Beliebtheit, was sich in den Preisen niederschlägt. Späte Ehre für ein wenig ruhmreiches Kapitel der Ford-Geschichte.

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