Der grösste Mythos von Hollywood
Aktualisiert

Der grösste Mythos von Hollywood

Heute würde Marilyn Monroe 80 Jahre. Doch sie bleibt auf ewig 36 - so alt war sie zum Zeitpunkt ihres Selbstmordes beziehungsweise ihrer Ermordung durch die CIA/die Mafia/die Kennedys.

Ihr früher und legendenumwobener Tod hat ihren Status als Filmikone des Jahrhunderts gesichert. Sie symbolisiert Amerika wie sonst höchstens noch Elvis, James Dean, Coca Cola oder der Marlboro-Mann.

Ihr Leben ist in 300 Biografien erzählt worden: schwierige Kindheit, Fotomodell, ein paar gute Filme, ein paar kurze Ehen, Affäre mit Kennedy, früher Tod. Verschwörungstheorien und Nachruhm als blondeste Versuchung, seit es Färbemittel gibt. «Marilyn Monroe bleibt der ultimative Superstar», urteilt die «New York Times», «di e meistbesprochene und -mythologisierte Figur in der Geschichte Hollywoods.»

Da gibt es kein Detail, das unbeachtet bleibt. So weist der Verband der deutschen Holzindustrie darauf hin, dass Marilyn Monroe exakt so gross war wie der durchschnittliche deutsche Weihnachtsbaum - 1,64 Meter. Ihre Körpermasse sind noch heute Gegenstand erhitzter Debatten. «Ich würde mich umbringen, wenn ich so dick wäre wie Marilyn Monroe», lästert das britische Model Liz Hurley. Woraufhin die amerikanische Schauspielerin Claudia Shear kontert: «Die meisten von uns würden sich umbringen, wenn sie so talentfrei wären wie Elizabeth Hurley.»

Marilyn Monroe war der Filmstar schlechthin - auch deshalb, weil sie ihren Zauber ausschliesslich auf der Leinwand entfalten konnte. Im Theater hätte sie kläglich versagt. Der zutiefst unsichere Star musste beim Drehen einzelne Sätze bis zu 59 Mal wiederholen, bevor Betonung und Artikulation endlich stimmten. So viel Geduld bringt nur die Kamera auf. Dazu kam ihre berüchtigte Disziplinlosigkeit. Eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sie pünktlich am Drehort erschien, war ein Studiobesuch des sowjetischen Präsidenten Nikita Chruschtschow. Der Regisseur Billy Wilder bemerkte daraufhin, man müsse Chruschtschow unbedingt zum Produktionsleiter machen.

Wie heutige Superstars aus der Retorte war Marilyn Monroe bereits eine von den Studiobossen erfundene Kunstfigur samt Schönheitsoperationen an Nase und Kinn. Ihre erotische Sprechweise mit den weggehauchten Vokalen war das Ergebnis eines intensiven Trainings zur Überwindung ihres Stotterns. Die private Marilyn Monroe hatte mit dem Image des blonden Vamps und Dummchens wenig gemein. Sie stöberte gern in Buchläden herum und nahm auch schon mal einen Rilke-Band mit. Sie gründete als eine der ersten Schauspielerinnen Hollywoods eine eigene Produktionsgesellschaft. «In Wahrheit war sie eine hoch intelligente Frau», stellte einmal die deutsche Monroe-Expertin Heidi Draheim klar.

Die Rolle, die sie auch jenseits des Sets spielen musste, wurde ihr mit der Zeit unerträglich. «Ich schleppe Marilyn Monroe mit mir herum wie eine schwere Last», klagte sie. Allen Mordtheorien zum Trotz ist es immer noch am wahrscheinlichsten, dass sie am Ende von ihrem eigenen Image erdrückt wurde. (sda)

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