Von Verletzungen gejagt: Der grösste Pechvogel der Bundesliga
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Von Verletzungen gejagtDer grösste Pechvogel der Bundesliga

Hannovers Leon Andreasen ist zweieinhalb Jahre verletzt. Dann endlich kehrt der 29-Jährige auf den Platz zurück. Die Freude ist von kurzer Dauer: Schon wieder droht das Karriereende.

von
heg

Es ist eine Leidensgeschichte, die kein Ende zu nehmen scheint. Leon Andreasen ist während zweieinhalb Jahren verletzt. Der dänische Fussballprofi von Hannover 96 bereitet sein Comeback rund zwanzig Mal vor. Er wird aber immer wieder enttäuscht. Kein Arzt scheint ihm helfen zu können. Bis er in der Heimat fündig wird. Andreasen darf den diesjährigen Saisonstart tatsächlich erleben, nun steht die Fortsetzung seiner Karriere aber bereits wieder auf der Kippe.

Herbst 2010. Andreasen sitzt in einer Hannover Spezialklinik für Phantomschmerzen. Die Ärzte sollen herausfinden, warum sich der dänische Fussballer ständig mit Problemen in der rechten Leiste herumplagt. Dass der Schmerz aus dieser Gegend stammt, können sie ihm nach zwanzig Tagen Behandlung sagen. Nicht aber, wie er zu beseitigen ist. Andreasen gibt nicht auf. Operationen sollen helfen. «Wenn mir ein Arzt sagte: In drei Monaten bist du wieder fit, habe ich gesagt: Los, schneid mich auf.» Doch jedes Mal war die Freude nur von kurzer Dauer. Wohl zwanzig Mal habe er sein Comeback vorbereitet, sagt der bemitleidenswerte Mittelfeldspieler.

Die Lösung liegt in der Heimat

Als es mit dem Wiedereinstieg ins Fussballleben auch im Sommer 2011 nicht klappt, bleibt das einst so hochgelobte Talent den Stadien fern. Er sieht sich die Spiele mit seiner Verlobten Annabelle zuhause an, berichtet die «FAZ». Im Spätsommer 2011 erreicht ihn plötzlich ein Anruf aus der Heimat. Die Kopenhagener Mediziner Claus Hovgard und Thomas Jörgensen haben von seinen Leiden erfahren und beschlossen, ihm zu helfen. Andreasen geht darauf ein und zieht in die dänische Hauptstadt, um sich zum x-ten Mal unters Messer legen zu lassen.

Im September 2011 entnehmen ihm die beiden Ärzte ein zentimeterlanges Narbengewebe von der lädierten Leiste. Dies hatte auf die Nerven im Muskel gedrückt und die leidigen Schmerzen ausgelöst. «Ich habe gleich nach dem Aufwachen gemerkt, dass etwas anders ist. Ich hatte plötzlich Power im Bein», wird Andreasen zitiert. Dass er sich zuvor unzählige Male operieren liess, ärgert ihn. «Ich bereue, so lange mit Schmerzen gespielt zu haben. Hätte ich nur besser auf meinen Körper gehört. Ich bereue, so oft umsonst aufgeschnitten worden zu sein.»

Erneute Verletzung trübt die Freude

Andreasen ackert weiter eifrig an seinem Comeback. Dann ist es so weit: In den ersten beiden Bundesliga-Partien der Saison 2012/13 gegen Wolfsburg und Bremen kommt er zu Teileinsätzen und schiesst jeweils ein Tor. Doch die Freude ist von kurzer Dauer. Kaum zurück auf dem Platz, verletzt der Däne sich am Zeh und muss schon wieder passen. Anfang September bietet ihn Dänemarks Nati-Trainer Morten Olsen für die WM-Qualifikation auf. Gegen Tschechien wird der Mittelfeldspieler nach einer Stunde eingewechselt. «Es mag langweilig klingen. Aber dieser Moment war einer der schönsten in meinem Leben», so Andreasen nach dem Spiel. Nach einem Europa-League-Einsatz gegen Twente soll er in der Bundesliga gegen Hoffenheim wieder spielen. Kurz vor der Partie am Wochenende begibt sich der Däne wegen Leistenproblemen aber in die Heimat um sich behandeln zu lassen. Es ist jedoch nicht so schlimm wie zu früheren Zeiten.

So kann Andreasen am Mittwoch wieder antreten und gegen Nürnberg von Anfang an spielen. Nach zehn Minuten jedoch der Schock. Der Däne bleibt an einer Stelle hängen, an der nach dem Coldplay-Konzert am Wochenende neuer Rasen verlegt werden musste. Er verletzt sich am rechten Knie. Am Donnerstag bestätigt sich der Verdacht: Kreuzbandriss. Andreasen fällt sicher ein halbes Jahr aus. Die Karriere steht erneut auf dem Spiel. Er kann einem leid tun, der 29-jährige Däne.

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